Essen

„Ölkrise“: Bald keine Pommes mehr?

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Von Vera Vogt
| 02.04.2022 12:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Beim Imbiss von Stefan Kröger wird es weiter Fritten geben. Noch muss er den höheren Preis auch nicht an die Kunden weitergeben. Foto: Vogt
Beim Imbiss von Stefan Kröger wird es weiter Fritten geben. Noch muss er den höheren Preis auch nicht an die Kunden weitergeben. Foto: Vogt
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Pommes fliegen mancherorts von der Karte. Die Imbisse in der Region werden wohl die Preise anziehen müssen, auch bei McDonald‘s und Burger King wird sich was tun. Und bei den Frittiermeistern in den Niederlanden?

Rheiderland/Niederlande - Es vergeht gefühlt kein Tag ohne die Meldung, dass etwas knapp wird wegen des Ukrainekrieges – schon wieder ist so ein Tag. Es betrifft die Pommes. Im Anbetracht der Not der Menschen durch den Krieg ist das eine belanglose Randerscheinung, dennoch ist es wohl für so manchen interessant zu wissen, was ihn im Imbiss seines Vertrauens bald erwarten könnte. Einige Wirte müssen die Pommes von der Karte nehmen, heißt aus verschiedenen Städten. Was haben die Fritten mit der Entwicklung zu tun?

Was und warum

Darum geht es: Manche Wirte müssen die Pommes von der Karte nehmen. Im Rheiderland gibt es noch welche und viele Betreiber puffern die Mehrkosten ab. Das wird bald nicht mehr gehen. Bei den Imbissfreunden in den Niederlanden sieht es ähnlich aus.

Vor allem interessant für: Pommesliebhaber

Deshalb berichten wir: Kein Öl, kein Frittieren. Wir fragen für Imbissfans nach, wie die Lage ist.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Die Preise für Speiseöl sind in Folge des Ukraine-Krieges stark gestiegen. Die Ukraine gilt als einer der größten Lieferanten für Getreide, Raps und Sonnenblumenkerne. Das scheint viele Menschen zu verunsichern. Durch Hamsterkäufe spannt sich die Lage weiter an, die Lager sind leer – keine Kerne bedeutet, kein Öl. Und kein Öl heißt, keine Fritte – auch bei uns?

Pommes im Rheiderland

Doch, Fritten gibt es bei ihm immer noch, sagt Stefan Kröger, der eine Fleischerei in Bunde mit dazugehörigem Imbiss führt. Das sei auch der Hauptgrund, weshalb bei ihm die Fritteuse noch brutzelt: „Wir sind ein Mischbetrieb. Wäre es nur der Imbiss, wären die Mehrkosten nicht aufzufangen“, sagt er. Man müsste alle paar Tage eine neue Karte drucken. Die Preise seien den Kunden nur schwer zu erklären. Mit Technik, die er für einen vierstelligen Betrag angeschafft hat, lasse sich über einen Sensor feststellen, wann Öl tatsächlich ausgetauscht werden muss, außerdem gebe es Filter. „So arbeiten wir nachhaltiger und sparen ein wenig.“ Günstigeres Palmfett sei keine Alternative für Kröger: „Wenn man weiß, was das für die Umwelt bedeutet, kann man das nicht machen“, sagt er. Es sei eine Frage von Wochen, dann würden die gestiegenen Speiseöl-Preise sicherlich auch woanders zum Tragen kommen: „Soßen, Dressings und vor allem Mayonnaise werden teurer“, sagt er.

