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Verkaufsoffene Sonntage: Verdi tritt auf die Bremse

| | 27.02.2022 15:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Verkaufsoffene Sonntage wie zum Geranienmarkt locken fast immer Menschenmassen nach Aurich. Fotos: Archiv/Ortgies
Verkaufsoffene Sonntage wie zum Geranienmarkt locken fast immer Menschenmassen nach Aurich. Fotos: Archiv/Ortgies
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Verkaufsoffene Sonntage bleiben in Aurich ein Reizthema. Zum Geranienmarkt am 8. Mai will der Kaufmännische Verein die Fachmarktzentren und den Caro einbeziehen. Doch die Gewerkschaft Verdi winkt ab.

Aurich - Die Sonne scheint, ein Hauch von Frühling liegt in der Luft: Dieser Tag wäre wie gemalt für einen verkaufsoffenen Sonntag in Aurich. An solchen Tagen strömen stets Menschenmassen in die Stadt, um zu bummeln, einzukaufen und in den Cafés zu sitzen. Der Kaufmännische Verein (KV) Aurich plant für dieses Jahr vier verkaufsoffene Sonntage, beginnend mit dem Geranienmarkt am 8. Mai. Doch Vorsicht: Verkaufsoffene Sonntage sind in Aurich zum Reizthema geworden.

Im vergangenen Jahr hat die Gewerkschaft Verdi mit Nachdruck auf die Rechtslage hingewiesen: Nach dem Ladenöffnungsgesetz muss ein besonderer Anlass vorliegen, der den zeitlichen und örtlichen Umfang der Sonntagsöffnung rechtfertigt. Die Gewerkschaft scheut sich nicht zu klagen, wenn sie einen solchen Anlass nicht erkennt – meist mit Erfolg.

Die Plakate waren schon gedruckt

Veranstaltungen in der Innenstadt reichten als Anlass nicht, damit auch die Fachmarktzentren am Stadtrand öffnen dürfen, so die Gewerkschaft. Mehr noch: Auch das Einkaufszentrum Caro (Carolinenhof) müsse geschlossen bleiben. Im Oktober änderte die Stadtverwaltung auf Druck der Gewerkschaft kurzfristig ihre Genehmigung und schloss den Caro vom verkaufsoffenen Sonntag zum Heidemarkt aus. Da waren die Plakate schon gedruckt. Verdi hatte die Frage von der Rechtsabteilung überprüfen lassen und mit Klage gedroht.

Beim Heidemarkt werden auf dem Auricher Marktplatz Pflanzen und Dekoartikel verkauft. Reicht das als Anlass, um am Stadtrand die Geschäfte zu öffnen?
Beim Heidemarkt werden auf dem Auricher Marktplatz Pflanzen und Dekoartikel verkauft. Reicht das als Anlass, um am Stadtrand die Geschäfte zu öffnen?

Gewerkschaftssekretär Arne Brix erklärte damals im Interview mit dieser Zeitung, dass ein verkaufsoffener Sonntag nur in der unmittelbaren Umgebung des Anlasses stattfinden dürfe, in diesem Fall also in der unmittelbaren Umgebung des Marktplatzes, wo Händler herbstliche Pflanzen und Dekoartikel verkauften. Der Caro sei zu weit weg. Der KV-Vorsitzende Udo Hippen sieht das anders: Der Caro sei Teil der Innenstadt.

„Das geht gar nicht“

Die Kaufleute werden sich darauf einstellen müssen, dass Verdi weiter sehr genau hinschaut und sich im Zweifel gegen Genehmigungen ausspricht. Die Gewerkschaft muss von der Stadt angehört werden, ehe diese eine Genehmigung für einen verkaufsoffenen Sonntag erteilt.

Mittlerweile ist für Aurich der Gewerkschaftssekretär André Belger (Emden) zuständig. Auch er fährt eine klare Linie: Die rechtliche Prüfung der Kollegen aus dem vergangenen Jahr sei nach wie vor gültig. „Unsere Meinung hat sich diesbezüglich nicht geändert.“ Öffnungszeiten an Sonntagen seien schon „schlimm genug“, so Belger. „Wenn man dann auch noch aus den Zentren rausgeht und die externen Betriebe einbezieht, geht das gar nicht.“ Das gelte auch für den Caro. Noch sei die Stadt aber nicht an die Gewerkschaft herangetreten, um einen Antrag prüfen zu lassen.

„Es wird nicht einfach“

Das ist kein Wunder, denn der KV hat die Genehmigung für den verkaufsoffenen Sonntag zum Geranienmarkt noch nicht beantragt, wie Hippen mitteilt. Das werde voraussichtlich Mitte März geschehen. „Wir würden uns freuen, wenn wir gerade zu den Pflanzenmärkten die Gewerbegebiete einbeziehen könnten“, sagt der KV-Vorsitzende. Er macht sich jedoch keine Illusionen. „Es wird nicht einfach. Wir sind auf das Wohlwollen der Gewerkschaft angewiesen.“

Das gilt auch für die weiteren geplanten verkaufsoffenen Sonntage: zum Kinder- und Familientag (Stadtzauber) am 4. September, zum Heidemarkt am 2. Oktober und zum Lichterfest am 6. November. Was sagt die Stadtverwaltung? Sie sehe sich in der Vermittlerrolle zwischen Kaufleuten und Gewerkschaft, sagt Pressesprecher Johann Stromann. „Wir werden uns bemühen. Ich fürchte, es bleibt bei dem Ergebnis, aber ich will das nicht vorwegnehmen.“

Mit Emden und Norden abgestimmt

Im vergangenen November hatte der KV Aurich Vertreter von Gewerbevereinen und Kaufmannschaften aus anderen ostfriesischen Kommunen an einen Tisch geholt, um über den Umgang mit dem Thema verkaufsoffene Sonntage zu beraten. Probleme wie in Aurich gibt es auch in anderen Städten. Man wolle den Dialog mit der Gewerkschaft aufnehmen, hieß es damals. Passiert ist das noch nicht, doch Hippen setzt nach wie vor darauf: „Wir möchten einen neuen Anlauf starten.“

Ein anderes Ergebnis dieses Treffens war, dass sich die Städte absprechen wollen, um sich nicht gegenseitig Kunden wegzunehmen. Das sei zum Teil gelungen, sagt Hippen. In einer Videokonferenz mit Kollegen aus Emden und Norden habe die Auricher Kaufmannschaft Termine für verkaufsoffene Sonntage abgestimmt.

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