Zukunft der Dörfer
„Wir haben viele tolle Dörfer“
Sechs der Dorfgespräche in der Gemeinde Hinte sind schon abgeschlossen. Im Gespräch mit unserer Zeitung ziehen ein Ortskümmerer und der Bürgermeister ein erstes Fazit.
Groß Midlum/Hinte - Die „Halbzeit“ bei den Dorfgesprächen, die für viele Bürgerinnen und Bürger in der Gemeinde Hinte den ersten Berührungspunkt mit dem Dorfentwicklungsprogramm darstellen, ist schon verstrichen. Jüngst fand das fünfte Dorfgespräch in Groß Midlum statt. Was sagt der dortige Ortskümmerer zum Programm – und wie bewertet der Bürgermeister das bisher Erlebte?
Was und warum
Darum geht es: Ein Großteil der Dorfgespräche ist schon abgeschlossen. Der Bürgermeister der Gemeinde Hinte blickt zuversichtlich in Richtung Zukunft.
Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für das Dorfentwicklungsprogramm und seine Möglichkeiten interessieren.
Deshalb berichten wir: Wir wollten ein erstes Fazit zu den Dorfgesprächen ziehen und haben mit einem Ortskümmerer und dem Bürgermeister gesprochen. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Das wollte unsere Zeitung wissen und hat dafür mit Groß Midlums Ortskümmerer Claus Karger und Hintes Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos) gesprochen.
Der Ortskümmerer
Karger ist 66 Jahre alt und wohnt selbst erst seit 2020 in Groß Midlum. Er gehört zu den „Zugezogenen“, die aber bewusst auch in den Prozess rund um das Dorfentwicklungsprogramm mit einbezogen werden sollen. Wie es früher auf Nachfragen unserer Zeitung beim zuständigen Planungsbüro sowie beim Amt für regionale Landesentwicklung hieß, werde in den Prozess bewusst ein möglichst breiter Querschnitt der Dorfbevölkerung mit einbezogen.
Für Karger war das Dorfgespräch „hoch interessant“, rund 30 Groß Midlumer hätten teilgenommen. Als Ortskümmerer war es für ihn die zweite Veranstaltung zum Dorfentwicklungsprogramm. Auch an einer ersten Informationsveranstaltung hat er teilgenommen. „Danach hatte ich schon ein Vorgespräch mit Interessierten aus dem Ort“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Da habe sich gezeigt, dass es noch viele offene Fragen gegeben habe, daher habe man sich für eine größere Dorfgesprächsrunde entschieden. Zur weiteren Vorbereitung habe Karger einen Fragebogen entwickelt, der an rund 300 Haushalte verteilt worden sei. Mit der Rücklaufquote von bislang etwas mehr als 40 Fragebögen, also mehr als zehn Prozent, sei er zufrieden. „Wer öfters mit solchen Fragebögen zu tun hat, der weiß, dass das eine recht gute Rücklaufquote ist“, so der Ortskümmerer.
Viele Ideen
Wie schon in anderen Orten habe sich auch in Groß Midlum gezeigt, dass der Schuh vor allem beim Thema Straßen- und Wegezustand drücke – und damit nicht bei den Schwerpunkten, um die sich das Dorfentwicklungsprogramm in seiner jetzigen Fassung eigentlich kümmern soll. „Da war die Enttäuschung bei manchem schon groß“, hat Karger beobachtet. Grund für Pessimismus sei das aber nicht. „Ich glaube, dass viele jetzt verstanden haben, worum es in dem Programm geht und welche Chancen es bereithält“, sagt der Ortskümmerer.
Zu den Ideen, die den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft und das soziale Miteinander stärken sollen, sei zum Beispiel der Wunsch nach Altenwohnungen aufgekommen. „Damit die, die in ihrem großen Haus alleine nicht mehr so gut zurechtkommen, zumindest den Ort nicht verlassen müssen“, sagt Karger. Als Ortskümmerer ist er zwar nicht ausschließlich, aber vor allem für die ältere Bevölkerung und deren Anliegen da. Auch ein besserer Zugang zum Wasser, gerade um Jugendlichen mehr Möglichkeiten zu bieten, sei als Wunsch aufgekommen und aufgenommen worden. Um noch ein besseres Bild vom Ort und den Problemen, aber auch den Chancen und Potenzialen zu bekommen, sei ein weiterer Vor-Ort-Termin mit dem Planungsbüro schon ausgemacht worden. Es soll eine Begehung des Ortes geben, so Karger.
Der Bürgermeister
Auch wenn Straßen und Wege nicht zum Kern des Dorfentwicklungsprogrammes gehören, werden sie doch sehr häufig genannt. Ein Indikator dafür, wie sehr das Thema den Menschen in den Dörfern der Krummhörn auf den Fingern brennt.
Wie ist das für Uwe Redenius, wenn er doch etwas verstärkt damit konfrontiert wird? „Das gehört zum Amt dazu und ist auch wichtig“, sagt der Bürgermeister. „Wir wissen, ich weiß, dass Straßen ein großer Teil unserer Probleme sind“, so Redenius. Es werde auch, zusammen mit der Politik, an einer Lösung der Probleme gearbeitet. „Das Budget ist aber begrenzt“, sagt Redenius. „Wir können nicht sofort alle Straßen kernsanieren, deswegen haben wir, Verwaltung und Politik, eine Prioritätenliste erstellt.“ Diese werde, so gut es das Budget zulasse, abgearbeitet. Für wirklich große Projekte, die über ein Ausbessern hinausgehen, sei die Gemeinde aber oft auf Fördermittel angewiesen. „Das Beispiel Sielweg zeigt, dass das funktioniert. Und auch beim Krummen Weg sind wir auf einem guten Weg“, so der Bürgermeister.
Potenzial für ein neues Wir-Gefühl
Das Dorfentwicklungsprogramm ist für Redenius eine „sehr gute Sache“. Damit, wie es bislang angelaufen sei, sei er „sehr zufrieden“. Die Dörfer hätten schon viele Ideen entwickelt und würden auch die Dorfgespräche gut wahrnehmen und für die genauere Definition von Ideen nutzen. Bei vier von bislang sechs Dorfgesprächen sei er selbst anwesend gewesen, bei den beiden anderen ein anderer Vertreter der Gemeinde. „Ich habe schon jetzt das Gefühl, dass im Entwicklungsplan sehr viele tolle Ideen stehen werden“, so Redenius.
Aber der Verwaltungschef hofft nicht nur darauf, dass am Ende möglichst viele Projekte umgesetzt werden können, er hofft auch auf ein neues Wir-Gefühl in der Gemeinde. „Das Dorfentwicklungsprogramm nimmt ja ganzheitlich die ganze Dorfregion in den Blick“, sagt er. Wenn sich dieser Blick auch später in einem neuen „Zusammen“ ausdrückt, würde Redenius das sehr begrüßen. „Wir haben viele tolle einzelne Dörfer“, betont er. „Aber beim Zusammen, da gibt es sicher noch Potenzial für mehr.“
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