Serie: Blick ins alte Emden
Als die Heringsfischer noch in Emden anlegten
Die Emder Räuchermatjes des Feinkostunternehmens Fokken & Müller wurden aktuell zu einem „Kulinarischen Botschafter“ Niedersachsens gewählt. Es ist lange her, dass Hering von Emden aus gefangen wurde.
Emden - Es muss damals spannend gewesen sein, als die Heringsfischer nach Monaten in den Fanggebieten nach Emden zurückkehrten. Die Schiffsbäuche waren voll mit dem salzigen Gut, die Seeleute hatten eine entbehrungsreiche, harte Zeit hinter sich. Die Logger legten beim heutigen Alten Binnenhafen an, wo heute noch der Straßenname „Alter Heringsfischerei“ auf die jahrhundertealte Geschichte hinweist. Unweit davon befindet sich auch jetzt noch das Familienunternehmen Fokken & Müller, das aktuell für seinen Räuchermatjes zu einem „Kulinarischen Botschafter“ Niedersachsens ernannt wurde. Grund genug, in unserer Serie „Blick ins alte Emden“ auf die Ursprünge des Fischfangs zu schauen.
Schon 1552 gab es die erste Erwähnung der Emder Heringsfischerei, schreibt Johannes-Hendrik Sonntag in seinem Aufsatz in dem Buch „Stadtgeschichten“ (herausgegeben von Reinhard Claudi). Mit zunächst fünf Segelschiffen, die aus dem Niederländischen entlehnt „Büsen“ genannt wurden, begann die Erfolgsgeschichte. Anstoß war unter anderem, dass niederländische Kaufleute, Reeder und Schiffer mit ihren Familien nach Emden geflohen waren, weil ihnen in ihrem Heimatland eine religiöse Verfolgung drohte. Bereits erfahren in der Heringsfischerei fanden sie schnell Emder, die sich ihrem Vorhaben anschlossen, auch von der Seehafenstadt aus Fischfang zu betrieben. Als allerdings Mitte des 17. Jahrhunderts viele niederländische Familien wieder in ihr Land zurückkehrten, verlor die Heringsfischerei in Emden zunehmend an Bedeutung, schreibt Sonntag.
Heringslogger kann besichtigt werden
Das änderte sich im 18. Jahrhundert, als der preußische König Friedrich der Große die Schaffung einer Kompanie zum Heringsfang anstieß. 15 Jahre lang hatte Emden als einzige Stadt im Königreich die Erlaubnis, den Fisch zu fangen. Zeitweilig arbeiten fast 1300 Leute auf den knapp 60 Schiffen und an Land in dem wiederentdeckten Wirtschaftszweig. Die Männer bekamen die Zusage von Preußen, dass sie nicht für kriegerische Handlungen rekrutiert werden konnten. Doch als der königliche Erlass, der mehrfach verlängert worden war, schließlich auslief, die neue hannoversche Landesregierung keine Unterstützung mehr zusagte und ein Kaufmann mit vielen Schiffen in die Niederlande abwanderte, war es abermals geschehen um die Emder Heringsfischerei.
Das war jedoch nicht das endgültige Ende. Die Emder Heringsfischerei Aktien-Gesellschaft wurde 1872 gegründet. Mit staatlicher Unterstützung wurde der Emder Hafen wieder mit Fanggesellschaften und deren Loggern, einem Schiffstyp, das die Büsen abgelöst hatte, gefüllt. Der Heringslogger „AE 7-Stadt Emden“ liegt noch heute im Delft und kann normalerweise ab April besichtigt werden. Er lief 1908 vom Stapel und wurde bis 1931 für den Fischfang verwendet. Doch Emden hatte mit vielen Herausforderungen zu kämpfen: Eine Fanggesellschaft hörte nach einem Großbrand 1914 auf. 1939 gab es zwar noch 65 Fangschiffe, doch 16 davon gingen allein durch Kriegseinwirkungen verloren. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Fischerei nicht mehr zu alten Erfolgen zurückkehren. Finanzielle Belastungen, Absatzschwierigkeiten, preiswertere Heringsimporte und nicht zuletzt die Abnahme der Heringsschwärme in der Nordsee zählt Johannes-Hendrick Sonntag als Gründe auf. Man versuchte 1962 bis 64 noch Fangfahrten vor der nordamerikanischen Küste, allerdings ohne den erhofften Erfolg.
Am 31. Mai 1976 wurden die Gesellschaften offiziell aus dem Handelsregister gelöscht. Die Emder Heringsfischerei war Geschichte. Heutzutage finden jeweils im Frühjahr normalerweise die Matjestage statt, die auch an die jahrhundertealte Tradition erinnern sollen. Dann nämlich werden normalerweise die Heringe, die noch nicht geschlechtsreif sind und als Matjes bezeichnet werden, gefangen. Beim Feinkostunternehmen Fokken & Müller werden die Heringe noch heute in Emden weiterverarbeitet.
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