Familien

Hoher Anspruch: Angebote für Familien in allen Lebenslagen

| | 23.12.2021 18:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Nicht immer ist der Himmel für Familien blau – in den meisten Kommunen wird jedoch Hilfe bei Problemen geboten. Foto: Ralf Hirschberger/ZB/dpa
Nicht immer ist der Himmel für Familien blau – in den meisten Kommunen wird jedoch Hilfe bei Problemen geboten. Foto: Ralf Hirschberger/ZB/dpa
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Das Leben für Familien im Alltag erleichtern: Diesem Gedanken haben sich die Städte und Gemeinden im Landkreis Leer verschrieben. Was ist im kommenden Jahr geplant?

Landkreis Leer - Eine Kindheit auf dem Land – das klingt nach Sorglosigkeit, nach unbeschwerter Zeit in einer natürlichen Umgebung. Aber die Realität sieht häufig anders aus als in Bilderbüchern oder Fernsehserien für Kinder. Da stehen Familien mit Kindern oder mit pflegebedürftigen Angehörigen oft vor großen Herausforderungen. Aus der Politik kommt oft die Ansage, dass so viel wie möglich unternommen werden soll, um den Alltag zu erleichtern.

Was und warum

Darum geht es: Von der Renovierung der Gemeindebücherei über günstige Bauplätze für Eltern mit kleinen Kindern bis zur Ferienbetreuung – Städte und Gemeinden möchten Familien im Alltag unterstützen.

Vor allem interessant für: (nicht nur) Eltern und Kinder

Deshalb berichten wir: Politiker versichern oft, dass für Familien alles getan werden sollte. Wir wollten deshalb wissen, was Städte und Gemeinden im Landkreis Leer konkret für die Familienförderung planen.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de

Wir haben in größeren Städten und Gemeinden im Landkreis Leer gefragt, was im nächsten Jahr aktiv zur Förderung von Familien geplant ist. Die Antworten waren sehr ähnlich: Familienförderung wird darin vor allem auf den Sektor Bildung bezogen, aber auch das Freizeitangebot steht offenbar für Verwaltungen und Politik im Fokus. Digitalisierung spielt ebenfalls eine Rolle, wiederum hauptsächlich in den Schulen.

Kindertagesstätten

Für Kinder zwischen dem Krippen- und dem Grundschulalter bieten inzwischen alle Kommunen eine Betreuung an. Die Gemeinde Westoverledingen verweist allgemein auf das umfangreiche vorschulische Angebot mit Krippen, Kindergärten, und integrative Kindergärten.

Die Gemeinde Uplengen betreibt drei Kindertagesstätten in kommunaler Trägerschaft. Das Ziel, jedem Kind einen Krippen- oder Kindergartenplatz anbieten zu können, habe bisher erreicht werden können, teilt Bürgermeister Heinz Trauernicht mit. 2022 solle wiederum in den Ausbau der Kindertagesstätten investiert werden: In Remels wird laut Trauernicht in der Kinnertied ein weiterer Gruppenraum angebaut. In den Kindertagesstätten Hollen und Lengenerland entstehen zurzeit je eine weitere Kinderkrippen- sowie Kindergartengruppe. Darüber hinaus erhalten die Kitas neue Spielplätze und Beschattungen.

Für die Gemeinde Moormerland zählt Bürgermeister Hendrik Schulz insgesamt acht Kindergärten auf, davon zwei in freier Trägerschaft, sowie fünf Kinderkrippen, die sich ausschließlich in freier Trägerschaft befinden. Zusätzlich gibt es neun Tagespflegeeinrichtungen.

Die Stadt Leer plant nach Angaben eines Sprechers im neuen Jahr den Baustart für den Krippenanbau am Awo-Kindergarten in der Brüder-Grimm-Straße sowie die Betriebsaufnahme der Krippe Lüttje Toornswaalvkes der reformierten Kirche in Loga.

Grundschulangebot

In den befragten Gemeinden wird nahezu flächendeckend ein Ganztagsschulangebot in den Grundschulen angeboten. Dazu gehört in der Regel eine Mensa für ein Mittagessen.

Konkret ist in Uplengen im neuen Jahr laut Heinz Trauernicht die synchrone Breitbandanbindung vorgesehen, nach einer Testphase in diesem Jahr. Außerdem sei neue Lüftungstechnik sowie die weitere Renovierung der Schulen für das Haushaltsjahr 2022 vorgesehen.

In der Stadt Leer soll der Ausbau für den Digitalpakt in mehreren Schulen fortgesetzt werden. Zudem soll die Sanierung der Hoheellernschule abgeschlossen werden, die wegen Asbestbelastung sehr aufwändig war. Nach Angaben des Sprechers soll mit dem Ganztagsausbau an der Plytenbergschule begonnen werden.

Angebote für Kinder und Jugendliche

Dazu verweisen die befragten Kommunen auf das bestehende Angebot, das fast überall aus Jugendhäusern oder -räumen besteht. In Westoverledingen zählt Sprecherin Kirsten Beening als Angebote zudem die drei Freizeitseen, zwei Skatebahnen, die Lehrschwimmhalle sowie Büchereien mit Internetanbindung auf.

