Tradition

Osterfeuer und der Ostfriese: Woher kommt die heiße Liebe?

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Von Vera Vogt
| 05.04.2022 13:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dichte Rauchschwaden zogen vom Osterfeuer in Bunde 2019 in den Abendhimmel. Dann gab es lange keine Brauchtumsfeuer mehr. Bild: Stromann
Dichte Rauchschwaden zogen vom Osterfeuer in Bunde 2019 in den Abendhimmel. Dann gab es lange keine Brauchtumsfeuer mehr. Bild: Stromann
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Als die Osterfeuer nicht stattfinden durften, kochten gerade im Kreis Leer die Emotionen hoch. Die Verbindung zu der Tradition scheint tief. Wieso ist das so und wo kommt der Brauch eigentlich her?

Rheiderland - Schützenfeste, Märkte, Vereinsfeste: So vieles musste während der Corona-Pandemie ausfallen. Aber um nichts wurde wohl so erbittert gestritten wie um das Osterfeuer. Oder das Paaskefüür, wie man es auf Platt nennt. 2020 waren sie im Landkreis Leer verboten, was viele Menschen traf, andere aus Naturschutzgründen freute. 2021 gab es noch mehr Streit: Kreisverwaltung, Landwirte und Kommunalpolitiker gerieten aneinander. Vorne dabei war der Landtagsabgeordnete Ulf Thiele (CDU) aus Stallbrüggerfeld (Gemeinde Filsum). Er hatte sich für die Osterfeuer im kleinen Kreis eingesetzt. Andere Landkreise wie Aurich, Wittmund und Friesland hatten sie erlaubt.

Was und warum

Darum geht es: Der Ostfriese hängt an seinem Osterfeuer. Gerade im Landkreis Leer ging es in der Diskussion heiß her, als wegen der Pandemie nur Feuerschalen erlaubt waren. Wir gehen auf Spurensuche: Was ist so besonders am Paaskefüür?

Vor allem interessant für: Die, die sich für Brauchtum interessieren oder die, die gerne zu Osterfeuern gehen

Deshalb berichten wir: Ostern steht vor der Tür – dieses Mal mit Feuer.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Osterfeuer sind grundsätzlich nur als Brauchtum zulässig – ohne öffentliches Treffen ist es kein Brauchtum, argumentierte die Kommune. Aber: Woher kommt die Tradition, einen Haufen Strauchschnitt in Brand zu setzen, überhaupt? Dass es sich ursprünglich um einen heidnischen Brauch handelt, der christlich umgedeutet worden ist, lese man oft, sagt Dr. Nina Hennig, Leiterin der Museumsfachstelle und Volkskunde bei der Ostfriesischen Landschaft. „Die eine wahre Bedeutung des Osterfeuers kann man allerdings nicht festmachen.“ Es gebe keine Kontinuität in den Aufzeichnungen.

2018 kamen zum Osterfeuer des TuS Holthusen 1400 Besucherinnen und Besucher. Foto: Bothe/Archiv
2018 kamen zum Osterfeuer des TuS Holthusen 1400 Besucherinnen und Besucher. Foto: Bothe/Archiv
„Die ersten Quellen, in denen das Osterfeuer erwähnt wird, kommen aus der Zeit, in der es das Christentum schon lange gab. Es werden Briefwechsel zwischen Missionaren und Päpsten erwähnt“, so Hennig. Es sei aber nicht ungewöhnlich, dass heidnische Traditionen, wie in diesem Falle das Winterabschiedsfeuer, in einen christlichen Kontext gerückt würden. „So liest man auch, dass das Feuer für das Osterlicht steht und so für Christus.“ Das Schöne sei aber an Traditionen, dass die Deutung für jeden frei sei. „Wer nicht gläubig ist, verabschiedet den Winter“, sagt sie.

