Fußball

Freitag wird eine große Reform des Jugendfußballs beschlossen

| | 09.03.2022 12:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ab Sommer 2024 wird deutschlandweit bei den G- und F-Junioren nur noch Fußball mit weniger Spielern auf vier kleine Minitore gespielt. In Ostfriesland fanden diese Saison schon viele solcher Turniervormittage statt. Foto: Ortgies
Ab Sommer 2024 wird deutschlandweit bei den G- und F-Junioren nur noch Fußball mit weniger Spielern auf vier kleine Minitore gespielt. In Ostfriesland fanden diese Saison schon viele solcher Turniervormittage statt. Foto: Ortgies
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Auf dem DFB-Bundestag wird das Sieben gegen Sieben bei den G- und F-Junioren abgeschafft. Ab 2024 darf nur in kleinen Teams auf kleine Tore gespielt werden. Die Reform bei der E-Jugend ist minimaler.

Leer - Eine der größten Reformen im deutschen Nachwuchsfußball seit Jahrzehnten ist fast beschlossen. Der DFB-Bundesjugendtag stimmte kürzlich für grundlegende Änderungen bei den G- bis E-Junioren. Bei den G- und F-Junioren ist das Sieben gegen Sieben auf zwei fünf mal zwei Meter große Jugendtore damit ab der Saison 2024/2025 Geschichte. Der DFB-Bundestag muss dem Beschluss an diesem Freitag in Bonn zwar noch zustimmen – das gilt aber als Formsache.

Der Ostfriese Walter Fricke begleitete den Reformprozess beim DFB. Foto: Verband
Der Ostfriese Walter Fricke begleitete den Reformprozess beim DFB. Foto: Verband

„An eine solch große Veränderung kann ich mich nicht erinnern. Am nächsten kommt dem noch die Abschaffung des Elf gegen Elf bei E-Junioren vor vielen Jahrzehnten“, sagt Walter Fricke. Der 69-jährige Ostfriese engagiert sich seit Jahrzehnten in den Verbänden und ist noch bis zum Bundestag Vorsitzender des DFB-Jugendausschusses. Dann geht der Westoverledinger in „Fußball-Rente“. Vorher hat er noch den vor Jahren begonnenen Reformprozess mitbegleitet. „Es geht darum, dass die jüngsten Kinder mehr Ballkontakte haben und altersgerechter Fußballspielen.“

Kleinere Felder und kleinere Teams

Das neue Spielmodell „Kinderfußball“ – es ähnelt stark dem bekannten „Funino“ – wird schon seit einigen Jahren von den Verbänden beworben und auch immer mehr an die Basis getragen. Dabei treten die Kindergarten- und Grundschulkinder auf kleineren Feldern in kleineren Teams (meist drei gegen drei) auf vier Mini-Tore an. Eine feste Wechselreihenfolge nach jedem Tor soll zudem für ausgewogene Einsatzzeiten für alle sorgen, Trainer sollen während der Spielvormittage mit vielen Partien eher Begleiter als Taktikgeber sein.

Die Kinder sollen künftig viel mehr Ballaktionen haben. Foto: Ortgies
Die Kinder sollen künftig viel mehr Ballaktionen haben. Foto: Ortgies

Laut Lars Wolf bieten mindestens zwei Drittel der Fußballkreise in Niedersachsen „Kinderfußball“ bei den Vier- bis Neunjährigen (G- und F-Jugend) schon als Haupt- oder Alternativ-Spielform an. Wolf ist Teamleiter Jugendfußball beim Niedersächsischen Fußball-Verband. „Ab Sommer 2024 müssen es dann alle. Das sieben gegen sieben verschwindet dann aus der Jugendspielordnung.“

