Jugendliche
Gemeinde Bunde soll ein Jugendparlament bekommen
Bis zum Herbst nächsten Jahres soll in Bunde ein Kinder- und Jugendparlament gegründet werden. Wir haben nachgefragt, welche Erfahrungen andere Kommunen gemacht haben und was junge Leute davon halten.
Bunde - Kinder und Jugendliche in Bunde sollen bei Entscheidungen, die sie betreffen, künftig ein Wörtchen mitreden können. Bereits während des Wahlkampfes um das Bürgermeisteramt hatte Uwe Sap (SPD) sich klar für die Bildung solch eines Gremiums ausgesprochen. „Bis zum Herbst soll es gegründet sein“, berichtete der neue Verwaltungschef in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates Bunde. Nach Saps Vorstellung sollen Mitglieder des Jugendrates auch im Jugend-, Sozial und Sportausschuss vertreten sein. „In dem Fachausschuss geht es oft um Themen, die Jugendliche direkt betreffen.“
Was und warum
Darum geht es: In Bunde soll bis zum Herbst kommenden Jahres ein Jugendparlament gebildet werden.
Vor allem interessant für: Menschen jeden Alters, die sich für die Kommunalpolitik interessieren oder die dort schon aktiv sind und politischen Nachwuchs motivieren wollen.
Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, welche Erfahrungen andere Kommunen mit einem Kinder- und Jugendparlament gemacht haben, und wir wollten auch wissen, was junge Leute davon halten. Die Autorin erreichen Sie unter: @zgo.de
Werner Hoffmann vom Familienzentrum Verbundenheit in Bunde hält das Kinder- und Jugendparlament grundsätzlich für eine gute Sache. „Beteiligung steht bei Jugendlichen hoch im Kurs“, weiß der Sozialpädagoge, der mit seinen beiden Kolleginnen Alina Egger und Anne Miksiunas seit 14 Jahren „am Meinungspuls der Jugendlichen in Bunde“ ist. Ein Problem, Jugendliche zum Mitmachen zu motivieren, könnten die Begrifflichkeiten der politischen Sprache sein. „Man muss sie daher bei ihren eigenen Wünschen und Interessen abholen“, so Hoffmann.
Familienzentrum bietet Unterstützung an
Er hält den Einsatz von erwachsenen Helfern zumindest bei der Schaffung einer Struktur für das Gremium für sinnvoll. „Es kommt allerdings auch darauf an, ob sich das Gremium aus Vertretern aus Sportvereinen, der Feuerwehr und der Schülervertretung zusammensetzen soll oder ob es eine freie Wahl gibt, zu der alle Kinder und Jugendlichen antreten können.“ Er könne sich gut vorstellen, dass ein Kinder- und Jugendparlament am Familienzentrum verortet werde. „Wir könnten beispielsweise beratend die Patenschaft dafür übernehmen“, so Hoffmann weiter, „das ist aber nicht unsere Entscheidung. Dazu müsste die Politik uns den Auftrag geben.“
In der Gemeinde Hinte gibt es bereits seit 2014 ein Kinder- und Jugendparlament. „Bei den Wahlen gibt es immer zwischen 10 und 15 Bewerber“, erzählt Bürgermeister Uwe Redenius. Das Interesse bei den Jugendlichen sei groß. „Wir hatten noch nie Probleme, die sieben Sitze zu besetzen.“ Das Gremium habe auch etliche Entscheidungen mitgeprägt. „Auf Initiative des Kinder- und Jugendparlaments wurde entlang des Fahrradwegs zwischen Hinte und Emden die Beleuchtung aufgestellt“, nennt Redenius ein Beispiel, dass Wünsche der Jugendlichen tatsächlich umgesetzt werden.
Unterschiedliche Erfahrungen
Eine noch längere Tradition hat das Kinder- und Jugendparlament bei der Stadt Norden. Das gibt es schon seit 2001. Alle zwei Jahre sind Wahlen. „Die letzten beiden Male war es schwierig, die elf Plätze zu besetzen“, räumt Nico de Vries, zuständiger Fachdienstleiter der Stadt Norden, ein. Das Jupa, das einst aus der Organisation des North Coast Festivals hervorgegangen sei, habe einen langen Atem bewiesen und dazu beigetragen, dass die Skateranlage 2019 eröffnet werden konnte. „Ich begrüße es, dass wir eine Generation haben, die sich politisch engagiert wie beispielsweise die Fridays for Future-Bewegung für den Klimaschutz.“
Aber wie steht es um die Bereitschaft bei den jungen Leuten selbst, politisch aktiv zu werden? Bei dem Loppersumer Paul Bents hat sich das Interesse an der Kommunalpolitik genau in diesem Gremium entwickelt. „Ich bin durch eine Bekannte ins Kinder- und Jugendparlament gekommen“, erzählt der 18-Jährige. Er könne jedem empfehlen, sich dort zu engagieren. „Man bekommt dort einen guten Einblick in die Kommunalpolitik.“ Bei der Kommunalwahl im September hat sich der Schüler als Kandidat der SPD aufstellen lassen und wurde prompt in den Gemeinderat Hinte gewählt. Dort ist er mit seinen 18 Jahren das jüngste Ratsmitglied. „Wenn ich vorher nicht im Jugendparlament gewesen wäre, wäre ich wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, zu kandidieren.“ Kann man im Jugendparlament denn auch etwas mitgestalten? „Ja, auf jeden Fall. Wir haben beispielsweise bei der Gestaltung der Spielplätze mitgewirkt und bewirkt, dass ein Jugendplatz auf die Beine gestellt werden kann.“