Corona in Ostfriesland

Landkreise wissen kaum etwas über die Zahlen der Testzentren

| | 22.03.2022 18:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Behörden wissen nicht, welche Tests benutzt werden. Symbolfoto: Pixabay
Die Behörden wissen nicht, welche Tests benutzt werden. Symbolfoto: Pixabay
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Die ostfriesischen Landkreise wissen nicht, welche Tests die von ihnen beauftragten Stationen verwenden. Und sie können auch nicht mitteilen, wie viele positive Fälle jeweils aufgetreten sind.

Ostfriesland - Im Dezember sind nur 0,14 Prozent der 295.470 Schnelltests, die in Testzentren in den Kreisen Aurich, Leer und Wittmund durchgeführt wurden, positiv ausgefallen. Was nach einer guten Nachricht klingt, muss hinterfragt werden, denn: Die wenigsten Schnelltests sind perfekt. Das heißt, dass es immer auch falschpositive Ergebnisse geben muss. Hätte es im Dezember nicht einmal einen echten Fall gegeben und wären alle 414 Menschen mit einem positiven Ergebnis falsch diagnostiziert worden, hätten die Tests im Schnitt eine Spezifität von 99,86 Prozent aufweisen müssen. Geht man davon aus, dass immerhin die Hälfte der positiv Getesteten tatsächlich Corona in sich trug, hätte die Spezifität schon bei 99,93 Prozent liegen müssen.

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Sind die Tests tatsächlich so gut? Nein. Zwar sind auf der mehr als 600 professionelle Schnelltests fassenden Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) 156 Stück mit einer Spezifität von mindestens 99,86 Prozent aufgeführt. Doch schaut man sich das sogenannte 95-Prozent-Vertrauensintervall an, liegt dieses selbst beim besten Test lediglich zwischen 99,82 und 100 Prozent. Dieses Intervall bedeutet vereinfacht gesagt: 95 Prozent der verkauften Test-Kits dieses Typs haben eine Spezifität zwischen 99,82 und 100 Prozent. Oder anders formuliert: Selbst bei diesen besten Tests bekommen in 19 von 20 Fällen negative Personen mit einer Wahrscheinlichkeit von 0 bis 0,18 Prozent ein falschpositives Ergebnis.

Keine Aufschlüsselung einzelner Testzentren

Welche Tests setzen die ostfriesischen Testzentren ein? Das können die Landkreise auf Nachfrage der Redaktion nicht sagen. Ralf Klöker vom Landkreis Wittmund schreibt, dass dem Kreis nicht gemeldet werde, „welche Tests die Zentren im Einzelnen verwenden“. Jens Gerdes vom Landkreis Leer schreibt, dass „dies in Verantwortung der einzelnen Testzentren liegt“. Auch Nikolai Neumayer vom Landkreis Aurich gibt uns auf unsere Frage keine Antwort. Ebenfalls nicht sagen können uns die Pressestellen, wie die Positiv-Raten einzelner Testzentren im Dezember waren. „Eine Aufschlüsselung auf die einzelnen Stationen liegt uns nicht vor“, schreibt Gerdes. Klöker schreibt, dass eine Datenanalyse ein zu großer Aufwand wäre. Und Neumayer verneint mit dem Hinweis, dass die Abrechnung direkt mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) erfolge.

Ende Februar hatte Gerdes allerdings geschrieben: „Insbesondere bei kleineren Teststellen kommt es zu täglichen wechselnden hohen oder auch niedrigen Positiv-Raten. Auffälligkeiten, die zu Überprüfungen geführt haben, gab es bisher nicht.“ Woher weiß der Landkreis Leer, der mit rund 0,1 Prozent im Dezember die niedrigste Positiv-Rate hatte, das, wenn er doch gar keine Aufschlüsselung auf die einzelnen Stationen haben will? Auch die Kreise Aurich und Wittmund hatten wir Ende Februar nach auffällig niedrigen Raten gefragt. In Wittmund hatte man mitgeteilt, dass keine Einzelauswertungen vorliegen – und schreibt nun, die Datenanalyse sei schlicht zu aufwendig. In Aurich hatte man auf die Frage überhaupt nicht geantwortet.

Was sagt die KVN?

Wir fragen also bei der KVN nach. „Unser Prüfungssystem für die Abrechnungen ist zweistufig“, sagt Pressesprecher Detlef Haffke. In der ersten Stufe werde beispielsweise geprüft, ob eine Steuernummer angegeben sei, die Daten mit der ursprünglichen Akkreditierung übereinstimmten und das jeweilige Zentrum ans Meldesystem angeschlossen sei – im Grunde also Formalitäten. In der zweiten Stufe gehe es um die Abrechnung an sich und deren Plausibilität. Haffke: „Sind die abgerechneten Tests während der Öffnungszeiten durchgeführt worden? Kann mit dem vorhandenen Personal die abgerechnete Menge an Tests bewältigt werden? Solche Dinge.“ Diese Kontrollen erfolgten stichprobenartig, „in den letzten Monaten“ seien zehn Prozent der niedersächsischen Zentren dran gewesen.

Könnte auch eine besonders niedrige Positiv-Rate ein Kriterium für die Plausibilität sein? „Ja, in der Tat“, sagt Haffke. Gebe es Auffälligkeiten, werde eine verschärfte Kontrolle durchgeführt, so der KVN-Pressesprecher. Die gebe es auch dann, wenn Polizei oder Staatsanwaltschaft an die KVN herantrete. In den Stichproben seien auch schon ostfriesische Stationen gewesen, sagt Haffke. Auffälligkeiten oder gar einen Kontakt mit den Ermittlungsbehörden habe es in diesem Zusammenhang aber noch nicht gegeben. Zusammenfassend bedeutet das: Die ostfriesischen Landkreise wissen nicht, was einzelne Testzentren tun – oder wollen es nicht auswerten. Und die KVN hat keine Auffälligkeiten festgestellt, obwohl die eingesetzten Tests gar nicht so genau sein können, damit die Statistik plausibel wäre.