Stadtentwicklung
Niederländern gehört fast die halbe Weeneraner Innenstadt
Die Niederländer Wouter de Bruin und Johann Voorma haben in Weener schon 30 Häuser saniert und als Wohn- und Geschäftsräume vermietet. Jetzt planen sie in der Westerstraße ein Großprojekt.
Weener - Die Innenstadt von Weener erlebt derzeit einen regelrechten Sanierungsboom. Investoren kaufen baufällige Häuser für kleines Geld, um sie zu sanieren und anschließend zu vermieten. Diese Form der Geldanlage haben die beiden Niederländer Wouter de Bruin und Johann Voorma schon vor Jahren für sich entdeckt. Seit 2015 haben sie nach diesem Prinzip Gebäude gekauft und neue Wohn- und Geschäftsräume geschaffen – rund 30 allein in Weener: unter anderem das ehemalige Café am Kaakebogen, das alte Rathaus und die frühere Fleischerei Eckhoff. Einen ganzen Häuserkomplex haben sie jetzt in der Westerstraße erworben – mit ihrer zweiten Firma Nordbau GmbH verfolgen sie hier aber ein anderes Konzept.
Was und warum
Darum geht es: In der Innenstadt von Weener gibt es einen Sanierungsboom. Johann Voorma und Wouter de Bruin gehörten vor 15 Jahren zu den ersten, die baufällige Gebäude kauften und sanierten. Inzwischen gehören ihnen hier an die 30 Häuser. Was treibt sie an?
Vor allem interessant für: Weeneraner und Menschen die eine Miet- oder Eigentumswohnung suchen.
Deshalb berichten wir: In der Westerstraße ist ein weiteres Wohnbauprojekt geplant. Diesmal geht es aber nicht um Sanierung. Ein Gebäudekomplex wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Eine Sanierung ist diesmal nicht geplant. „Die alten Gebäude in der Westerstraße 41c bis 49 sollen abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden“, erzählt Johann Voorma. Geplant sind zwölf Appartements mit Größen zwischen 70 bis 80 Quadratemetern mit Balkon oder kleinem Garten. Im Obergeschoss sollen zwei Penthouse-Wohnungen mit Dachterrasse entstehen. „Wir wollen sie als Eigentumswohnungen anbieten“, sagt Wouter de Bruin.
„Die waren ruck, zuck verkauft“
Eine Archtektin aus Weener sei mit der Planung beauftragt. Voorma und de Bruin gehen davon aus, dass mit dem Abriss und den Bauarbeiten Ende dieses Jahres begonnen werden kann. Mit diesem Konzept haben die beiden Niederländer bereits an der Alten Siedlung 22 gute Erfahrungen gemacht. Nach einem Abriss haben sie hier drei neue ebenerdige Wohnungen gebaut. „Die waren ruck, zuck verkauft“, sagt Ines Groen. Die Lebensgefährtin von Voorma kümmert sich um Buchhaltung, Planung, Vermietung und Verkauf. An Hauptstraße 108 in Stapelmoor soll nach diesem Prinzip weiterer Wohnraum entstehen.
In den Niederlanden würde dieses Konzept nicht aufgehen. „Da sind die Häuser und Grundstücke viel zu teuer“, sagt Wouter de Bruin. Ende dieses Monats feiert er seinen 68. Geburtstag. Mit den Mieteinkünften aus all den Gebäuden müsste ja eigentlich für den Ruhestand gesorgt sein. „Ich will ja schon länger etwas kürzer treten – eigentlich“, sagt er. Aber ob das was wird? Ines Groen weiß genau, warum der Vorsatz zum Scheitern verurteilt ist. „Ohne Arbeit können die beiden nicht und ohne einander auch nicht“, beschreibt sie das besondere Verhältnis der beiden Geschäftspartner. Die beiden seien ein eingespieltes Team. „Kannst du dich erinnern, dass wir uns mal gestritten haben?“, fragt de Bruin. Voorma schüttelt den Kopf. Die Männer sind sich einig. „Und wenn einer von uns bei einem Gebäude kein gutes Gefühl hat, lassen wir die Finger davon. Da gibt es keine Diskussionen.“ So habe man sich beispielsweise gegen den Kauf des ehemaligen Finanzamts an der Süderstraße entschieden.
„Von dieser positiven Entwicklung bin auch ich überzeugt“
Kennengelernt haben sich die Niederländer in Weener, als de Bruin vor 15 Jahren einen Handwerker in Weener für das erste Sanierungsprojekt in der Neuen Straße 41 suchte. Durch Zufall traf er Johann Voorma. Er beherrsche laut de Bruin nahezu jedes Handwerk, das beim Hausbau oder der Sanierung gefragt ist. „Und ein Workaholic“, beschreibt Ines Groen ihren Lebensgefährten. „Mir macht die Arbeit Spaß, das sitzt bei mir so drin“, sagt Johann Voorma. Selbst vorm Entrümpeln von völlig verflohten und zugemüllten Wohnungen schreckt er nicht zurück. „Muss ja auch gemacht werden.“
Mit dem Gedanken gespielt, in die Niederlande zurückzukehren, hat keiner der beiden. De Bruin stammt aus Harlem in der Nähe von Amsterdam. „Die Leute sind dort schon lockerer als hier“, sagt er. Er besucht regelmäßig seine Tochter dort. Seine Heimat sei für ihn aber Weener, auch wegen des Freundeskreises, der hier im Laufe der Zeit entstanden ist – und alte Gebäude für neue Projekte gibt es hier noch reichlich.
„Die Stadt Weener profitiert stets davon, wenn Unternehmer und Investoren eine Chance sehen, Neues zu schaffen“, sagt Bürgermeister Heiko Abbas. Wenn es dabei dringend benötigter Wohnraum entstehe, könne das die Lebenssituation in der Stadt nur verbessern. „Darum sind Vorhaben wie jene in der Westerstraße für Weener ein starkes Signal, dass sich der Einsatz in unserer Stadt lohnt und die Projektträger an eine gute und positive Entwicklung unserer Stadt glauben – von dieser positiven Entwicklung bin auch ich überzeugt.“