Schiffsunglück
Menschliches Versagen führt zu Havarie der „Mumbai Maersk“
Die Polizei hat Verfahren gegen den Kapitän der „Mumbai Maersk“ und den zuständigen Lotsen eingeleitet. Technische Probleme habe es nicht gegeben – sondern eine „navigatorische Fehleinschätzung“.
Wilhelmshaven/Wangerooge - Nach Ansicht der Wasserschutzpolizei war menschliches Versagen der Grund für die Havarie des Containerschiffs „Mumbai Maersk“ vor Wangerooge. Die „aufwendigen Auswertungen“ der Daten von der Brücke hätten ergeben, dass der 400-Meter-Frachter in der Nacht des 2. Februars „durch eine navigatorische Fehleinschätzung“ auf die Sandbank nördlich der Insel gelaufen war, so die Beamten. In Zusammenarbeit mit Kollegen aus Bremerhaven hätten die Wilhelmshavener Experten unter anderem Seekarten, Radaraufzeichnungen, den Schiffsdatenschreiber und andere digitale Aufzeichnungsgeräte ausgewertet, heißt es.
Als das Containerschiff auf dem Schüttgut von Fahrrinnen-Ausbaggerungen aufsetzte, war nach Angaben der Polizei ein Lotse an Bord. Außerdem sei der Schiffsführer durch Personen am Landradar beraten worden. Dennoch setzte er sein Schiff außerhalb des Fahrwassers auf Grund. Wie kam es dazu? Weil es in Bremerhaven „Liegeplatzprobleme“ gegeben habe, habe das Schiff in Richtung See wenden müssen. Kurz nach dem Manöver kam die Order, doch in Bremerhaven einzulaufen. Die nächste Wende missglückte – und das Schiff geriet auf die neben dem Fahrwasser liegende Schüttstelle. „Hinweise auf technische Probleme an Bord der ‚Mumbai Maersk‘ ergaben sich aus den bisherigen Daten nicht“, schreibt die Polizei.
Verfahren gegen Kapitän und Lotsen
Aus gut informierten Kreisen hatte es zunächst die Aussage gegeben, Unstimmigkeiten zwischen Kapitän und Lotse hätten zu dem Manöver geführt, das an dieser Stelle nicht hätten gefahren werden dürfen. Ein Polizeisprecher sagt auf Nachfrage: „Wenn wir Erkenntnisse dazu hätten, würden wir sie nicht mit der Presse teilen, da dass nicht Gegenstand des Verfahrens ist.“ Man beteilige sich „nicht an Spekulationen“. Am Ende sei stets der Kapitän für sein Schiff verantwortlich, der Lotse stehe beratend zur Seite. Die Polizei hat Verfahren sowohl gegen Kapitän als auch den Lotsen eingeleitet, sie sollen sich Ordnungswidrigkeiten schuldig gemacht haben. Laut dem Pressesprecher sind den Beschuldigten Anhörungsbögen zugegangen, in denen sie sich äußern können. Für eine Entscheidung sei die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt zuständig.
Informationen der Redaktion zufolge konnte die „Mumbai Maersk“ in Bremerhaven zunächst deshalb nicht einlaufen, weil ein anderes Schiff mit technischen Problemen den Kai blockierte. Es gibt Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass dieser Schaden bereits länger bekannt gewesen sein könnte, als die „Mumbai Maersk“ die Anweisung zur Wende bekam. Wann genau diese Informationen wem zur Verfügung standen, wird aller Wahrscheinlichkeit nach von Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) in Hamburg geklärt werden. Denn: Sollte der Schaden längst bekannt gewesen sein und hätte man die Brücke frühzeitig darüber informiert, hätte es das zur Havarie führende Manöver möglicherweise nie gegeben. BSU-Chef Ulf Kaspera sagt auf Nachfrage, man werde sich äußern, sobald die Ermittlungen abgeschlossen seien.
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