Auch Mayonnaise wird wohl teurer. Foto: Pixabay
Auch Mayonnaise wird wohl teurer. Foto: Pixabay

Susanne Grootenboer führt einen reinen Imbissbetrieb in Weener. „Noch haben wir die Preise nicht erhöht“, sagt sie. Sie scheue auch davor zurück. „Allerdings sind die Preise für Öl schon wahnsinnig gestiegen. Manche Großhändler verkaufen schon keines mehr oder nur gedrosselt“, sagt sie. 2019 hätten zehn Liter rund zehn Euro gekostet, jetzt seien es 26 Euro – damit sogar mehr als das Doppelte. „Wir sind noch nicht so lange dabei und führen ein kleines Geschäft. Wir müssen sehen, wie es weitergeht“, sagt sie. Eine Nachfrage bei ihrem niederländischen Lieferanten hätte auch keinen Erfolg gehabt. „Dort ist es das gleiche Bild“, sagt sie.

Die Niederlande

Die Hoffnung, dass die Preise in den Niederlanden weniger stark angezogen haben, beziehungsweise Artikel noch vorrätig sind, musste auch Bert Stuut, der Inhaber vom Supermarkt Coop in Bad Neuschanz, schon zerplatzen lassen. „Ich wurde aus Bremen angerufen und gefragt, ob ich Öl oder Mehl habe“, sagt er. Die Niederlande sind bekannt für ihre Imbisskultur. Gerade die Automaten und Leckereien wie Frikandel und Kibbelinge sind auch bei Ostfriesen beliebt. Im Coop-Markt sind ein Fischimbiss und eine sogenannte „Snackbar“ angesiedelt. Auch hier ächzt man unter den gestiegenen Preisen für Öl, sagt Stuut. „Gerade bei paniertem und frittiertem Fisch wie Kibbelingen schlagen die Entwicklungen zu. Mehl und Öl werden gebraucht“, sagt er.

Solche Automaten in den Niederlanden sind bekannt. Foto: Vogt
Solche Automaten in den Niederlanden sind bekannt. Foto: Vogt

Man wolle aber nicht der erste sein, der die Preise anhebt. „Vielleicht lässt es sich verhindern“, sagt Stuut. Er erhoffe sich ein wenig preisliche Entlastung wegen der Spritpreise. „Die Steuern werden gesenkt. Dann dürfte zumindest die Lieferung etwas günstiger werden“, sagt er.

Die Großen

Die Fastfood-Riesen McDonald’s und Burger King haben Fritten im Angebot. Die Unternehmen teilen auf Nachfrage beide mit, dass sich das nicht ändern wird. Dennoch waren bei McDonald’s in den vergangenen Wochen häufiger gewisse Produkte nicht zu kriegen, weil es Probleme mit einem Logistikpartner gab, teilt eine Sprecherin auf Nachfrage mit. „Hierbei gab es allerdings keinen Zusammenhang mit dem Thema Öl-Mangel“, unterstreicht sie.

Die frittierten Fischhappen, Kibbelinge, sind gleich von zwei Mangeln betroffen: Mehl und Öl. Foto: Vogt
Die frittierten Fischhappen, Kibbelinge, sind gleich von zwei Mangeln betroffen: Mehl und Öl. Foto: Vogt

Trotzdem wird sich etwas ändern: Bei McDonald’s wird zum Frittieren der Pommes eine Pflanzenölmischung unter anderem aus Sonnenblumen- und Rapsöl benutzt. „Wobei Sonnenblumenöl nur einen kleineren Teil ausmacht. Aufgrund der aktuell eingeschränkten Verfügbarkeiten werden wir den Anteil vorübergehend weiter reduzieren“, so die Sprecherin. Preiserhöhungen seien nicht ausgeschlossen.

Um kurzfristigen Engpässen vorzubeugen, setze man bei Burger King auf langfristige Beziehungen zu Lieferanten, teilt eine Sprecherin des Unternehmens auf Nachfrage mit. „Deutschlandweit sind alle Produkte verfügbar.“ Diese langfristigen Lieferantenbeziehungen würden zusätzlich dabei helfen, kurzfristige Preisschwankungen gegenüber den Gästen abzufedern, so die Sprecherin weiter. Man müsse derzeit allerdings einen genauen Blick auf die Preise werfen. Es werde „wie für die gesamte Branche auch für Burger King notwendig sein, die Kostensteigerungen teilweise weiterzugeben.“

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