Tradition
Zwischen Nikolaus und Knelles: Feiern Ostfriesen Namenstage?
Mit Nikolaus ist der bekannteste Namenstag gerade vergangen. Aber feiert man in Ostfriesland auch andere? Hat ein ostfriesischer Knelles überhaupt einen Namenspatron? Eine Spurensuche.
Ostfriesland - Mit dem Nikolaustag am 6. Dezember ist der bekannteste Namenstag gerade vergangen. Dass die Feier des Jahreswechsels auch etwas mit Papst Silvester I. zu tun hat, wissen wohl schon weitaus weniger Leute. Wir haben die bekannten Namenstage zum Jahresende zum Anlass genommen, uns umzuhören. Feiert man in Ostfriesland Namenstage – und hat ein ostfriesischer Knelles überhaupt einen Patron?
Was und warum
Darum geht es: Jemand, der Nikolaus oder Martin heißt, weiß wahrscheinlich, wann sein Namenstag ist. Den feiern auch viele Ostfriesen. Und die anderen? Eine Spurensuche.
Vor allem interessant für: Die, die sich für Namen und ostfriesische Traditionen interessieren.
Deshalb berichten wir: Der Nikolaustag gab den Anstoß: Wir waren neugierig, recherchierten und wollten den Leserinnen und Lesern die Ergebnisse nicht vorenthalten. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Die Frage nach Namenstagen wird in Ostfriesland selten gestellt, sagt Brigitte Hesse vom katholischen Dekanat Ostfriesland. Auch wenn „die Bedeutung und Feier des Namenstages mit seiner Rückführung auf bestimmte Heilige eher eine katholische Tradition war und ist“, so Hesse. Diese sei aber ziemlich verloren gegangen. „Aber es gibt ältere Leute, denen der Namenstag wichtig ist – vielleicht weil sie sich in gewisser Weise mit ihren Namensvorbildern identifizieren oder angefreundet haben.“ Die katholische Kirche habe immer noch einen Heiligenkalender, also für jeden Tag einen Heiligen, meist mehr. 365 Tage reichten nicht für alle. „Die Kirche stellt bestimmte Leute mit ihrer Lebensform als Beispiele vor und verehrt sie, also würdigt sie. Die katholische Kirche spricht ja heute noch Menschen heilig. Also der Namenstagkalender wächst – eben auch mit ausländischen Namen.“
Es gibt auch evangelischen Kalender
Auch den Evangelischen Namenkalender gibt es. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) habe ihn 1969 offiziell freigegeben, aber er sei nicht sehr bekannt, sagt Dr. Detlef Klahr, der Regionalbischof für den Sprengel Ostfriesland-Ems. In ihm seien Tage bedeutenden Persönlichkeiten des Protestantismus zugeordnet und auch solchen aus vorreformatorischer Zeit, die auch zum Heiligenkalender der katholischen Kirche gehörten. Man gedenke mit ihm Personen, die für die Kirche bedeutsam waren.
„Manche Eltern geben ihren Kindern durchaus Namen von Personen, die für unsere Kirche wichtig sind oder denen in der Bibel eine besondere Bedeutung zugeschrieben wird, doch habe ich es in unseren Kirchengemeinden nicht erlebt, dass die Namenstage besonders begangen werden“, so Klahr, der Superintendent der evangelisch-lutherischen Kirche ist. „Aber Martin Luther wurde einen Tag nach seiner Geburt am 11. November 1483 getauft und wurde nach dem Heiligen Martin von Tours benannt. So wurde dessen Gedenktag zu Martin Luthers Namenstag.“
Viele Tage werden zu großen Feiern
Durch die Reformation habe sich die Einstellung zu den Heiligen geändert, die in der römisch-katholischen Kirche verehrt werden, so Klahr. „Das wird in Ostfriesland am Martinisingen deutlich. Das findet eben nicht am Martinstag, den 11. November, sondern an Martin Luthers Geburtstag, dem 10. November, statt.“ Es freue ihn aber, dass es ökumenische Gottesdienste am Martinstag gibt, bei denen beide Konfessionen sich an die Barmherzigkeit des Heiligen Martin erinnern. Bei evangelisch-lutherischen Ostfriesen spielte der Tauftag eher eine Rolle als der Namenstag. „In den vergangenen Jahrzehnten erlebte ich es immer mehr, dass in den Familien am Tauftag wieder die Taufkerze angezündet wird.“
Ob und wie Namenstage im Privaten begangen werden, wisse er nicht, sagt Ulf Preuß, Sprecher der evangelisch-reformierten Kirche. „Allerdings geht der Trend hin zu großen Feiern von Ereignissen wie der Einschulung“, sagt er. Also könne er sich ebenfalls vorstellen, dass Namenstage privat begangen würden. „Von der Kirche aus allerdings nicht.“
Ostfriesische Namen
Wer auf der Suche nach einem Namen für den Nachkommen ist, wird auch bei der Stadtbibliothek in Leer fündig. „Wir haben mehrere Bücher hier“, sagt Leiterin Antje Hamer-Hümmling. Gerade ostfriesische Namen seien nach wie vor beliebt. Auch im Internet suchten viel nach Inspiration. „Heiligenkalender sind wahrscheinlich eher seltener ausschlaggebend.“
Kommen da denn auch typisch ostfriesische Namen vor? Namenstage sind nichts Ostfriesisches, sagt Manno Peters Tammena, der Nortmoorer ist seit Jahrzehnten Namensforscher. Es gebe einige Heilige, die Namenspatrone für Kirchen in der Region seien – aus katholischen Zeiten.
„Man hat wohl Namen von Heiligen als Taufnamen gewählt, zum Beispiel den heiligen Cornelius“, sagt Tammena. Diese Namen seien aber schnell durch Einkürzungen in den eigentlichen Namensbestand zurückgeführt worden. So wurde aus einem Cornelius ein ur-ostfriesischer Kneljes oder Knellis.