Weihnachten

Emden: Die Stadt der Engel

| | 17.12.2021 18:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Emden gilt als Stadt der Engel, nicht nur wegen ihres Stadtwappens, das viele Gebäude ziert. Foto: Tomé
Emden gilt als Stadt der Engel, nicht nur wegen ihres Stadtwappens, das viele Gebäude ziert. Foto: Tomé
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Der Engel spielt für Emden eine besondere Rolle, das zeigt sich schon im Stadtwappen. Wo findet sich der Engel in Emden sonst noch? Und: Wie viele echte „Engel“ leben eigentlich in Emden?

Emden - Los Angeles gilt gemeinhin als die „Stadt der Engel“ und trägt diesen Hinweis bereits im Namen. Aber auch Emden könnte diesen Titel tragen. Der Engel ist eng mit der Seehafenstadt verbunden. Wer mit offenen Augen durch die Straßen geht, an Häuserfassaden hochsieht oder aber auch auf den Boden guckt, entdeckt so manchen Hinweis darauf – vor allem jetzt zur Weihnachtszeit.

Aber was macht Emden zur Stadt der Engel? Wo lassen sich besonders viele finden? Und: wie viele echte „Engel“, also Menschen mit dem Namen Engel, leben eigentlich in Emden? Ein Versuch, Antworten zu finden:

Diesen „Engel“ finden aufmerksame Spaziergänger beispielsweise am Gebäude der Commerzbank am Emder Delft. Foto: Tomé
Diesen „Engel“ finden aufmerksame Spaziergänger beispielsweise am Gebäude der Commerzbank am Emder Delft. Foto: Tomé

Engel im Stadtwappen

Im Stadtwappen der Seehafenstadt nimmt der Engel eine prominente Stellung ein: Das „Engelke up de Müür“ (Das Engelke auf der Mauer). König (später Kaiser) Maximilian I verlieh das Wappen im Jahr 1495. Es zeigt eine gelbe Harpyie, ein geflügeltes Mischwesen der griechischen Mythologie in Vogelgestalt mit Frauenkopf. Das Wesen sitzt auf einer roten Mauer, die den Schutz symbolisieren soll, den die Emder und Emderinnen seinerzeit durch die Emsmauer hatten. Die blauen Wellen stellen die Ems dar, die damals noch direkt vor der Stadt entlang geflossen ist.

Der klassische Engel taucht in der Kunsthalle etwa bei Hermann Max Pechsteins „Vertreibung aus dem Paradies“ von 1912 auf, als „Türsteher“, der Adam und Eva aus dem Paradies wirft. Foto: Kunsthalle Emden
Der klassische Engel taucht in der Kunsthalle etwa bei Hermann Max Pechsteins „Vertreibung aus dem Paradies“ von 1912 auf, als „Türsteher“, der Adam und Eva aus dem Paradies wirft. Foto: Kunsthalle Emden

Engel in Emder Museen

Eine ganze Engelsschar ist in den Ausstellungsbereichen des Ostfriesischen Landesmuseums in Emden zu finden. Zu sehen sind sie nicht immer auf den ersten Blick, doch bei genauerem Anschauen der Ausstellungsstücke geben sich viele Engel oder engelsähnliche Figuren zu erkennen. Neben etwa 30 Versionen des „Engelke up de Müür“ sind rund 20 weitere geflügelte Gestalten in der Dauerausstellung des Museums zu finden. In der Sammlung der Emder Kunsthalle hat es der Engel hingegen schwer, als Motiv aufgegriffen zu werden. „Bei uns geht es ja nun einmal um Kunst von Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute, und diese moderne Avantgarde ist nun einmal eher weniger an der christlichen Ikonographie orientiert“, sagt Ilka Erdwiens von der Kunsthalle Emden.

Dennoch gibt es Beispiele: Der klassische Engel taucht etwa bei Hermann Max Pechsteins „Vertreibung aus dem Paradies“ von 1912 auf, als „Türsteher“, der Adam und Eva aus dem Paradies wirft.

Professor Dr. Erhard Bühler hat das „Engelke up de Müür“ zum Hobby. Der passionierte Fotograf sammelte auf seinen Streifzügen durch Emden und an anderen Orten 525 verschiedene Darstellungen. Foto: privat
Professor Dr. Erhard Bühler hat das „Engelke up de Müür“ zum Hobby. Der passionierte Fotograf sammelte auf seinen Streifzügen durch Emden und an anderen Orten 525 verschiedene Darstellungen. Foto: privat

Engel als Hobby

Professor Dr. Erhard Bühler hat das „Engelke up de Müür“ zum Hobby. Bei seinen Streifzügen durch Emden entdeckte der passionierte Fotograf und Dozent eine Leidenschaft für das Emder Stadtwappen, die in eine Ausstellung im Ostfriesischen Landesmuseum mündete. Anlässlich des 525. Geburtstages des Emder Stadtwappens waren 2020 525 Fotografien des „Engelkes up de Müü“ von Erhard Bühler zu sehen. Die Fotopräsentation machte deutlich, in welcher Vielfalt das Wappen in Emden zu finden ist: An vielen Gebäudefassaden, als Pflasterbild im Stadtgarten, als Aufdruck auf dem Gelben Sack oder auch als Tattoo auf dem Arm manch eines Emders oder einer Emderin. Auch nach der Ausstellung sind die Fotografien weiterhin zu sehen, und zwar online unter www.buehlerbild.de/wappen.

Engel aus Emden in anderen Ländern

Der Emder Engel hat es weit gebracht. Er findet sich nicht nur in Emden. Fundorte des „Engelke up de Müür“ sind das Rote Rathaus in Berlin, die Schlosskirche zu Wittenberg, das Haus der Schifffahrt in Dortmund und auch auf dem Martin-Luther-Denkmal in Worms. Auch am anderen Ende der Welt gibt es einen echten Emder Engel: So ist das Wappen des kleinen Kreuzers Emden SMS in der Ausstellung des War Memorials in Canberra, Australien, zu sehen.

Jahr für Jahr spielt der Engel auch beim Internationalen Filmfest eine Rolle: Und zwar als Preis für den besten Kurzfilm. Foto: Ortgies/Archiv
Jahr für Jahr spielt der Engel auch beim Internationalen Filmfest eine Rolle: Und zwar als Preis für den besten Kurzfilm. Foto: Ortgies/Archiv

Engel als Preis

Beim internationalen Filmfest Emden-Norderney spielt der Emder Engel eine prominente Rolle, und zwar als Preis. Jahr für Jahr zeichnet der Engel den besten Kurzfilm aus Sicht eines jungen Publikums aus. Schüler, Auszubildende und junge Erwachsene nominieren die zur Wahl stehenden Filme, über die dann das Publikum abstimmt. Der Engelke-Kurzfilmpreis ist mit 2500 Euro dotiert und wird von der Sparkasse Emden vergeben.

Engelke und Engel als Name

Dem Emder Engel kann man Jahr für Jahr auch auf dem Weihnachtsmarkt begegnen. Der Engelkemarkt verdankt seinen Namen dem Emder Stadtwappen und so findet sich auch dort bei näherem Hinsehen die eine oder andere Darstellung des „Engelke up de Müür“. Von 2001 bis 2009 fand der Engelke-Markt auf einem schwimmenden Ponton im Ratsdelft statt. Wenig mit dem Stadtwappen zu tun haben indes 19 Emderinnen und Emder, die den Namen Engelke oder auch Engel als Nachnamen tragen. Auch ein Emder Pflegedienst hat die Engel-Thematik aufgriffen. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind als „Emder Engelkes“ für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen im Einsatz.

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