Jahresrück- und Ausblick
Kruithoff: „Diese Stadt muss wachsen“
Ein neues Baugebiet, ein Kostenplan für die Zentralklinik, Haushaltskonsolidierungen, mehr Kitaplätze sowie weitere Verkehrsexperimente: Das neue Jahr verspricht für Emden spannend zu werden.
Emden - Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) blickt auf das Jahr 2021 als ein „sehr herausforderndes“ zurück. Corona, eine angespannte Haushaltslage und ein Auf und Ab mit vielen Kurzarbeit-Perioden bei Volkswagen als größtem Arbeitgeber der Stadt sind Dinge, an die Kruithoff am Freitagmittag bei der Jahrespressekonferenz im Emder Rummel erinnert. Gleichzeitig blicke das Rathaus optimistisch in die Zukunft. Es gebe viele positive Impulse, Chancen für Emden und die Region sowie Ansätze für neue Ansiedlungen, Stadtentwicklung und Klimaschutz.
Was und warum
Darum geht es: Die zurückliegenden und bevorstehenden Herausforderungen der Stadt Emden sowie die Chancen und Hürden im Jahr 2022
Vor allem interessant für: alle Emderinnen und Emder
Deshalb berichten wir: Die Stadt Emden hatte die Presse eingeladen um auf das zurückliegende Jahr zu blicken und einen Ausblick auf 2022 zu geben. Die Autorin erreichen Sie unter: s.tome@zgo.de
Conrebbersweg-West
„Diese Stadt muss wachsen“, sagt Kruithoff mit Blick auf das umstrittene Mega-Neubaugebiet Conrebbersweg-West. Emden habe in den zurückliegenden Jahren Einwohner in das direkte Umfeld verloren. Die Entwicklung sei trotz vieler Gegenstimmen bedarfsorientiert. Aktuell liegen 365 Bewerbungen für die ersten 100 Grundstücke vor. Würde am Bedarf vorbei geplant, dann gebe es nicht diese hohe Zahl an Bewerbern, so Kruithoff. Das Projekt sei nachhaltig und innovativ vor dem Hintergrund, dass die neuen Häuser ohne fossile Brennstoffe auskommen müssen. Erst kurz vor Jahresende ging der „Dinosaurier des Jahres“, ein Umwelt-Negativ-Preis des Nabu, an Emden. Das geplante Baugebiet stehe für den Flächenfraß und die Bodenversiegelung in ganz Deutschland, hieß es zur Begründung. „Dieser Preis steht stellvertretend für das Thema. Wir nehmen es nicht persönlich für das Baugebiet.“
Zentralklinikum
Einen Ausblick wagte Kruithoff auf das Thema Zentralklinikum, das in wenigen Wochen spannend zu werden verspricht. Das zurzeit wohl größte Emder Projekt, das einen Neubau einer Klinik in Uthwerdum bei gleichzeitiger Schließung der Kliniken in Emden, Aurich und Norden vorsieht, steht vor einem wichtigen Punkt: Ende Februar soll eine detaillierte Kostenschätzung für das Zentralklinikum vorliegen und damit dann auch ein Förderantrag an das Land gestellt werden. Die Stadt hofft, dass mindestens 70 Prozent davon übernommen werden können, wie Erster Stadtrat Horst Jahnke mitteilt. Auf eine Entscheidung darüber hofft er noch im Herbst 2022.
Haushalt
Der Blick auf den städtischen Haushalt im Jahr 2022 macht Jahnke „sehr betrübt.“ Er zeige, vor welchen Herausforderungen die Stadt stehe. Nachdem sich die Schulden der Stadt im Jahr 2020 auf 22 Millionen beliefen, sieht es in den Jahren 2021 (17 Millionen) und 2022 (18 Millionen) nicht deutlich besser aus. Mindestens eine „schwarze Null“ sei nötig, um eigene Investitionen tätigen zu können und keine Kredite mehr aufnehmen zu müssen. Dies sei jedoch nötig, um unter anderem 120 städtischen Gebäude und rund 100 Brücken zu unter- und erhalten. Die Investitionen in die Infrastruktur stehen außer Frage, denn: „Sonst wird es irgendwann noch viel teurer“, so Jahnke. Bisher sei vom Land kein Haushaltssicherungskonzept auferlegt worden, unter anderem auch, weil die Stadt sich auf die Suche nach Einsparmöglichkeiten macht. So sollen etwa 900.000 bis eine Million Euro in einem ersten Schritt eingespart werden. Erste Konsolidierungsgespräche haben bereits stattgefunden. „Wir werden eine qualifizierte Abfrage machen und alle Bereiche durchforsten“, so Jahnke.
Soziales
Kita und Krippenplätze fehlen noch an einigen Stellen. Mit der Eröffnung einer neuen Einrichtung der OBW in Friesland sowie im ehemaligen Falkenhorst am Wall seien bereits mehr Kapazitäten geschaffen worden. Weitere Projekte sind im Ausbau: Etwa eine weitere OBW-Kita, die am Stadtwald im Ortsteil Harsweg entsteht und im August 2022 eröffnen soll. Zur selben Zeit soll auch in Barenburg die Kita Grüner Baum unter der Trägerschaft der Johanniter öffnen. Im großen Umfang soll das Angebot der Ganztagesschulen in Emden ausgebaut werden. Optimistisch ist Jahnke, dass es in diesem Jahr gelingen könnte, zusammen mit der Isensee-Stiftung ein neues Frauenhaus zu realisieren.
Bauen und Verkehr
„In diesem Jahr werden viele Projekte auch sichtbar werden“, versprach Stadtbaurätin Irina Krantz. Die Fußgängerzone wird schon bald von Bauarbeiten geprägt sein. Die Hausanschlüsse und die Kanalisation sollen erneuert werden und im Zuge dessen auch die Oberfläche neu gestaltet werden. Die Pottgießerstraße werde noch im ersten Quartal des Jahres 2022 vom Verkehr befreit. Große Hoffnung setzte Krantz auf weitere Bürgerbeteiligung rund um die aktuellen Verkehrsexperimente in der Stadt. Doch die aktuell angespannte Corona-Lage mache ein Umdenken bezüglich des Formats nötig.