Ortsentwicklung
Bauprojekte für sechs Millionen Euro in Jemgum
Neuer Wohnraum in größerem Umfang soll in Jemgum entstehen. Mehr als sechs Millionen Euro will ein Privatinvestor in drei ganz unterschiedliche Bauprojekte investieren und damit den Ortskern beleben.
Jemgum - In der früheren Bäckerei und der Löwen-Apotheke werden schon längst keine Kunden mehr bedient. Viele Firmen- und Wohngebäude machen einen verlassenen, mitunter auch heruntergekommenen Eindruck.
Was und warum
Darum geht es: Die Dorfentwicklung in Jemgum könnte nach jahrelangem Stillstand endlich vorankommen.
Vor allem interessant für: Paare, Alleinstehende und Familien, die erschwinglichen Wohnraum suchen, insbesondere aber Senioren.
Deshalb berichten wir: In der Sitzung des Bauausschusses hat Andreas Rüger vorgestellt, was er in Jemgum vorhat. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Für neues Leben in den alten Gassen könnten mehrere Bauvorhaben sorgen, die Andreas Rüger in Jemgum verwirklichen will. Der Privatinvestor will im Ortskern bis zu 6,5 Millionen Euro in drei Wohnbauprojekte investieren. Geschaffen werden sollen nicht nur Mietwohnungen für Senioren mit Pflegegrad, für Singles und Familien, sondern auch Eigentumswohnungen. In der Sitzung des Bauausschusses am Donnerstagabend stellte Rüger die Projekte vor – und erntete bei allen Fraktionen große Begeisterung.
Die Alte Apotheke
„Einen alten Baum verpflanzt man nicht“, sagt Andreas Rüger. Viele Häuser in Jemgum seien für die Senioren viel zu groß geworden. „Man muss dort neue Angebote schaffen, wo die Senioren leben.“ Den Standort der Alten Apotheke im Ortskern hält er für ideal. Das Gebäude an der Oberfletmer Straße steht seit Jahren leer. Für die Schaffung einer Wegeverbindung zum Wierdepark hat die Gemeinde eine Zusage für Fördergeld. Das fließt aber nur, wenn die Gemeinde im kommenden Jahr erste Mittel abruft. Dasselbe gilt für einen Mehrgenerationenplatz beim Wierdepark.
„Ohne zu wissen, was mit der Alten Apotheke passiert, machte eine Maßnahme für uns bisher keinen Sinn“, sagte Bürgermeister Hans-Peter Heikens (parteilos). In den zurückliegenden Monaten habe er Gespräche mit verschiedenen Trägern von Altenpflegeeinrichtungen geführt mit Ziel, dort Altenwohnungen oder eine Tagespflege einzurichten. Alle hätten abgewunken, weil so eine Einrichtung in Jemgum nicht wirtschaftlich sei. Daher setzt Andreas Rüger bei der Ortsentwicklung auch auf ein Konzept mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Ursprünglich kommt Rüger aus Frankfurt. Dort ist er Vorstand der Projektentwicklungsgesellschaft Open Mainded, lebt aber mit seiner Familie seit ein paar Jahren in Moormerland.
Wohnungen für Senioren
In der Alten Apotheke will er ein Wohnprojekt für ältere Menschen umsetzen. Hierfür hat er mit seinem Geschäftspartner Bernhard Kaiser die „Gemeinnützige Gesellschaft für ländliches Leben“ (GlL) gegründet und Fördermittel beantragt. „Entstehen sollen bezahlbare Wohnungen für Senioren mit Pflegegrad 1 bis 4“, so Rüger. Mit einer Größe von etwa 56 Quadratmetern sollen sowohl Wohnungen für Alleinstehende als auch für Paare angeboten werden. „Im oberen Bereich wäre eine Seniorenwohngemeinschaft für drei bis sechs Personen möglich, eventuell auch eine Demenzwohngruppe“, so der Investor.
Dass es eine Nachfrage für die Seniorenwohnungen gibt, daran hat Rüger keine Zweifel. „Die Größe und Gestaltung soll sich aber an den Bedürfnissen der künftigen Bewohner orientieren.“ Alle, die sich für die Wohnprojekte interessieren, können sich mit Fragen, Wünschen und Erwartungen an Monika Meiners von der GlL (04954/8903704) oder auch an Bürgermeister Hans-Peter Heikens wenden.
Das Haus am Markt
Das zweite Projekt ist am jetzigen Marktplatz geplant. Hier will der Investor ein Gebäude mit Wohnungen und Geschäftsräumen realisieren. „Im Erdgeschoss können Gewerbeeinheiten entstehen, die den Ort beleben.“
Eine Bäckerei mit Café könnte zu einem Treffpunkt werden. Aber auch eine Arztpraxis oder einen Frisör könne er sich dort vorstellen. In der ersten Etage sind barrierefreie Wohnungen geplant. „Nicht nur für Senioren, es gibt ja auch jüngere Menschen mit Einschränkungen und einem Pflegegrad“, betonte er. Die Wohnungen im oberen Bereich seien für jedermann geeignet und sollen an Singles oder Familien vermietet werden.
Das Haus am Hafen
Ins Auge gefallen ist Rüger bei seinen Besuchen in Jemgum das Grundstück hinter dem Milch- und Molkereimuseum. Hier möchte er einen Neubau mit acht nach Süden ausgerichteten Wohnungen mit einer Verbindung zum Sieltief bauen. „Ich würde Eigentumswohnungen favorisieren“, sagt der Projektentwickler, für den die Investition schließlich auch etwas abwerfen soll. „Die drei Projekte sind nur die ersten Bausteine, um die weitere Ortsentwicklung fortzusetzen.“