OZ-Serie „Wohnen und Leben“
Immer mehr Senioren werden zu Mitbewohnern
Vom Eigenheim in die WG: Für immer mehr Senioren und Seniorinnen ist das eine gewünschte Wohnform. Was gibt es zu beachten und für wie funktionieren Senioren-WGs eigentlich?
Ostfriesland - Ein Leben im Altersheim kommt für Thomas Lössl nicht infrage. Alleine zu Hause leben konnte und wollte der 72-Jährige aber auch nicht mehr. Eine Alternative fand der gebürtige Frankfurter vor knapp zwei Jahren in einer Senioren-Wohngemeinschaft in Bunde. Thomas Hartmann-Rieks und seine Lebensgefährtin Annika Pals bieten dort Menschen, die nicht (mehr) alleine zu Hause leben möchten, eine alternative Wohnform.
Das Paar mietete einen ehemaligen Teppichmarkt und funktionierte die Räume zu einer Wohngemeinschaft um. Auf rund 130 Quadratmetern haben dort bis zu drei Menschen Platz. Es gibt WG-Zimmer, in denen die Bewohner ihre Privatsphäre haben, und auch Gemeinschaftsräume wie Küche, Wohn- und Essbereich sowie ein Fernseh- und Musikzimmer. „Für mich ist das mein Zuhause“, sagt Thomas Lössl. Ein anderes Leben kann er sich heute nicht mehr vorstellen.
Selbstbestimmtes Leben in der WG
Selbst bestimmen, wann man morgens aufsteht und was man mittags zu essen kocht: Für die meisten Menschen ist das selbstverständlich. Doch für viele Senioren geht im Heim diese Selbstbestimmtheit verloren. Dinge, die sie eigentlich noch gut selbst erledigen könnten, werden Heimbewohnern oft abgenommen, weiß Thomas Hartmann-Rieks. In der Senioren-WG in Bunde ist das anders. „Hier darf ich auch selber staubsaugen“, sagt Thomas Lössl. Dinge wie diese seien es, die er sich nicht einfach abnehmen lassen möchte, obwohl er noch fit genug dazu ist. Alles, was im Alltag nicht mehr so gut funktioniert, übernehmen Thomas Hartmann-Rieks und seine Lebensgefährtin Annika Pals. Einkaufen, kochen oder auch Behördengänge: Im Prinzip gibt es ein Rundum-Paket für die Bewohner, jedoch lediglich in einem Maße, wie sie selbst es wünschen. Sollten die Bewohner darüber hinaus einen Pflegedienst benötigen, können sie diesen selbst aussuchen und beauftragen.
Hoher Anspruch an WGs
WG-Leben ist nicht für jeden geeignet
Doch das Wohnen in der Gemeinschaft ist nicht für jeden die richtige Lösung. Hin und wieder müssen Menschen auch feststellen, dass sie nicht für das WG-Leben gemacht sind. In Bunde ist es deshalb auch möglich, erstmal zur Probe zu wohnen, ehe man wirklich einzieht. Aktuell sind zwei Zimmer frei. Thomas Hartmann-Rieks hofft, dass sich das bald ändert und dass sein Konzept viele Nachahmer findet. Der gelernte Altenpfleger arbeitete selbst viele Jahre in Heimen und musste dort die Erfahrung machen, dass dort für die Menschen einfach kaum Zeit bleibe und auch wenig auf die individuellen Interessen und Bedürfnisse der Menschen eingegangen werden könne. „Oft sind die Bewohner gemeinsam einsam. Da habe ich mir überlegt, dass es doch auch Alternativen geben müsste.“ Und so entstand die Senioren-WG in Bunde.
Mehr Möglichkeiten in Ostfriesland
Vom Eigenheim in die WG: Für immer mehr Senioren und Seniorinnen ist das eine gewünschte Wohnform. Das kann Prof. Dr. Knut Tielking von der Hochschule Emden/Leer bestätigen. Er beschäftigt sich wissenschaftlich mit alternativen Formen des Zusammenlebens älterer Menschen. Von 2013 bis 2016 hatte der Fachbereich „Soziale Arbeit und Gesundheit“ der Hochschule das Wohnprojekt „Tjücher Mühle“ in Marienhafe zum Forschungsgegenstand. Seitdem hat sich einiges getan.