Viele Ostfriesen spielen die neue Form schon

Diese Aussicht hatte an der Basis auch für Kritik gesorgt und stieß teilweise auch auf Widerstand, wie Alwin Harberts vom Fußballkreis Ostfriesland sagt. Der Überzeugungsprozess ist noch nicht abgeschlossen. Der stellvertretende Vorsitzende kümmert sich von Carolinensiel bis Ihrhove leidenschaftlich um das Thema. „Ich habe drei Jahre gebraucht, um gewisse Wände umzustürzen. Die Vorbehalte nehmen aber immer mehr ab“, sagt der Ihlower. In dieser Saison haben sich bei den F-Junioren laut Harberts in Ostfriesland 69 Teams für die „Kinderfußball“-Spieltage und 49 Mannschaften für die Fair-Play-Liga entschieden. Dort wird noch Sieben gegen Sieben auf das etwa 35 x 40 Meter große Feld gespielt, mit einem festen Spielplan. Allerdings ohne offizielle Ergebnisse und Tabellen – ohne Wertung sozusagen.

Alwin Harberts betreut in Ostfriesland das Thema Kinderfußball. Archivfoto: Barth
Alwin Harberts betreut in Ostfriesland das Thema Kinderfußball. Archivfoto: Barth

Im Nachgang war auch dieser vor einigen Jahren vollzogene Einschnitt schon mal eine Art Vorbereitung für alle Beteiligten auf die neuen Fußballspielformen. „Das ganze Tabellenerstellen ist und war doch eher für manche Trainer und die Eltern wichtig, nicht für die kleinen Kinder selbst“, erläutert DFB-Funktionär Walter Fricke. Erlebnis vor Ergebnis, lautet der Grundsatz beim DFB.

E-Jugend-Einschnitte sind geringer

Die Reform betrifft auch die E-Junioren (neun bis elf Jahre). Doch die Einschnitte in dieser Altersklasse werden minimaler und weicher ausfallen. Als kleinste Spielform ist ein Fünf gegen Fünf – wie es auch in der F möglich ist – angeboten. Entweder auf Mini-Tore ohne Torwart oder auf zwei Jugendtore mit Torwart und vier Feldspielern. Der DFB erlaubt dort auch weiterhin ein klassisches Sieben gegen Sieben (sechs Feldspieler plus Torwart), bevorzugt kleine Turniere. Hat jedes Team einige Auswechselspieler dabei, sollen diese nicht draußen „rumstehen“, sondern im Optimalfall auf einem Minifeld 2:2 oder 3:3 spielen.

Punktspiele sind aber auch nicht verboten. „Da es in den 21 Landesverbänden auch unterschiedliche Meinungen gibt, entscheiden dass die Verbände in dieser Übergangsklasse zur D-Jugend selbst“, sagt DFB-Funktionär Walter Fricke. Der NFV begrüßt das. „Wir sind ein Flächenland mit unterschiedlichen Regionen. Daher wollen wir den Kreisen in dieser Altersklasse maximale Flexibilität bieten“, erklärt Lars Wolf. Von Turnieren bis Ligen, Fünfer- bis Siebener-Teams: alles werde erlaubt. Der Instrumentenkasten soll bei der Reform den Kreisen viel ermöglichen.

Vereine sollen es weiter ausprobieren

Das begrüßt auch Alwin Harberts vom Fußballkreis Ostfriesland. Er wird in der Rückserie weiter für die neuen und bald verpflichtenden Spielideen werben. So möchte er F-Junioren-Teams durch spielfreie Wochenenden in der Fair-Play-Liga die Möglichkeit geben, auch an einem Kinderfußballfestival teilzunehmen.

Und für die älteren F-Junioren soll es auch Spielvormittage im Fünf gegen Fünf auf zwei kleinere Jugendtore geben. „In einer Höhe von 1,60 Meter könnte ein Band gespannt werden. Die normalen zwei Meter sind viel zu groß“, so Harberts. Oder wie es Lars Wolf vom Fußballverband in Barsinghausen formuliert. „Ein siebenjähriger Basketballer wirft auch nicht mehr auf einen 3,05 Meter hohen Korb.“

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