Landwirtschaft

Als Quereinsteigerin zur Jahrgangsbesten 2021

| | 10.02.2022 15:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Jana Wendelken arbeitet aktuell auf dem Meedehof in Engerhafe – und studiert ökologischen Landbau. Foto: Hock
Jana Wendelken arbeitet aktuell auf dem Meedehof in Engerhafe – und studiert ökologischen Landbau. Foto: Hock
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Jana Wendelken kommt eigentlich aus Baden-Württemberg und hatte lange keinerlei Berührungspunkte mit der Landwirtschaft. Nun hat sie ihre Ausbildung als Landwirtin als eine der besten abgeschlossen.

Krummhörn/Ostfriesland - Wenn man mit Jana Wendelken spricht, wird eines schnell deutlich: Die 23-Jährige geht voll in ihrem Beruf auf. Jüngst schloss sie die Ausbildung zur Landwirtin als einer von drei Jahrgangsbesten ab. Ihre betriebliche Ausbildung absolvierte sie sowohl auf dem Südbrookmerlander Biolandbetrieb Meedehof, wo sie auch jetzt arbeitet, als auch auf dem Biolandhof Agena in der Krummhörn.

Was und warum

Darum geht es: Gerade bei Landwirten ist die Chance groß, nach der Ausbildung auch sofort eine Stelle zu finden.

Vor allem interessant für: junge Menschen, die vor der Berufswahl stehen

Deshalb berichten wir: Jana Wendelken, die einen Teil ihrer Ausbildung in der Krummhörn absolvierte, ist eine der Jahrgangsbesten 2021. Wir wollten wissen, was sie antreibt.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Der Krummhörner Betrieb unter der Leitung von Ines und Heiko Dreyer war die zweite Station in der betrieblichen Ausbildung, die durch den schulischen Teil ergänzt wird. Doch obwohl Jana Wendelken nun Landwirtin ist, drückt sie weiterhin die Schulbank: Aktuell studiert sie Ökologische Landwirtschaft auf Bachelor, der Master soll folgen. „Das ist ein berufsbegleitendes Studium“, so Jana Wendelken. Schon während ihrer Ausbildung, die sie 2018 begonnen hat, hat sie dieses Studium aufgenommen.

Keine „Hofvergangenheit“

Bemerkenswert ist bei dem bisherigen beruflichen Werdegang der 23-Jährigen, die eigentlich aus Baden-Württemberg stammt: Sie ist nicht auf einem Hof großgeworden. „Ich hatte mit Landwirtschaft eigentlich nie etwas am Hut“, sagt sie. Dafür kommen in ihren Erzählungen die Pfadfinder vor, bei denen sie mit 13 Jahren Mitglied wurde. „Da habe ich festgestellt, dass ich ein wirkliches Faible für Natur habe“, sagt sie.

Nach dem Abitur im Jahr 2016 stellte sie sich dann die typische Frage: Wie soll es weitergehen? Erst wollte sie nach Südafrika, aber die angepeilte Stelle wurde nichts. Dann bewarb sie sich deutschlandweit für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ). „Da wollte ich dann schon in Baden-Württemberg zusagen“, erinnert sie sich, „als sich dann der Woldenhof in Südbrookmerland meldete.“ Auf die Idee, sich auch in Ostfriesland zu bewerben, kam sie, weil ihr Vater ursprünglich aus Bremen stammt und es so und über Urlaube Verbindungen zum Norden gab.

Nach den Kühen kommen die Bäume

Auf dem Woldenhof hatte Jana Wendelken dann erste Berührungspunkte mit der Landwirtschaft – und entdeckte ihre Leidenschaft. Doch nur in diese Richtung zu studieren, das reichte ihr nicht. „Mir war es wichtig, eine Ausbildung zu machen. Eben weil ich selbst nicht von einem Hof komme“, sagt sie.

„Ich hatte vorher eigentlich gar keine Ahnung von Landwirtschaft“, sagt sie. Romantische Vorstellungen konnten daher nicht zerstört werden, es gab für sie keinen „Kulturschock“. Dafür hält die Begeisterung bis heute an. Sei es die Arbeit an der frischen Luft oder der Umgang mit Tieren: „Es macht mir alles einfach unglaublich viel Spaß“, sagt Jana Wendelken.

