Grundschule Jennelt

Kollegium kritisiert Gemeinde Krummhörn

| | 11.12.2021 16:17 Uhr | 3 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Jennelts Schulleiterin Jutta Lerche-Schaudinn, hier beim Besuch von Grant Hendrik Tonne, kritisiert zusammen mit ihrem Kollegium den jüngsten Ratsbeschluss zur Grundschullandschaft. Foto: Hock
Jennelts Schulleiterin Jutta Lerche-Schaudinn, hier beim Besuch von Grant Hendrik Tonne, kritisiert zusammen mit ihrem Kollegium den jüngsten Ratsbeschluss zur Grundschullandschaft. Foto: Hock
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In einer Stellungnahme äußert sich jetzt das Kollegium der Grundschule Jennelt zur beschlossenen Bedarfsanalyse zur Grundschullandschaft in der Krummhörn. Die Jennelter Lehrkräfte sind beunruhigt.

Jennelt - Die nun vom Rat der Gemeinde Krummhörn beschlossene Bedarfsanalyse für Grundschulen stößt im Kollegium der Grundschule in Jennelt nicht auf Gegenliebe. Das wird in einer Stellungnahme deutlich, die nun veröffentlicht wurde. Darin wird auch die Orientierung an Schülerzahlen kritisiert.

Was und warum

Darum geht es: Das Kollegium der Grundschule Jennelt ist besorgt, dass ihre Schule doch geschlossen wird.

Vor allem interessant für: Eltern in Jennelt und Umgebung sowie diejenigen, die die Diskussion um die Zukunft der Jennelter Schule beobachten

Deshalb berichten wir: Das Kollegium der Grundschule hat eine Stellungnahme zum jüngsten Ratsbeschluss veröffentlicht.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Schulleiterin Jutta Lerche-Schaudinn und ihr Kollegium bemängeln in der Stellungnahme unter anderem, dass sich die Diskussion um Neubau oder Kernsanierung der Grundschule schon seit vielen Jahren ziehe. Es habe in den letzten Jahren „etliche Zusammenkünfte, Begehungen, Gutachten und Sitzungen“ gegeben, heißt es. Konzepte, Mängel- und Bedarfslisten seien bereits erstellt worden. Die nun beschlossene Bedarfsanalyse lasse die Befürchtung zu, „dass eine Schließung des Grundschulstandortes Jennelt immer wahrscheinlicher wird.“ Tatsächlich hatte Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) eine ergebnisoffene Analyse gefordert. Eine Schließung werde entsprechend zum jetzigen Zeitpunkt weder gefordert noch ausgeschlossen.

Prognosen seien mit Vorsicht zu genießen

Neu in die Diskussion eingebracht wurde von der Gemeindeverwaltung die Prognose der Schülerzahlen. Demnach sinken diese in Jennelt in den nächsten Jahren deutlich. Als Grundlage hatte die Gemeinde die Geburten in den vergangenen Jahren herangezogen. Mögliche Zuzüge sind entsprechend nicht enthalten.

Lerche-Schaudinn betont nun aber auch, dass die Prognosen mit Vorsicht zu genießen seien – und erläutert dies mit verschiedenen Beispielen. Demnach seien für das Schuljahr 2020/21 insgesamt 21 Schulanfänger prognostiziert worden. Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf würden doppelt zählen, so sei die Schule rechnerisch auf 30 Schülerinnen und Schüler gekommen und damit zwei Klassen. Statt prognostiziert einer.

Während sich diese Zahl auch in der Übersicht der Gemeinde wiederfindet, würde nach den bisherigen Anmeldezahlen die Prognose für das Schuljahr 2022/23 schon nicht mehr stimmen. „Es liegen uns bereits 25 Anmeldungen vor, von denen mindestens vier Kinder auf Unterstützungsbedarf noch vor der Einschulung überprüft werden“, so Lerche-Schaudinn. Das bringe die neue erste Klasse schon jetzt voraussichtlich auf 25 Schüler, rechnerisch könnten es bis zu 29 Schüler werden. Ab 26 Schülern wird eine zweite Klasse gebildet. Die Gemeinde geht derweil von 22 Erstklässlern für genanntes Schuljahr aus.

Angst um Schulstandort

Die Kritik am Zahlenmaterial geht aber noch weiter. Jennelt steht für dieses Schuljahr mit 116 Schülerinnen und Schülern in der Übersicht. Hier sei der sonderpädagogische Unterstützungsbedarf aber nicht eingerechnet. Insgesamt 15 Kinder hätten diesen und müssten in der Statistik daher doppelt gezählt werden. „Es müssten 131 Zählkinder berücksichtigt werden“, so die Schulleiterin – und nicht nur 116.

Die Angst im Kollegium, dass der Schulstandort in Jennelt aufgelöst wird, wachse. Tatsächlich wurde diese Auflösung schon unter Loodens Vorgänger Frank Baumann nie explizit ausgeschlossen. An der Grundschule in Pewsum gebe es noch Kapazitäten, um weitere Schülerinnen und Schüler aufzunehmen.

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Frustrierend sei für das Kollegium, so ist es der Stellungnahme zu entnehmen, auch, dass die Entscheidung um die Zukunft immer wieder vertagt wurde. Zur Erinnerung: Als es in der vergangenen Ratsperiode an eine Entscheidung ging, wurde diese vom damaligen Gemeinderat nicht getroffen. Stattdessen wurde eine Klausurtagung anberaumt, die zunächst noch vor der Kommunalwahl stattfinden sollte, dann aber in die neue Ratsperiode verschoben wurde. Diese Entscheidung wiederum hat Hilke Looden rückgängig gemacht. Wie beim Besuch von Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne erstmals öffentlich bestätigt wurde, wolle die Gemeinde zunächst ein Konzept erarbeiten und dies dann der Politik vorstellen. Aus dieser Ankündigung wurde dann benannte Bedarfsanalyse.

„Nunmehr werden wieder viele Monate und Jahre ins Land ziehen“, befürchtet das Kollegium der Grundschule in Jennelt. Man zweifle mittlerweile „an der Akzeptanz unserer pädagogischen Arbeit“.