Entsorgung

Sperrmüllgebühr – eine gute Idee oder doch nicht?

| | 31.01.2022 13:03 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Landkreis Leer nimmt seit 2021 eine Gebühr von 35 Euro je fünf Kubikmeter für eine Sperrmüllabholung. Foto: Archiv
Der Landkreis Leer nimmt seit 2021 eine Gebühr von 35 Euro je fünf Kubikmeter für eine Sperrmüllabholung. Foto: Archiv
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Die FDP hat vorgeschlagen, dass es im Landkreis Leer wieder eine kostenlose, flächendeckende Sperrmüllabfuhr geben soll. Im Abfallwirtschaftsausschuss gab es bei der Idee heftigen Widerspruch.

Leer - Immer wieder ist die Entsorgung von Sperrmüll im Landkreis Leer für Diskussionen gut. Anlass dafür war jetzt im Abfallwirtschaftsausschuss die Anregung der FDP, statt einer gebührenpflichtigen Abholung zu einer flächendeckenden Sperrmüllsammlung an festen Tagen für alle zurückzukehren. Doch mit der Idee stand Carl Friedrich Brüggemann in der Sitzung alleine da.

Was und warum

Darum geht es: Über Sperrmüll ist beim Landkreis Leer schon viel diskutiert worden. Die FDP hat das neu entfacht.

Vor allem interessant für: Einwohner des Landkreises Leer, die Hausrat zu entsorgen haben – oder auch nicht.

Deshalb berichten wir: Für den Sperrmüll war erst vor zwei Jahren eine Gebühr eingeführt worden. Jetzt wird sie wieder in Zweifel gezogen.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de

Der Landkreis Leer hatte vor einem Jahr erstmals eine Gebühr von 35 Euro für privaten Sperrmüll eingeführt. Vorher konnte man die Abholung einmal jährlich kostenlos „bestellen“, ein Entgelt wurde lediglich für weitere Abholungen oder für die Sofortabholung fällig. Eine Untersuchung des Instituts Infa, das für die Fortschreibung des Abfallwirtschaftskonzeptes das Müllaufkommen im Kreisgebiet untersucht hatte, ergab jedoch eine hohe Zahl von vergeblichen Anfahrten.

Mit Gebühr kaum noch Leerfahrten

Wie der Leiter des Abfallwirtschaftsausschusses, Klaus Anneken, in der Ausschusssitzung erläuterte, orderten Einwohner die Sperrmüllabfuhr, vergaßen aber, die Sachen rechtzeitig nach draußen zu stellen. Oder gut erhaltene Möbel wurden von anderen Leuten abtransportiert, so dass für die Abfuhr nichts mehr da war. „Außerdem haben alle anderen Einwohner, die keinen Sperrmüll zu entsorgen hatten, die Abholung für die anderen über die Müllgebühr mitbezahlt“, sagte Anneken.

Aus Gründen der „Gebührengerechtigkeit“, wie die Erste Kreisrätin Jenny Daun es nannte, sei dann die Sperrmüllgebühr eingeführt worden, während die allgemeine Müllgebühr für alle gesenkt wurde. Ein Erfolg ist laut Anneken spürbar: Die Zahl der vergeblichen Anfahrten sei eindeutig zurückgegangen. Ziel des Abfallwirtschaftsbetriebes sei zudem, dass gut erhaltener Hausrat nicht entsorgt, sondern zum Beispiel über die Verschenkbörse des Landkreises an Andere weitergegeben wird.

Feste Termine fördern „Mülltourismus“

Vom Vorschlag einer flächendeckenden Abfuhr an festen Tagen hielten Daun und Anneken nichts. „Dieser kostenlosen Abfuhr stünden keine Einnahmen gegenüber“, sagte die Erste Kreisrätin. Die Kosten müssten auf die allgemeine Gebühr aufgeschlagen werden, das würde ein Plus von 100 Euro je Haushalt bedeuten. „Eine Straßensammlung führt zu Mülltourismus“, sagte Daun. Einerseits würde der Hausrat an der Straße auf Brauchbares durchsucht, andererseits würde fremder Müll aus anderen Landkreisen dazu gestellt.

Solche Befürchtungen teilte der Vertreter von Infa, Bernd Lewering. Nur noch etwa zehn Prozent der Kommunen hätten eine allgemeine Sperrmüllsammlung, alle anderen hätten sie aus den genannten Gründen abgeschafft. Die vom Vertreter der Fraktion Moin, Andreas Meinders, geäußerte Befürchtung, die Sperrmüllgebühr führe zu mehr wilder Entsorgung in der Landschaft, wies Anneken zurück: „Dafür gibt es keine Anzeichen.“

FDP-Mann Brüggemann zeigte sich nach der Sitzung unzufrieden. Das galt unter anderem der Angabe von Jenny Daun zur Müllgebühr. „Diese Zahl, 100 Euro, halten wir für ein politisches Totschlagargument, das wir so nicht akzeptieren“, betonte Brüggemann. Für ihn sei die Gebühr nicht gerecht, da jemand, der nur ein Teil zu entsorgen habe, die volle Gebühr von 35 Euro zahlen müsse.

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