Soziales

BBS-Sporthalle in Leer wird wieder Unterkunft für Flüchtlinge

| | 18.03.2022 13:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Während der Flüchtlingswelle 2015 diente die Sporthalle der BBS in Leer schon einmal als Unterkunft für Geflüchtete. Die Halle wurde in viele kleine Holz-Séparées eingeteilt, um für etwas Privatsphäre zu sorgen. Diesmal soll die Ausgestaltung laut Landkreis etwas anders aussehen. Archivfoto: Orgies
Während der Flüchtlingswelle 2015 diente die Sporthalle der BBS in Leer schon einmal als Unterkunft für Geflüchtete. Die Halle wurde in viele kleine Holz-Séparées eingeteilt, um für etwas Privatsphäre zu sorgen. Diesmal soll die Ausgestaltung laut Landkreis etwas anders aussehen. Archivfoto: Orgies
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Die Hilfsbereitschaft der Menschen im Landkreises Leer für Flüchtlinge ist enorm. Ausgerechnet das stellt Behörden vor Herausforderungen. Der Landkreis hat eine Lösung gefunden – die hat aber Folgen.

Leer/Rheiderland - In den Kommunen des Landkreises sind bereits mehrere Hundert Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine angekommen. Vorrangiges Ziel ist es, diese Menschen dezentral in Wohnungen unterzubringen. Für den Fall, dass in kurzer Zeit besonders viele Geflüchtete untergebracht werden müssen und eine unmittelbare Verteilung auf die Gemeinden nicht möglich ist, richtet der Landkreis in der Sporthalle der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Leer eine Sammelunterkunft ein.

Was und warum

Darum geht es: In der Sporthalle der BBS in Leer wird eine Sammelunterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine eingerichtet. Die Unterbringung dient aber nur als Übergangslösung.

Vor allem interessant für: Menschen, die sich für das Schicksal der Flüchtlinge interessieren und diejenigen, denen die Sporthalle durch die Umnutzung erstmal nicht zur Verfügung steht.

Deshalb berichten wir: Die Redaktion hat Informationen bekommen, dass im Landkreis eine Sammelunterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine eingerichtet wird. Wir haben beim Landkreis nachgefragt.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

„An diesem Freitagabend wird das Technische Hilfswerk (THW) damit beginnen, die Halle so herzurichten, dass dort Flüchtlinge vorübergehend untergebracht werden können, um eine geordnete Verteilung in die Gemeinden zu koordinieren“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises. Derzeit sollen dem Landkreis Leer nach Auskunft der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen pro Woche 48 Flüchtlinge zugewiesen werden. In der Sporthalle soll zunächst Platz für mehr als 100 Menschen geschaffen werden.

Zentrale Anlaufstelle einrichten

„Wir haben uns dafür entschieden, zentral in der Kreisstadt eine größere Ankunftsstelle einzurichten“, sagt Landrat Matthias Groote: „Für den Fall, dass nicht gleich genügend Wohnungen zur Verfügung stehen, brauchen wir einen Platz, an dem die Geflüchteten zunächst Obdach finden.“ Die Halle soll durch Abtrennungen so hergerichtet werden, dass zumindest ein Mindestmaß an Privatsphäre ermöglicht wird.

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Die Turnhalle steht damit bis auf Weiteres für den Schul- und den Vereinssport nicht mehr zur Verfügung. Der Vorsitzende des Kreissportbundes, Jörg Kromminga, zeigt nach Auskunft des Landkreises Verständnis, dass in dieser Lage die Entscheidung so getroffen wurde: „Der Sport wird hier solidarisch sein, und wir müssen in einer solchen Ausnahmesituation zusammenhalten, ohne Wenn und Aber“, wird Kromminga in einer Pressemitteilung des Landkreises zitiert. Ob es durch die Umnutzung der Halle zum Ausfall im Schulunterricht kommt oder ob Schule und Vereinen Alternativen in anderen Sporthallen angeboten werden können, konnte Landkreissprecher Philipp Koenen auf Nachfrage aktuell noch nicht beantworten.

Appell an private Hilfsinitiativen

„Viele Einwohnerinnen und Einwohner sind bereit, Geflüchtete aufzunehmen. Dafür kann man einfach nur dankbar sein“, wird Matthias Groote in einer Pressemitteilung zitiert. Allerdings könne die enorme Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung auch zu Problemen führen.

Während der Flüchtlingswelle 2015 wurde die Sporthalle der BBS in Leer schon einmal als Sammelunterkunft genutzt. Diesmal wird der Aufbau etwas anders aussehen als auf diesem Foto. Statt der Holzplatten wird das Technische Hilfswerk anderes Material verwenden. Archivfoto: Ortgies
Während der Flüchtlingswelle 2015 wurde die Sporthalle der BBS in Leer schon einmal als Sammelunterkunft genutzt. Diesmal wird der Aufbau etwas anders aussehen als auf diesem Foto. Statt der Holzplatten wird das Technische Hilfswerk anderes Material verwenden. Archivfoto: Ortgies

Dass neben den vom Land angekündigten Flüchtlingen weiterhin Ukrainerinnen und Ukrainer ebenso durch private Hilfsinitiativen ins Kreisgebiet geholt werden, stellt die Behörden vor Herausforderungen. „Dadurch wird eine koordinierte Unterbringung in Wohnungen erschwert“, heißt es. Im Zweifel stünden nicht genügend Wohnungen zur Verfügung, und der Landkreis müsse die Geflüchteten dann weiter nach Hannover zur Landesaufnahmebehörde schicken. „Weil diese Menschen eine lange beschwerliche Flucht hinter sich haben, möchten wir dies gerne vermeiden“, so Groote. Der Landkreis bittet deshalb darum, dass Helfer, die Menschen ins Kreisgebiet bringen, dann selbst für deren Unterbringung sorgen.

Unterkunft auch in Bunde

Die Gemeinde Bunde rüstet sich ebenfalls schon für die Aufnahme von Flüchtlingen. Laut Bürgermeister Uwe Sap soll das „Haus des Gastes“ in der Ortschaft Dollart wie bereits in der Flüchtlingskrise ab dem Jahr 2015 als Gemeinschaftsunterkunft genutzt werden. „Maximal können hier bis zu 25 Personen untergebracht werden“, so Sap.

Weil die Unterbringung der Geflüchteten in der Sammelunterkunft in Leer nur eine kurze Übergangslösung sein soll, sucht der Landkreis weiter Wohnraum für Geflüchtete. Vorrangig werden abgeschlossene Wohneinheiten benötigt. Angebote können unter www.wirpackenfreiwilligan.de/Ukraine oder telefonisch unter 0491/ 926 4048 bei der Ehrenamtsstelle der Kreisverwaltung eingereicht werden. Von dort werden die Angebote dann an die Kommunen weitergegeben. Zudem werden weitere Dolmetscher gesucht. Diese können sich ebenfalls an die Ehrenamtsstelle wenden. Allgemeine Informationen für den Aufenthalt von Geflüchteten im Landkreis Leer hat der Landkreis Leer unter www.landkreis-leer.de/Ukraine bereitgestellt.

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