Fußball
21 ostfriesische Fußball-Talente folgten dem Lockruf aus Meppen
Das Jugendleistungszentrum (JLZ) Emsland wird immer professioneller. Davon profitieren auch ostfriesische Talente, die einen hohen Aufwand betreiben und in der Ferne an ihrem Fußball-Traum arbeiten.
Meppen - Wenn ein ostfriesisches Fußballtalent in der Jugend Regionalliga oder höher spielen wollte, führte der Weg viele Jahre nach Oldenburg, Groningen und für manche sogar nach Bremen zum SV Werder. Inzwischen folgen auch immer mehr Kinder und Jugendliche dem Lockruf aus dem Emsland.
Das dortige Jugendleistungszentrum (JLZ) Emsland, das auch dem Drittligisten SV Meppen angeschlossen ist, wird immer professioneller. Davon profitieren momentan 21 Ostfriesen, die von der U14 bis U19 in Meppen auflaufen.
Folgt der Ritterschlag vom DFB?
„Die Ostfriesen spielen bei uns eine gute Rolle, gar keine Frage“, sagt Lucas Beniermann. Er ist Trainer der U17 (B-Jugend) und mit weiteren organisatorischen Aufgaben beschäftigt. Hauptamtlich. Mit Volker Piekarski und Winfried Budde hat das JLZ zum 1. Dezember nun zwei weitere hauptamtliche Experten angestellt, die die Sportliche Leitung übernommen haben und dabei helfen sollen, dass das JLZ im Sommer zum Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) aufsteigt. „Das ist unser Ziel.“
Der Ritterschlag des DFB – wie ihn alle Erst-, Zweit- und viele Drittligisten erhalten haben – hat finanzielle, strukturelle und weitere Vorteile. Mit der Einstellung von Piekarski (zuletzt FSV Zwickau, früher Dynamo Dresden) ist nun auch der fehlende Fußball-Lehrer mit an Bord des JLZ, das einen Saison-Etat von 518.000 Euro aufweist. Von dem Geld werden auch die Mädchenteams gefördert. Die B-Juniorinnen sind in der Bundesliga (Staffel Nord/Nordost) sogar Tabellenführer. Zwei Ostfriesinnen sind Teil der so erfolgreichen Mannschaft. Zum einen Kapitänin Lina Wallbaum aus Weener im Rheiderland. Und zum anderen Jana Groeneveld aus Loga, die Enkelin vom langjährigen Frisia-Funktionär Hermann Groeneveld.
Die Bundesliga ruft sogar
Ein Jungen-Team aus Meppen schaffte es erst einmal für eine Saison in die Bundesliga. Vereine wie Werder Bremen, VfL Wolfsburg oder Hannover 96 spielen auch finanziell mit ihrer Nachwuchsarbeit natürlich in einer anderen Liga. Aber die emsigen Emsländer robben sich etwas heran und spielen mit den U19 und U17-Junioren um den Bundesliga-Aufstieg. „Die Chance besteht für beide Teams“, freut sich Lucas Beniermann.
Seine B-Junioren-Elf ist Tabellenzweiter der Südstaffel der zweigeteilten Regionalliga Nord. Platz eins (Hannover 96 II) ist noch möglich und damit das Erreichen von einem Meisterspiel gegen den Nord-Staffelsieger. Der Verlierer hat noch eine zweite Aufstiegs-Chance gegen einen Vertreter aus dem Nordosten.
Viele Ostfriesen in den Teams
Mit Ols Backhaus aus Esens – Sohn von Esens-Trainer Ralf Backhaus – spielt auch ein Spieler des jüngeren Jahrganges 2006 im U17-Team. Der 15-Jährige hat mit anderthalb Stunden die weiteste Anreise, deshalb trainiert er einmal pro Woche auch in der Heimat. Bei den Bezirksliga-Herren des TuS Esens. Die 2005er Wilko Docter, Samuel Schönfelder (beide aus Emden), Marlon Polesch (Riepe), Paul Marx und David Chebulla (beide aus Leer) komplettieren die Ostfriesen-Fraktion.
