Umwelt

Krummhörn: Diskussion um Klimaschutz geht weiter

| | 24.02.2022 11:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Beim Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz wird es auch um Greetsiel gehen. Schon jetzt werden Stimmen laut, die fragen, ob zu Nachhaltigkeit nicht auch weniger Tourismus gehört. Archivfoto: Hock
Beim Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz wird es auch um Greetsiel gehen. Schon jetzt werden Stimmen laut, die fragen, ob zu Nachhaltigkeit nicht auch weniger Tourismus gehört. Archivfoto: Hock
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Es sieht danach aus, dass die Krummhörn einen Klimaschutzmanager bekommt. Die Herausforderung, mehr für das Klima zu tun, ist in der Politik angekommen.

Krummhörn - Man kann schon fast davon ausgehen, dass die Krummhörn einen Klimaschutzmanager und damit auch ein Klimaschutzkonzept bekommen wird. Ein Großteil der Politik ist dafür, doch es gilt weiterhin die Frage: alleine oder mit umliegenden Gemeinden zusammen?

Was und warum

Darum geht es: Die Gemeinden Hinte und Brookmerland sind noch nicht soweit wie die Krummhörn, wenn es um einen Klimaschutzmanager geht.

Vor allem interessant für: Umweltbewusste; Touristen

Deshalb berichten wir: Im Rat Anfang März werden voraussichtlich die Weichen für einen Klimaschutzmanager endgültig gestellt.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Für letztere Option scheint es bislang eine Mehrheit zu geben, da eine Zusammenarbeit vor allem mit der finanzschwachen Gemeinde Hinte die Chance auf deutlich höhere Förderquoten (bis zu 100 Prozent) für die Stelle beinhaltet. Doch wie Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) auf der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses mitteilte, seien weder die Gemeinde Hinte noch die Gemeinde Brookmerland schon so weit in den Überlegungen wie die Krummhörn. Die Bürgermeister der genannten Gemeinden hätten aber zugesagt, schnellstmöglich in Gespräche mit der Politik zu gehen.

Breite Front für Klimaschutzmanager

Vor allem Alfred Jacobsen, Fraktionsvorsitzender der SPD im Krummhörner Gemeinderat, drängt derweil darauf, das Vorhaben ohne die Beteiligung anderer Gemeinden durchzuführen. Jacobsen betont auf Nachfrage die fehlende politische Diskussion in den Nachbargemeinden und befürchtet Verzögerungen. „Wenn wir in diesem Schneckentempo weiter machen, ist die Schaffung einer Stelle für das Klimaschutzmanagement in der Krummhörn in diesem Jahr utopisch“, so Jacobsen.

Bislang spricht sich nur der AfD-Abgeordnete Jan Looden komplett gegen die Schaffung einer entsprechenden Stelle, deren Kosten für zwei Jahre mit 70 Prozent gefördert werden würde (wenn die Krummhörn dies alleine angeht). „Ich finde es absolut ausreichend, wenn der LK Aurich einen Klimaschutzmanager hat“, so Looden auf Nachfrage. Der AfD-Abgeordnete befürchtet Folgekosten, die durch die Krummhörn nicht zu stemmen seien.

Auch ohne Manager tätig werden

Doch losgelöst davon, wann und wie die Stelle des Klimaschutzmanagers, dessen erste Aufgabe die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes wäre, umgesetzt wird: Die Bedeutung von entsprechenden Schutzmaßnahmen haben die im Rat vertretenen Parteien in der Regel realisiert. „Auch ohne Klimaschutzmanager und fertiges Klimaschutzkonzept für die Gemeinde Krummhörn können wir, Verwaltung und Politik, durchaus schon tätig werden“, betont die Gruppe CDU/SWK auf Nachfrage.

Die Gruppe nennt eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Klärwerkshalle als Beispiel. „Wir glauben auch, dass unsere Gemeinde, nach abschließender Bilanzierung, im Vergleich zu anderen Kommunen gar nicht mal schlecht abschneiden wird“, heißt es weiter. Die Aufgabe eines Klimaschutzmanagers sieht die Gruppe vor allem darin, „einen Überblick also ein Gesamtbild zu schaffen, die Vernetzung wichtiger Akteure für übergreifende Zusammenarbeit, Information und Öffentlichkeitsarbeit, Moderation und Management eines Gesamtkonzeptes“ und so weiter voranzutreiben. Auch die Grünen wollen, wenig verwunderlich, schon vor der Schaffung der Stelle gerne mehr Tätigkeiten in diesem Bereich sehen. Die FBL steht der Stelle auch offen gegenüber.

Grüner Tourismus

Als weitere Herausforderung, das ergab unsere Nachfrage ebenfalls, wird ein grüner Tourismus gesehen. „In dem Bereich Tourismus werden wir in den nächsten Jahren einen großen Wandel erleben. Der Gast wird von seiner Urlaubsregion mehr Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Regionalität einfordern. Wenn wir hier in der Krummhörn nicht reagieren, werden wir zu den Verlierern am Markt gehören“, so Jacobsen. Auch CDU und SWK argumentieren in eine ähnliche Richtung. Man sei der Meinung, dass „die sukzessive Umsetzung unseres touristischen Leitbildes vieles abfedern kann“. Darüber hinaus gebe es beispielsweise einen einstimmig beschlossenen Antrag auf E-Mobilität in der Gemeinde Krummhörn. Spezielle „Nachhaltigkeitsauflagen für Hotels und Unterkünfte wären alleine daher rechtlich schon schwierig, da es zu Wettbewerbsverzerrung zwischen bereits bestehenden, und mit Genehmigungen arbeitenden, Hotels sowie Vermietungen und dann unter Auflagen neu beginnenden führen würde“, so die Gruppe.

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Grundsätzlich stehe aber auch die Frage im Raum, so CDU und SWK, „ob die Krummhörn, und auch speziell Greetsiel, überhaupt noch mehr Tourismus braucht“. Auch dies dürfe, wenn man über Nachhaltigkeit spricht, nicht außer Acht gelassen werden. Hilke Looden sagt zum Thema grüner Tourismus: „Auch im Tourismus wird meiner Ansicht nach Umweltverträglichkeit und Klimaschutz eine immer größere Rolle spielen – in der Krummhörn wie anderswo. Die Politik wird sich damit beschäftigen müssen, ob dies durch Auflagen (hier wäre zunächst zu prüfen, inwieweit es dafür eine Handhabe gibt) oder auf freiwilliger Basis, mit entsprechenden Anreizen, befördert werden soll.“ Looden geht aber davon aus, dass es in der Tourismusbranche selbst auch ein entsprechendes Bewusstsein für das Thema gibt.

Als nächstes wird sich der Rat der Gemeinde Krummhörn mit dem Thema Klimaschutzmanager beschäftigen. Die Sitzung findet am kommenden Dienstag, 1. März, ab 18.30 Uhr in der Mensa der IGS in Pewsum statt. Die Sitzung ist öffentlich, aufgrund der Pandemie stehen aber nur begrenzte Zuschauerplätze zur Verfügung. Interessierte werden gebeten, sich bin spätestens zum 1. März, 12 Uhr, unter sitzungsdienst@krummhoern.de per E-Mail anzumelden.