Konkreter sind die Angaben von Bürgermeister Trauernicht in Uplengen: „Bereits im Herbst 2021 wurde am Badesee Großsander eine neue Kletterpyramide errichtet. Diese wird in 2022 um einen großen Wasserspielplatz für die kleineren Kinder ergänzt.“ In den Ferien biete die Gemeinde Uplengen eine Ferienbetreuung für Kinder berufstätiger Eltern an.

Geplant seien im neuen Jahr neben dem „normalen“ Ferienprogramm eine Fahrt in das Disneyland Paris in Kooperation mit den Gemeinden Jümme und Hesel, der Besuch eines Formel-E-Rennens, eine Freizeit auf einem Reiterhof sowie der Besuch des Jugendhauses auf Borkum, teilt Trauernicht mit. Auch ein Kinderfest solle 2022 wieder stattfinden. In der Gemeinde gibt es einen Jugendrat, der im nächsten Jahr in die Beratung für den auf dem neuen Sportplatz vorgesehenen Calisthenics-Parks einbezogen wird.

Die Gemeinde Moormerland unterhält das Jugendhaus und das Kulturzentrum Phönix mit Angeboten zur Freizeitgestaltung wie Kreativraum, Skateanlage, Bolzplatz, Kindertheater und mehr. Außerdem fördert die Gemeinde laut Bürgermeister Schulz die Teilnahme an Schwimmkursen und zahlt Zuschüsse an Vereine und Verbände für die Ausrichtung von Jugend- und Freizeitfahrten.

Auf Hausaufgabenbetreuung im „Treff“ und im Ledatreff sowie weitere Angebote für Jugendliche weist die Stadt Leer in ihrer Antwort hin, aber kündigt zudem die Fortführung des Band-Projekts im JUZ an.

Angebote für Senioren

Ohne neue Planungen für das kommende Jahr zu nennen, wird in den Antworten auf Treffpunkte und Angebote für ältere Menschen aufmerksam gemacht. So gibt es in Moormerland den Mehrgenerationentreff Café Klönsnack. Die Gemeinde Westoverledingen nennt die Errichtung des „Campus Ihrhove“ als zentralen Ort für verschiedene Generationen, unter anderem mit einem Seniorenservicebüro und Jugendcafé.

Im Straßenverkehr sind kleine Kinder oft benachteiligt. Foto: Ortgies
Im Straßenverkehr sind kleine Kinder oft benachteiligt. Foto: Ortgies

Mobilität und Nahverkehr

Obwohl für viele Familien die Mobilität eine große Rolle spielt – Fahrten zur Kita oder zur Schule, sichere Wege für Kinder und Jugendliche zu Fuß oder auf dem Fahrrad, Mobilität im Alter – kommt dieses Thema in den Antworten kaum vor. Allein die Gemeinde Westoverledingen verweist pauschal auf die kinder- und jugendfreundliche Gestaltung von Wohnsiedlungen und auf „attraktive, naturnahe Fahrrad-, Inliner- und Wanderwege“. Sprecherin Beening nennt zudem einen „funktionierenden öffentlichen Nahverkehr“.

Beratungsangebote für Jung und Alt

Nicht immer läuft in den Familien alles rund: Bei Erziehungsproblemen, Krankheit oder Schicksalsschlägen suchen Betroffene in der Regel Hilfe. Die Städte und Gemeinden halten dafür Angebote bereit, die sie meistens nicht selbst betreiben. Genannt werden zum Beispiel der Treffpunkt Anleger, der vom Landkreis Leer betrieben wird und Menschen in Krisensituationen an die richtigen Hilfsangebote vermittelt. In Moormerland steht außerdem der Familienstützpunkt des Landkreises in Oldersum und Warsingsfehn zur Verfügung. Die Stadt Leer nennt Betreuungsangebote und Hausaufgabenbetreuung im Treff und Ledatreff sowie das Sprachcafé für Mütter mit Migrationshintergrund im Emstreff und medienpädagogische Elternabende.

Bauplätze werden in vielen Gemeinden bevorzugt an Familien vergeben. Foto: Ortgies/Archiv
Bauplätze werden in vielen Gemeinden bevorzugt an Familien vergeben. Foto: Ortgies/Archiv

Wohnen

Lange Zeit galt das Wohnen auf dem Land als preisgünstig. Doch die Kaufpreise für Immobilien steigen auch dort. Die Kommunen versuchen, bei der Vergabe von Bauplätzen junge Familien zu günstigen Bedingungen zu bevorzugen. Dies geschieht unter anderem in Moormerland und Uplengen nach einem Kriterienkatalog – wie die Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder oder die Frage nach bereits bestehendem Eigentum. Laut Bürgermeister Trauernicht will Uplengen 2022 neue Bauplätze in Südgeorgsfehn, Remels, Hollen, Neudorf und Großoldendorf ausweisen.

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