Wohnen

Ein Tiny-Haus am Kanal soll Lust auf mehr machen

| | 24.02.2022 16:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
So ein Kleinsthaus soll künftig auch in Hinte stehen – und es soll tageweise vermietet werden. Foto: brettehaus
So ein Kleinsthaus soll künftig auch in Hinte stehen – und es soll tageweise vermietet werden. Foto: brettehaus
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Zwei Unternehmer aus Pewsum und Norden starten in Loppersum mit einem Tiny-Haus-Experiment. Das Haus soll tageweise vermietet werden – an Touristen und Einheimische.

Loppersum - Die als Tiny-Haus bekannten Kleinsthäuser sind seit einigen Jahren immer wieder Thema. Sei es als dauerhafte Wohnung für die, die sich bewusst auf das notwendigste reduzieren wollen; sei es als Wohnung für die, die sich sonst etwas anderes nicht leisten können – oder als Unterkunft für Touristen. Letzteres wird bald auch in der Gemeinde Hinte möglich sein – in bester Kanallage.

Was und warum

Darum geht es: In Loppersum wird ein Tiny-Haus gebaut, auch um zu erproben, ob dies eine Bereicherung für die Gemeinde sein könnte.

Vor allem interessant für: Urlauber, junge Leute, Menschen, die mit wenig Platz auskommen.

Deshalb berichten wir: Wir wurden darauf aufmerksam, dass es konkrete Pläne für den Bau eines Kleinsthauses in der Gemeinde Hinte gibt.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Denn zwei Unternehmer aus der Krummhörn und Norden wollen hier ein Musterhaus des lettischen Anbieters „Brette Haus“ aufstellen und es an Touristen und interessierte Einheimische vermieten. Entschieden haben sich der Pewsumer Kevin de Vries und der Norder Thorsten Janssen, die zusammen die Firma „Tiny House Nordsee“ gegründet haben, für das größte Kleinsthaus des Anbieters. Gebaut werden soll es direkt am Knockster Tief am Schwalbenweg in Loppersum.

Faszination Tiny-Haus

Auf rund 47 Quadratmeter finden sich vom Schlafzimmer direkt unter dem Spitzdach über Küche und Sanitäranlagen alles, was man grundsätzlich zum Wohnen braucht. „Das besondere ist das Faltsystem“, so de Vries. Das Haus werde so geliefert, dass es innerhalb von drei Stunden an seinem neuen Standort auseinandergefaltet und aufgebaut werden könne.

Die Häuser kommen in Quaderform und können durch ein Faltsystem innerhalb von drei Stunden in ihre eigentliche Form gebracht werden. Foto: brettehaus
Die Häuser kommen in Quaderform und können durch ein Faltsystem innerhalb von drei Stunden in ihre eigentliche Form gebracht werden. Foto: brettehaus

Janssen und de Vries haben sich beide über ihre Arbeit kennengelernt, sind Kollegen bei der Jugendberufsagentur in Norden. „Wir beide finden Tiny-Häuser aber faszinierend“, sagt de Vries im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch wenn er selbst noch nicht in einem gelebt oder übernachtet hat.

Aufgeschlossenheit in Hinte

Obgleich natürlich auch gewisse wirtschaftliche Interessen hinter dem Bau stehen, obwohl beide die Beschäftigung und schlussendlich auch den Verkauf von Tiny-Häusern als Hobby betrachten, bietet das „Musterhaus“ in Loppersum auch die Möglichkeit, grundsätzliche Nutzungen zu erproben. „Man könnte in so einem Tiny-Haus auch ein Café einrichten“, sagt de Vries.

In der Gemeinde Hinte wurde schon mehrfach, auch in der Politik, über das Aufstellen dieser Kleinsthäuser diskutiert. Als de Vries, der in der Krummhörn keine gute Möglichkeit zur Realisierung sah, das Gespräch mit Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos) suchte, stieß er entsprechend auf offene Ohren. „Ich stehe der ganzen Sache aufgeschlossen gegenüber“, so Redenius auf Nachfrage.

Grundstück für Brückenbau

Der Zufall wollte es, dass auch ein geeignetes Grundstück zur Verfügung stand. „Das Grundstück am Schwalbenweg hat die Gemeinde erworben, falls dort doch mal eine Brücke gebaut werden soll“, sagt Redenius und erinnert damit an die verkehrspolitische Diskussion, in der es auch um die Zugänglichkeit von Loppersum ging. Statt das Grundstück nun erstmal brachliegen zu lassen, wird es „zeitlich flexibel“ an de Vries und Janssen verpachtet.

„Wir schlagen da eigentlich gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe“, so Redenius. So könne man testen, inwieweit das Tiny-Haus sowohl von Rad- und Wasserausflüglern genutzt werde. Außerdem hätten auch Einheimische die Gelegenheit, sich dort einzumieten und Erfahrungen mit diesen Kleinsthäusern zu sammeln. Und: „Das Grundstück wird gepflegt von den Pächtern“, so Redenius.

Ans Netz angeschlossen

Die genauen Modalitäten für die Vermietung werden de Vries und Janssen zum passenden Zeitpunkt bekannt geben. Aktuell warte man noch auf die schriftliche Bestätigung der Bauvoranfrage. „Da sind wir aber optimistisch, dass alles klappt“, so de Vries. Wenn es grünes Licht gibt, wollen beide das Musterhaus bestellen. Acht Wochen dauere es in der Regel, bis die Häuser, die je nach Anfrage unterschiedlich gestaltet werden können, ausgeliefert werden.

Das Haus selbst soll auf einem Schraubfundament stehen, so dass es bei Bedarf auch schnell wieder abgebaut werden kann. Autark ist das Kleinsthaus nicht, es gibt ganz reguläre Anschlüsse ans Energie- und Versorgungsnetz. „Und es ist voll isoliert, also perfekt für norddeutsches Wetter“, sagt Janssen. Und was kostet so ein Brettehaus? „Zwischen 25.000 und rund 70.000 Euro“, so Janssen. Zu haben seien Wohnflächen zwischen 25 und 47 Quadratmetern.

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