Tradition ist Gemeinschaft

„Es geht beim Osterfeuer, wie bei vielen Bräuchen und Traditionen darum, die Gemeinschaft zu bestätigen“, so Hennig. Um das Zusammenkommen in besonderer Atmosphäre. „Es ist draußen, und das Feuer kennen wir sonst gerade noch domestiziert im Kamin, hier hat es etwas Wildes“, sagt sie. Dass dabei kein Abfall verbrannt werden darf, verstehe sich für umweltbewusste Osterfeuerfreunde ebenso von selbst wie das vorherige Umschichten des Strauchwerks, heißt es von der Landschaft. Mehrere Dutzend Leserbriefe erreichten diese Zeitung genau zu solchen Themen. Viele Leser zeigten sich äußerst enttäuscht, weil sie auf das Osterfeuer verzichten mussten, andere waren froh im Hinblick auf die Natur.

Das Osterfeuer im Stapelmoorer Park 2018 war beliebt. Foto: Heykes/Archiv
Das Osterfeuer im Stapelmoorer Park 2018 war beliebt. Foto: Heykes/Archiv

In diesem Jahr haben manche im Hinblick auf die Corona-Infektionen ihr Osterfeuer auf eigene Kappe abgesagt: So zum Beispiel die Feuerwehr in Holtland. Der Schützenverein Diele und Umgebung veranstaltet hingegen mit der Freiwilligen Feuerwehr ein Osterfeuer: „Ich denke, dass es gut angenommen wird“, sagt der Vorsitzende Andreas Groen. Der jahrhundertealte Brauch bringe die Menschen zusammen. Als Verein wolle man nach zwei Jahren zeigen, dass man noch da sei. „Man trifft so Leute, die man sonst nie sieht. Sie kommen wegen Ostern zu ihren Familien, manchmal von weit her. Und dann kommen sie auch zum Feuer“, sagt er. Für Kinder sei eine Ostereiersuche geplant, sie dürften außerdem das Feuer mit der Feuerwehr entzünden, aber alle Generationen seien willkommen. „Dafür braucht so eine Veranstaltung gar nicht riesig sein“, sagt er.

Füür für alle

Eine Nummer kleiner plant es zum Beispiel der TuS Holthusen. Es soll ein langsames Aufwachen aus dem Dornröschenschalf werden. „Es soll ruhiger werden als die Jahre zuvor mit Security und allem Pipapo“, sagt der erste Vorsitzende Gerald Jungeblut. Rund 1400 Menschen waren beim Osterfeuer im Jahr 2019. „Gemütlich, ruhig und familiär“ solle es in diesem Jahr werden. Deshalb gibt es zwei kleinere Lagerfeuer beim Vereinsheim anstelle eines Großen. Die SPD-Ortsgruppe veranstalte das „traditionelle Ostereiersuchen“ es gibt auch einen Fackelzug. Auch außerhalb des Rheiderlandes sind mehrere öffentliche Osterfeuer geplant. So veranstaltet unter anderem die Freiwillige Feuerwehr Uplengen-Nord ein traditionelles Osterfeuer beim neuen Feuerwehrhaus.

In Holthusen kamen auch 2016 viele Menschen zum Osterfeuer. Foto: Ammermann/Archiv
In Holthusen kamen auch 2016 viele Menschen zum Osterfeuer. Foto: Ammermann/Archiv

„Es bringt ganze Dorfgemeinschaften zusammen“, so Hennig. Das gilt aber auch für andere Regionen. Es sei schwer zu sagen, warum gerade die Ostfriesen und besonders im Landkreis Leer mit einer solchen Vehemenz für das Osterfeuer gekämpft worden sei, sagt sie. Generell sei es so, dass Bräuche und Traditionen auf der ostfriesischen Halbinsel auch im 21. Jahrhundert ihren festen Platz haben. Nicht umsonst hat das Osterfeuer hier einen eigenen Namen: Paaskefüür. Paasken, wie Ostern auf Plattdeutsch genannt wird, leitet sich laut Ostfriesischer Landschaft übrigens vom jüdischen Passah-Fest ab und bildet dabei einen Höhepunkt im Jahreslauf.

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