Fußball
Ostfriesische Kicker berichten von ihren Rassismus-Fällen
Ein Rassismus-Vorfall sorgte in der 3. Liga für einen Spielabbruch in Duisburg. Was erleben dunkelhäutige Ostfriesen? Vier Amateurkicker berichten, ob sie auch schon rassistisch beleidigt wurden.
Ostfriesland - Erstmals ist in Deutschland am Sonntag ein Profifußballspiel nach einem Rassismus-Vorfall abgebrochen worden. Ein Fan des MSV Duisburg rief Affenlaute von der Tribüne, kurz bevor der dunkelhäutige Aaron Opoku vom VfL Osnabrück einen Eckball ausführen wollte. Schiedsrichter Nicolas Winter brach die Drittliga-Partie daraufhin ab und handelte dabei auch im Sinne beider Mannschaften. Unsere Zeitung hat sich bei ostfriesischen Fußballern umgehört, ob ihnen solche Feindseligkeiten nur aufgrund einer anderen Hautfarbe auch schon auf den Amateurplätzen begegnet sind.
„In meiner Jugendzeit gab es zwei, drei Vorfälle, wo Gegenspieler auf die Hautfarbe bezogene Schimpfwörter zu mir gesagt haben, um zu provozieren“, berichtet Yanic Konda vom BSV Kickers Emden. Der 25-Jährige lebt seit seiner Geburt in Aurich, seine Eltern kommen gebürtig aus dem Kongo. „Nach dem Spiel, in denen es zu den Vorfällen kam, hatte sich der Spieler immerhin entschuldigt und gesagt, dass es im Eifer des Gefechts passiert sei. Aber sowas darf nicht passieren. Zum Glück sind wir damals ruhig geblieben. Es stimmt einen aber nachdenklich“, sagt der heutige Oberliga-Fußballer. „Im Herrenbereich wurde ich noch nicht mit rassistischen Äußerungen konfrontiert.“
Es ist viel besser geworden
Deshalb – und weil er bis zum Spielabbruch in Duisburg am Sonntag in den vergangenen Jahren nichts von rassistischen Vorfällen auf Deutschen Fußballplätzen gehört hatte – findet Yanic Konda: „In puncto Rassismus hat in Deutschland schon eine Entwicklung stattgefunden. Immer seltener wird man auf die Hautfarbe reduziert und immer öfter wird der Charakter in einem gesehen.“
Mohammed Sawadogo vom Bezirksligisten SV Holtland empfindet es ähnlich. „Es ist in Deutschland mit Rassismus schon viel besser geworden. Im Jugendbereich wurde ich deutlich öfter auf dem Fußballplatz beleidigt als heute“, sagt der 26-Jährige, der mit vier Jahren aus Ghana nach Leer kam. Er selbst hat als Spieler vor mehreren Jahren auch schon mal negative Erfahrungen mit einem Zuschauer gemacht. „Ich schneide dir die Kehle auf, du scheiß Affe“, soll der Vater eines Gegenspielers zu ihm gesagt haben. „Wenn es zu solch rassistischen Vorfällen kommt, muss hart durchgegriffen werden“, sagt Sawadogo. Das wurde in seinem Fall nicht wirklich. Es kam nach etwas zeitlichem Abstand immerhin zu einer Aussprache und einer Entschuldigung des Zuschauers. „Es gibt Menschen, die mental nicht so stark sind wie ich. Sie werden durch Anfeindungen kaputt gemacht“, sagt Mohammed Sawadogo, der als Fallschirmjäger bei der Bundeswehr arbeitet.
Spuckattacke als Rassismus-Akt?
Auch Ibrahim Diarrassouba von der U23 von TuRa Westrhauderfehn hat ebenfalls Anfeindungen wegen seiner Hautfarbe erlebt – hauptsächlich aber nicht in Deutschland. „Ich habe drei Monate in Spanien gelebt und Fußball gespielt. Da war es mit Rassismus viel schlimmer. Es fängt mit Blicken und Beleidigungen an“, sagt der 24-jährige Ivorer, der seit fünf Jahren in Rhauderfehn lebt.
In Ostfriesland gab es einen Vorfall, den Diarrassouba auf seine Hautfarbe zurückführt: „Nach einem knappen Sieg wurde ich von einem Spieler des Gegners angespuckt – dabei hatte ich vorher gar nichts mit ihm zu tun gehabt. Ich hatte nur 15 Minuten gespielt. Deshalb stellte ich mir die Frage: ‚Warum ausgerechnet ich?‘ Ich bin dann etwas ausgerastet, habe zurückgespuckt. Das sah der Schiedsrichter und gab mir Rot.“
„Es wird immer Idioten geben“
Auf bisher zehn Jahre in Emden und auch in der ostfriesischen Fußball-Szene blickt Carlos Santos da Luz zurück. Der Portugiese hat bei seinen Stationen Kickers Emden, TuS Pewsum und Sportfreunde Larrelt eigentlich nie selbst etwas Derartiges wie in Duisburg erlebt. Bis auf einmal indirekt. „Es war vor zwei, drei Jahren, als bei einem Auswärtsspiel zwei meiner Mitspieler zu mir kamen und mich fragten, ob ich das gehört hätte. Es sollen Affengeräusche von der Tribüne von jemanden gekommen sein. Ich hatte das aber nicht mitbekommen“, erzählt der 29-Jährige. Das Spiel lief danach ganz normal weiter. „Wenn ich es aber gehört hätte, hätte ich den Platz sofort verlassen. Wir leben im 21. Jahrhundert, da sollte es sowas nicht mehr geben.“
Der Wahl-Ostfriese fand die Reaktion aller Beteiligten mit dem Abbruch in Duisburg deshalb richtig – ebenso wie die anderen Befragten aus Ostfriesland. Sie glauben aber, dass solche rassistischen Vorfälle immer mal wieder vorkommen können. Auch wenn die Zahl derer, die so etwas machen würden, kleiner werde, sagt Carlos Santos da Luz: „Ein Ende haben wird der Rassismus aber nie. Es wird immer ein paar Idioten geben.“