„Die Möglichkeiten, im Alter in Gemeinschaft zu wohnen, haben zugenommen“, so Tielking. Vor allem für Ostfriesland bieten alternative Wohnkonzepte wie Senioren-WGs Potential. Weil die Distanzen hierzulande oftmals weit sind, würden viele Senioren und Seniorinnen häufig alleine zu Hause sitzen. Zwar gebe es in Ostfriesland noch viele intakte Familien, jedoch müssen die jüngeren Mitglieder tagsüber arbeiten. Auf dem Land gibt es zudem wenig Angebote und manchmal nicht mal eine direkte Nachbarschaft.
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Senioren-WG
Bei einer Senioren-Wohngemeinschaft handelt es sich um eine Wohnform, die für ältere Menschen gedacht ist. Die Gemeinschaft teilt sich zentrale Räumlichkeiten, zum Beispiel eine große Küche, einen Wäscheraum und einen Gemeinschaftsraum. Andere Räume wie beispielsweise das Schlafzimmer sind getrennt. In einer Senioren-Wohngemeinschaft leben ältere Menschen in verschieden großen Gruppen mit circa drei bis zwölf Personen zusammen. Wie genau die Gemeinschaft sich organisiert, beispielsweise mit Betreuung oder Pflege, hängt von der Gruppe ab. Mittlerweile gibt es viele Angebote von Wohlfahrtsverbänden, die die WGs professionell betreuen.
Betreutes Wohnen
Beim Betreuten Wohnen werden in einer Seniorenwohnanlage älteren Menschen Wohnungen mit unterschiedlichen zubuchbaren Serviceleistungen zur Verfügung gestellt. In der Regel findet die pflegerische Betreuung über einen ambulanten Pflegedienst statt. Jeder Bewohner hat die Möglichkeit, entsprechend seiner Notwendigkeit und seiner finanziellen Möglichkeit Leistungen wie Essen auf Rädern, Reinigungsservice usw. frei zuzubuchen.
24-Stunden-Betreuung
Bei der 24-Stunden-Pflege zieht eine Betreuungskraft direkt zu Hause bei der pflegebedürftigen Person ein. Voraussetzung dafür, dass diese sich wohlfühlen kann und die Privatsphäre hat, ist ein eigenes Zimmer.
Tagespflege
Eine Tagespflege ist eine Einrichtung, in der pflegebedürftige Personen tagsüber bis zu acht Stunden versorgt und betreut werden. Die Betroffenen selbst entscheiden, ob die Leistungen der Tagespflege entweder nur wenige Stunden oder einen ganzen Tag in Anspruch genommen werden. Außerhalb der Tagespflege wohnen Betroffene bei sich zu Hause.
Wer mit dem Gedanken spielt, in eine Senioren-WG einzuziehen, dem empfiehlt Tielking zunächst einmal eine Art Wohnen auf Probe. Bevor das ganze Leben umgekrempelt wird, könne bereits durch einfache Besuche ein Gefühl dafür gewonnen werden, ob das Leben mit Mitbewohnern in Frage kommt.
Wer Beratungsbedarf hat, könne sich an die Pflegestützpunkte oder auch an die Heimaufsicht wenden. Die Unsicherheit ist oft groß. „Die aktuelle Generation der Senioren hat selten WG-Erfahrung“, so Tielking. Trotzdem hätten diese Menschen ein Bedürfnis nach sozialen Kontakten.
Steffen Haake berät unter anderem das niedersächsische Baumanagement rund um das Thema Senioren-WGs und Mehrgenerationenwohnen. Der Politikwissenschaftler aus Hollen sieht auch die Kommunen in der Pflicht, solche alternativen Wohnformen mehr zu unterstützen. „Es gibt einen Bedarf in Ostfriesland, der nicht abgedeckt ist“, so der Experte.
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Sie haben eine alte Mühle oder ein anderes funktionales Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut? Sie leben in einem Tiny-House oder in einem besonderen Wohnprojekt mit mehreren Generationen? Ihr Haus ist architektonisch auffällig oder Sie haben ein Händchen für besondere Einrichtung?
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…Menschen in Ostfriesland, die uns im Rahmen dieser Serie einen Blick in ihr Zuhause gewähren und ihren Wohntraum vorstellen. Interessierte können sich per E-Mail an s.tome@zgo.de wenden oder sich telefonisch unter 0170/370 73 42 melden.
In der nächsten Folge dieser Serie geht es um das Thema Mehrgenerationen-Wohnen. Wir sind zu Gast bei einer Familie in Leer.
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