Infrastruktur

Orangene Räder und ein Bürgerradweg

| | 02.12.2021 09:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Fahrräder entlang der L4 sollen auf den benötigten Radweg hinweisen. Foto: privat
Die Fahrräder entlang der L4 sollen auf den benötigten Radweg hinweisen. Foto: privat
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Nach einen Gespräch mit der Straßenbaubehörde ist klar: Ein rund zwei Kilometer langer Abschnitt zwischen Schoonorth und Wirdum könnte einen Bürgerradweg bekommen. Aber die Anforderungen sind hoch.

Schoonorth/Wirdum - Rund 60 orangene Fahrräder stehen seit ein paar Tagen entlang der Landesstraße 4 (L4) zwischen Süderneuland (Norden) und Grimersum (Krummhörn). Sie sind eine Art Demonstration, weil sich Anwohner schon lange einen Radweg entlang der L4 wünschen, dieser aber nicht überall realisiert wird. Um den „Lückenschluss“ voranzutreiben, soll eventuell ein Verein gegründet werden, der einen sogenannten Bürgerradweg bauen will.

Was und warum

Darum geht es: Der mögliche Bürgerradweg zwischen Schoonorth und Wirdum könnte länger ausfallen als erst gedacht.

Vor allem interessant für: Radfahrer; diejenigen, die sich für die Infrastruktur und die Verkehrswende in der Region interessieren.

Deshalb berichten wir: Ein Gespräch zwischen Anwohnern und Straßenbaubehörde hat neue Erkenntnisse gebracht.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Mit-Initiator dieser Bewegung ist Garrelt Agena, Grüner und Ratsmitglied in der Krummhörn. „Rückmeldungen auf die Räder gab es noch keine“, sagt Agena im Gespräch mit unserer Zeitung. Aber dafür habe es ein erstes Gespräch mit der zuständigen Landesstraßenbaubehörde in Aurich gegeben. Und dieses brachte neue Erkenntnisse.

Für das Land Niedersachsen sind Bürgerradwege noch eine sehr junge Möglichkeit, um die Infrastruktur für Radfahrer zu verbessern. Seit gut einem Jahr gibt es auch entsprechende Fördertöpfe.

Mehr als 2000 statt 400 Meter

So war zunächst nur von einer rund 400 Meter langen Strecke die Rede, die als Bürgerradweg gebaut werden könnte. Dies bezog sich auf den Abschnitt, der sich zwischen der Kreuzung mit dem Wirdumer Altendeich und der Kreuzung Eilsumer Landstraße/Wirdumer Straße befindet. „Insgesamt wäre ein Bürgerradweg aber auf einer Strecke von rund 2,1 Kilometern denkbar“, sagt Agena nach dem Gespräch mit der Straßenbaubehörde.

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Diese bestätigt das auf Nachfrage unserer Zeitung. „Insgesamt handelt es sich um eine Strecke von rund zehn Kilometern“, sagt Yasin Kilic von der Landesstraßenbaubehörde in Aurich. Acht Kilometer davon, im Bereich zwischen Schoonorth und Norden-Süderneuland. Dieser Abschnitt befindet sich im sogenannten vordringlichen Bedarf des Landes Niedersachsen. Das bedeutet, so erklärt Kilic, das in Absprache auch mit den Kommunen hier ein erhöhter Bedarf an einem Radweg besteht.

Vordringlicher oder erweiterter Bedarf?

Ob vordringlicher Bedarf bestehe oder nicht, das hänge mit verschiedenen Faktoren zusammen. Unter anderem spiele die Verkehrsdichte, Zahl der Anlieger, aber auch das Vorhandensein oder eben Fehlen von Parallelstrecken eine Rolle. „So erklärt es sich auch, dass nicht entlang der kompletten L4 vordringlicher Bedarf besteht“, so Kilic. Außerdem, so gibt der Straßenplaner zu bedenken: „Würde man immer komplette Bereiche festlegen und nicht nur einzelne Abschnitte, kämen wir aus dem Planen gar nicht mehr heraus.“

Entsprechend sei der rund zwei Kilometer lange Abschnitt zwischen Wirdum und Schoonorth nach Absprache mit den Kommunen nicht in den vordringlichen Bedarf gekommen, sondern nur in den sogenannten erweiterten Bedarf. Dieser ist niedriger priorisiert, kann aber – im Gegensatz zum vordringlichen Bedarf – auch als Bürgerradweg umgesetzt werden. Die reinen Baukosten für den zwei Kilometer langen Abschnitt betragen laut Landesstraßenbaubehörde schätzungsweise zwischen 600.000 und 700.000 Euro.

Verein muss aktiv sein

Für einen Bürgerradweg müsste aber ein entsprechender Verein gegründet werden. Ein Schritt, vor dem Agena laut eigener Aussage bislang eher zurückschreckte. Denn: „Die Bürgervereine müssen nämlich nachweisen, dass sie aktiv Aufgaben der Planung und des Grunderwerbs übernehmen werden“, so Kilic. „Das ist natürlich eine ziemlich große Aufgabe“, sagt Agena. Vor allem, da es entlang der beschriebenen Strecke viele private Grundstückseigentümer gibt. Anders ist dies zum Beispiel entlang der Landesstraße 27 (Greetsieler Straße) in Leybuchtpolder. Hier hat sich schon ein entsprechender Verein gegründet – im Frühjahr soll der Bau von Ostfrieslands erstem Bürgerradweg voraussichtlich beginnen. „Die Strecke ist zwar länger, aber dafür war es mit den Grundstücken einfacher“, sagt Agena, nachdem er ein Gespräch mit dem Verein „Up Pad gesund mit Rad“ hatte. Gespräche mit der Gemeinde Krummhörn, in deren Gebiet der geplante Bürgerradweg fallen würde, strebe der Verein auch an.

„Wir wollen das voranbringen“, sagt Agena. Eine Vereinsgründung werde weiter angestrebt. Die Gemeinde muss dabei so oder so ins Boot geholt werden, denn sie muss als Gebietskörperschaft im Endeffekt das Verfahren in Richtung Straßenbaubehörde anschieben. Aber, das betont Kilic, die aktive Arbeit des Vereins, sei es über Sach- oder Geldleistungen, sei unabdingbar für einen Bürgerradweg. „Einfach nur sagen: ,Wir wollen‘, das reicht nicht.“

Das weiß auch Agena. Bei den jüngst aufgestellten Fahrrädern spielt aber auch noch ein anderer Gedanke eine Rolle, deswegen stehen sie nicht nur entlang der potenziellen Bürgerradwegstrecke. „Wir wollen aber auch auf die Dringlichkeit eines Radweges entlang der kompletten Strecke hinweisen“, so Agena. Denn egal ob vordringlicher Bedarf oder nicht: „Entlang der L4 wollen Sie als Radfahrer ohne Radweg nicht entlangfahren.“

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