Dabei ist es ihr aber auch wichtig, sich schon jetzt möglichst breit aufzustellen. Auf dem Meedehof soll bald eine neue Streuobstwiese angelegt und eine alte reaktiviert werden. „Deswegen mache ich jetzt auch eine Ausbildung zur Baumwartin“, sagt sie.

„Ohne frische Luft geht es nicht“

In ihrem eingeschlagenen Weg, Ausbildung und Studium zu kombinieren, sieht Jana Wendelken viele Vorteile. „Mir hat es sehr viel gebracht, Inhalte aus der Praxis mit ins Studium zu nehmen und umgekehrt“, sagt sie. „Eigentlich ist die Wissenschaft auch sehr nah an den Höfen dran“, sagt sie. „Aber es fehlt sicher noch an einem stärkeren Austausch“.

Wie es für Jana Wendelken nach dem Studium weiter geht, hält sie sich noch etwas offen. Aktuell arbeitet sie in Teilzeit auf dem Meedehof, auf dem sie auch einen Partner gefunden hat. „Hier stärker einzusteigen, kann ich mir definitiv vorstellen“, sagt sie. Aber auch einer Zukunft bei Einrichtungen wie der Landwirtschaftskammer sei sie nicht abgeneigt. „Dann aber eher Teilzeit. Ich mag Büroarbeit, aber ganz ohne Natur und frische Luft geht es nicht.“

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt

Lohnt sich eine Ausbildung in der Landwirtschaft überhaupt? Diese Frage haben wir der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gestellt, speziell: Helmut Harms, Ausbildungsberater für die Berufe Landwirt/in und Werker/in in der Landwirtschaft. Wie ungewöhnlich ist es, dass Menschen ohne familiäre Vorgeschichte den Weg in die Landwirtschaft finden? Und wie gut sind die Jobaussichten?

„Vor 15 oder 20 Jahren war es noch eher die Ausnahme, dass es quasi Quereinsteiger ohne Verbindungen zu bestehenden Höfen in der Landwirtschaft gab“, so Harms. Das habe sich aber mittlerweile deutlich geändert. 40 bis 50 Prozent der Auszubildenden zum Landwirt, so schätzt der Ausbildungsberater, „kommen nicht aus bestehenden Betrieben“. Das hänge auch damit zusammen, dass die Zahl der Betriebe abnehme, es aber gleichzeitig höheren Bedarf gebe. „Die Höfe werden größer“, sagt Harms. So hätten ausgebildete Landwirtinnen und Landwirte „nach einer erfolgreichen Abschlussprüfung fast eine Jobgarantie“.

Auch für Heiko Dreyer, bei dem Jana Wendelken ihre zweite betriebliche Ausbildung absolvierte, sind „Quereinsteiger“ nichts Neues mehr. „Ich bekomme teilweise Anfragen auch aus Großstädten wo es gar keine Berührungspunkte zur Landwirtschaft gibt“, sagt er. Das habe, so vermutet Dreyer, aber auch mit dem Trend zu mehr Bio zu tun. Diejenigen, die nicht einen elterlichen Hof übernehmen wollen, würden dann auf anderen Höfen Arbeit finden.

Als erfolgreich, so erklärt wiederum Harms, hat sich auch die Internetseite „Talente gesucht“ (www.talente-gesucht.de) herausgestellt. Hier werden die „grünen Berufe“, also neben Landwirten auch beispielsweise Tierwirte oder Gärtner, ausführlich vorgestellt – mit klarem Fokus auf Niedersachsen. „Die Internetseite gibt es seit acht oder neun Jahren“, sagt Harm. Zu jedem Beruf werden die wichtigsten Eckdaten zu Ausbildung und Inhalten genannt.

Die Landwirtschaftskammer betreut zurzeit niedersachsenweit knapp 5400 Auszubildende – darunter fast je ein Drittel in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Hinzu kommen gut 450 Fortbildungsteilnehmende aus allen grünen Berufen, so die Landwirtschaftskammer in einer Pressemitteilung zur Kürung der Jahrgangsbesten des Jahres 2021.

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