Havarie vor Wangerooge

Was passierte auf der Brücke der „Mumbai Maersk“?

| | 07.02.2022 17:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Am Freitag hatte die „Mumbai Maersk“ Bremerhaven erreicht. Foto: Schuldt/DPA
Am Freitag hatte die „Mumbai Maersk“ Bremerhaven erreicht. Foto: Schuldt/DPA
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In der Nacht zu Donnerstag fuhr die fast 400 Meter lange „Mumbai Maersk“ auf eine Sandbank. Auf der Brücke: der Kapitän und ein Lotse. Was genau die Männer sagten, beschäftigt jetzt die Ermittler.

Wangerooge - Als die „Mumbai Maersk“ in der Nacht zu Donnerstag gut sechs Kilometer nördlich von Wangerooge havarierte, war sie auf dem Weg nach Bremerhaven. Nach Auskunft der Wasserschutzpolizei war zu diesem Zeitpunkt außer dem Kapitän mindestens auch ein Lotse auf der Brücke. Ruder und Maschine waren, so zeigten später Untersuchungen der Crew, intakt. Was ist auf der Brücke passiert? Warum setzte das fast 400 Meter lange Containerschiff auf einer Sandbank auf?

Die Wasserschutzpolizei und die in Hamburg sitzende Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) versuchen aktuell, das herauszufinden – die Polizei, um einen Schuldigen zu finden und der Justiz zu übergeben, und die BSU, um Vorfälle dieser Art in Zukunft zu verhindern. „Wir suchen keinen Schuldigen, unser Ansatz ist die reine Prävention“, sagt BSU-Chef Ulf Kaspera.

Streit zwischen Kapitän und Lotse?

Die Polizei hatte vergangene Woche der Redaktion mitgeteilt, man werde voraussichtlich Montag oder Dienstag die Unglücksursache benennen können – daraus wird aber nichts. Einem Sprecher zufolge dürfte die Auswertung bis in die kommende Woche dauern. Zu groß sei die Datenmenge, zu umfangreich das von den Beamten zu sichtende Material.

Einer gut informierten Quelle zufolge könnte es an Bord zum Streit zwischen dem Kapitän und dem Lotsen gekommen sein. Weder Polizei noch Kaspera wollen das auf Nachfrage bestätigen. „Deswegen überprüfen wir ja alles, was auf der Brücke gesagt wurde“, sagt der Polizeisprecher. „Bevor wir unseren Bericht fertigstellen, bekommen alle Seiten die Möglichkeit zur Stellungnahme“, sagt Kaspera.

Schiff ist wieder unterwegs

Sollte es Hinweise auf einen Streit an Bord geben, wären diese sicherlich auch Gegenstand der Ermittlungen, ergänzt der BSU-Chef. Die Aufzeichnungen von der Brücke seien vergleichbar mit der sogenannten Blackbox eines Flugzeugs – aber mit einer ganz entscheidenden Ausnahme: „Pilot und Copilot tragen Kopfhörer und Mikrofone – die sind gut zu verstehen.“ Auf der Brücke eines Schiffes hingegen seien „drei oder vier Mikrofone“ im Raum verteilt. „Da alles rauszuhören, kann verdammt anstrengend sein“, sagt Kaspera.

Die „Mumbai Maersk“ ist inzwischen wieder unterwegs. Das Schiff machte in der Nacht zu Montag in Göteborg in Schweden fest. „Es gab keine Sicherheitsbedenken“, sagte ein Vertreter der Dienststelle Schiffssicherheit der Deutschen Presse-Agentur. Noch in Bremerhaven hatten es deutsche Stellen und einer Klassifizierungsgesellschaft untersucht. Der Reederei wurde zur Auflage gemacht, es bis Mitte Februar von außen von Tauchern untersuchen zu lassen. Das war Kaspera zufolge in Bremerhaven nicht möglich gewesen.

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