Jugendarbeit

Wie mit der Jugend umgehen?

| | 15.02.2022 13:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Was wollen die Kinder, und vor allem die Jugendlichen, in der Krummhörn für Angebote, wenn es um Jugendarbeit geht? Die Antwort bleibt im Dunkeln. Symbolfoto: pixabay
Was wollen die Kinder, und vor allem die Jugendlichen, in der Krummhörn für Angebote, wenn es um Jugendarbeit geht? Die Antwort bleibt im Dunkeln. Symbolfoto: pixabay
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Es mangelt ihnen an Treffpunkten, was dazu führt, dass sie mitunter mit den Erwachsenen aneinander geraten: Jugendliche. In der Krummhörn sucht man nach Wegen, um ihnen gerecht zu werden.

Krummhörn - In Pewsum gab es in der Vergangenheit immer wieder Probleme, weil eine kleine Gruppe von Jugendlichen sowohl an der Grundschule als auch an der Manningaburg ihre Spuren in Form von Müll und Vandalismus hinterließ. Auch im Wahlkampf war immer wieder Thema, welche Angebote man Jugendlichen bieten könnte, müsste und sollte. Eine wirkliche Antwort hat man nicht, was auch mit unterschiedlichen Ansprüchen zu tun hat.

Was und warum

Darum geht es: Ein „Party“-Treffpunkt für Jugendliche lässt sich unter der Leitung der Jugendpflege nicht umsetzen.

Vor allem interessant für: junge Leute; Erwachsene, die sich über sich treffende Jugendliche aufregen oder ihnen einen Treffpunkt wünschen.

Deshalb berichten wir: Im Bildungsausschuss war die Jugendpflege Thema. Aber die angesprochenen Probleme sind nicht neu.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Da ist zunächst die Seite der Jugendpflege, in der Krummhörn mit eineinhalb Stellen besetzt. Gesicht der Jugendpflege in der Gemeinde ist Christian Behringer. Die Arbeit erstreckt sich vor allem auf das Jugendhaus in Pewsum. Dann ist da die Seite der Politik, die „mehr“ für Jugendliche tun möchte. Und dann ist da die Seite der Jugendlichen, die große Unbekannte.

Das Problem

Die Krummhörn ist eine Flächengemeinde, die Jugendarbeit ist allerdings größtenteils auf Pewsum beschränkt. Die Nähe des Jugendtreffs zur Schule hat zwar grundlegend Vorteile, jedoch werden die älteren Schüler in der IGS in Hinte beschult – und die zeitliche Eingebundenheit der Jugend hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert. Auch das Freizeitverhalten passt nicht mehr zu der Jugendarbeit, wie man sie in den Jahren bis 2016 noch recht erfolgreich durchgeführt hat.

Die Arbeit der Jugendpflege

Christian Behringer stellte die gemeindeseitige Jugendpflege jüngst im Bildungsausschuss der Gemeinde vor. Seit 2003 gibt es diese Stelle in der Gemeinde, was schon eher ungewöhnlich ist. Denn: Jugendpflege ist eigentlich Aufgabe des Landkreises.

Ein Großteil der Arbeit bezieht sich auf Ferienpass und -betreuung sowie den offenen Treff im Jugendhaus in direkter Nachbarschaft zur IGS in Pewsum. Hinzu kommen Projektarbeiten, Mitarbeit in Fachausschüssen und die Zusammenarbeit mit anderen Trägern der Jugendarbeit – und auch Gespräche mit den Jugendlichen, die in der VErgangenheit für Probleme sorgten. Lässt man die „saisonalen“ Ferienangebote außen vor, so wurde beim Vortrag von Behringer deutlich, konnten viele geplante Projekte aufgrund der Pandemie nicht durchgeführt werden. Immerhin: Nach den Osterferien soll das Jugendhaus in Pewsum wieder an zwei Tagen die Woche öffnen. Bis dahin werden die Räumlichkeiten noch vom Testzentrum benötigt.

Die versuchten Lösungen

Seit 2017 wird der offene Treff nicht mehr in alter Form angeboten. In Zeiten der Corona-Pandemie, die auch projektbezogene Arbeit - beispielsweise an der IGS - größtenteils zum Erliegen brachte, gab es laut Behringer Überlegungen, wie man die Jugendpflege neu aufstellen könne.

Doch weder die Schaffung einer (neuen) offenen Anlaufstelle in Pewsum noch die Idee, eine mobile Alternative mit unterschiedlichen Stützpunkten in der Gemeinde aufzubauen, ist aus Sicht von Behringer nicht einfach zu realisieren. Für einen neuen Treffpunkt fehle es an passenden Immobilien in Pewsum, die mobile Jugendarbeit scheitere an passenden Fahrzeugen wie Bauwagen. Diese wurden in der Vergangenheit unter anderem durch das Jugendbüro der reformierten Kirche genutzt.

So soll nun probiert werden, das Jugendhaus in Pewsum mit einem neuen offenen Angebot wiederzubeleben. Darüber hinaus will sich die Jugendpflege erneut an Formaten wie „Before Sunset“ beteiligen, verschobene Projekte wie ein Demokratiefest und Angebote an der IGS sollen wiederbelebt werden. Sofern es die Pandemie erlaubt.

Die Hoffnung der Politik

Was in den Diskussionen im Ausschuss aber auch schon davor immer wieder deutlich wird: Die Politik würde gerne Treffpunkte schaffen, an denen sich Jugendliche aufhalten können – und das vor allem abends und am Wochenende. Die Idee dahinter: Gibt es so einen Ort, halten sich vor allem die Jugendlichen nicht mehr an der Grundschule, der Manningaburg oder ähnlichen Orten auf: Es gibt etwas mehr Kontrolle.

Das könne, so macht Behringer immer wieder deutlich, aber nicht durch die Jugendpflege realisiert werden. Diese sei nämlich an das Jugendschutzgesetz gebunden, was bedeutet: kein Alkohol, keine Zigaretten, keine „Party“, wie sie vielen Jugendlichen vorschwebe.

Das große Fragezeichen: Was wollen die Jugendlichen?

Dass die Jugendlichen vor allem einen Platz für Treffen suchen, liegt nahe, ist aber an sich auch nur eine Mutmaßung. Denn: Was die Jugendlichen wirklich wollen, darüber herrscht Unklarheit. Der Versuch, den Jugendtreff zu reaktivieren, soll nach den Sommerferien evaluiert werden. Und man wolle auch abfragen, was den Jugendlichen denn genau vorschwebe.

Wie die Jugendarbeit in Zukunft aussehen soll und ob es gelingen kann auch die wenigen „einzufangen“, die für „Probleme“ sorgen, ist und bleibt mehr als ungewiss.

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