Bei der U19 mischt ein ostfriesisches Quintett mit. Am längsten dabei ist Luca Prasse aus Hinte, seit vier Jahren. „Besonders in den letzten zwei Jahren ist hier nochmal viel passiert“, sagt der 17-Jährige. Wie die meisten Ostfriesen fährt er mit dem Zug nach Meppen, dreimal die Woche. In Emden geht es um 16.52 Uhr los mit der einstündigen Fahrt, zurück ist er um 22.02 Uhr. „Das ist ein hoher Aufwand, aber ich mache es gerne. Die Zugfahrt ist mit den Mitspielern auch nie langweilig, manchmal nutze ich sie auch zum Lernen.“ Prasse besucht die 12. Klasse des JAG in Emden. Wenn er in die 13. kommt, könnte er zum Abschluss seiner Jugendzeit nochmal Bundesliga spielen. Die A-Junioren sind Tabellenführer in der Regionalliga. Der Traum lebt.
Auricher ging von Meppen nach Leipzig
Simon Hoffmann aus Aurich wechselte einst mit ihm in der U15 nach Meppen und kehrte nach Stationen bei RB Leipzig und Fortuna Düsseldorf im Sommer zurück. Auch andere JLZ-Spieler wechselten in den vergangenen Jahren mal zu größeren Klubs.
Mattis Antoni (Nortmoor) und Ole Marx (Leer) gehören ebenso zur Ostfriesen-Fraktion wie der Niederländer Stijn Hensema, der in Möhlenwarf lebt und das Team als Kapitän anführt.
Ein Coach kommt aus Leer
Die U15 der Meppener liegt in der höchsten Spielklasse (Regionalliga) auf einem guten fünften Platz. Daran seinen Anteil haben mit Milan-Serhat Aldemir, Ilirjan Behrami, Osman Gillmeister und Azad Kalmaz gleich vier Emder. Mit Colin Decker (Wittmund) und Marc Engels (Rheiderland) in der U16 und Tjark Gassner (Leer) und Jannik Wittmann (Firrel) in der U14 bereiten sich in den Landesliga-Teams auch vier Kicker auf den Sprung in die Regionalliga ab dem Sommer vor. Der Leeraner Stefan Marx trainiert im dritten Jahr die U16, seine Söhne Ole (U19) und Paul (U17) pendeln mit nach Meppen.
„Alle Teams trainieren dreimal die Woche in Meppen, die U17 und U19 manchmal auch viermal. Die Trainingstage werden dann auch mit unseren Fahrdiensten abgestimmt. Das ist ein großer organisatorischer Aufwand“, sagt Lucas Beniermann. Denn während die meisten ostfriesischen Spieler die gute Bahnverbindung nutzen – das JLZ beteiligt sich an den Kosten –, werden die Teenager aus anderen Regionen wie Cloppenburg, Emsland oder Grafschaft Bentheim mit einem Fahrdienst eingesammelt. „Sieben bis acht Bullis sind an einem Trainingstag parallel unterwegs.“
JLZ ist nicht der SV Meppen
All das zeigt die Entwicklung des Jugendleistungszentrums, das 2011 ins Leben gerufen wurde. Aber nicht alleine vom SV Meppen, wie Beniermann betont. „Uns sind viele Vereine aus dem Emsland angeschlossen, wir finanzieren uns auch über viele Fördergelder und Sponsoren.“ Aber natürlich besteht die engste Verbindung zum SV Meppen, dessen Anlage das sportliche Zuhause ist.
Und viele haben den Traum, es einmal ins Drittligateam zu schaffen. Das gelingt – wie bei allen Profivereinen – nur den wenigsten. „Dessen muss man sich bewusst sein“, sagt Lucas Beniermann. „Aber die Vereine im Emsland oder Ostfriesland erhalten dann toll ausgebildete Fußballer zurück. Das ist ein Mehrwert für alle.“