Interview

„Der Bebauungsplan 0530 in Greetsiel wird die Blaupause werden“

| | 07.04.2022 18:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Ferienwohnungen gehören zu Greetsiel dazu. Doch die Politik möchte den „Wildwuchs“ eindämmen und hat eine Entscheidung getroffen, die weitreichende Folgen haben könnte. Symbolfoto: Wagenaar
Ferienwohnungen gehören zu Greetsiel dazu. Doch die Politik möchte den „Wildwuchs“ eindämmen und hat eine Entscheidung getroffen, die weitreichende Folgen haben könnte. Symbolfoto: Wagenaar
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Niemand habe die Absicht, massiv Ferienwohnungen in Greetsiel zu schließen. Das betont Heiko Ringena (FBL) im Interview mit unserer Zeitung. Die FBL hatte mit einem Antrag die Diskussion angestoßen.

Krummhörn - Über Jahre wurden Ferienwohnungen zumindest in einem Gebiet in Greetsiel in rechtlichen Grauzonen betrieben. Die Politik und auch die Verwaltung wussten davon, aber es wurden „Augen zugedrückt“. Nun soll der Bebauungsplan 0530 „Greetsiel: Edzard-Cirksena-Straße & Klaus-Störtebeker-Weg“ überarbeitet werden.

Der Antrag, der dies eingeleitet hat, geht zurück auf die Freie Bürgerliste Krummhörn. Unsere Zeitung hat mit Fraktionschef Heiko Ringena darüber gesprochen, welche Wellen der Antrag ausgelöst hat, was Ferienwohnungsbetreiber jetzt (nicht) erwarten könnte und was eigentlich hinter dem Antrag steckte.

OZ: Herr Ringena, ein Antrag der FBL, der seit Jahren diskutiert wurde, hat nun eine Mehrheit gefunden. Es geht um den Bebauungsplan 0530 in Greetsiel. Kaum beschlossen, ging die Diskussion um die Ferienwohnungen los. Haben Sie damit gerechnet?

Heiko Ringena: Befürchtet, gerechnet nicht unbedingt. Befürchtet haben wir, dass das kommt, denn die Problematik ist der Politik ja nicht unbekannt. Die rechtliche Situation der Ferienwohnungen war zwar nie Hauptgrund unseres Antrages, aber die Änderung des Bebauungsplanes gibt uns ja jetzt die Möglichkeit, die Probleme zu beheben. Ich war aber schon über die Heftigkeit des Gegenwindes vor allem von Alfred Jacobsen und in Sozialen Netzwerken erstaunt. Erstaunt bin ich auch darüber, wie uneinsichtig manche sind, obwohl klar ist, dass wir daran müssen.

Im Gespräch: Heiko Ringena. Foto: Archiv
Im Gespräch: Heiko Ringena. Foto: Archiv

OZ: Bevor wir näher auf den Antrag und die Zukunft eingehen: Zumindest in der jüngeren Vergangenheit hat die rechtliche Grauzone rund um die Ferienwohnungen nie eine Rolle gespielt. Hätte man die ganze Geschichte vielleicht anders angehen können oder gar müssen?

Ringena: Ich wollte diese Diskussion um die Ferienwohnungen vermeiden. Hauptintention des Antrages waren und sind die großen Blöcke, die großen Einheiten. Ich glaube, vor sechs Jahren, als wir erstmals den Antrag gestellt haben, war uns das Problem in dieser Deutlichkeit gar nicht bewusst. Aber jetzt können wir, wenn wir den Bebauungsplan angehen, das gleich mit beheben. Es dauert ungefähr zwei Jahre, wenn alles gut läuft, bis der neue Bebauungsplan steht.

OZ: Was war denn Ihr Hauptanliegen?

Ringena: Der Rat hat den Bebauungsplan 2008 geändert, um auf den großen Grundstücken die Möglichkeit zu schaffen, rückwärtig im Garten zu bauen. Die Idee war, unkompliziert zusätzliches Bauland zu schaffen. Unbewusst hat man dabei aber die Möglichkeit geschaffen, dass Investoren die Häuser aufkaufen, abreißen und die Rahmenbedingen des Bebauungsplanes bis ins Letzte ausreizen. So sind die großen Einheiten dahingekommen, das war so nicht geplant. Man kann aber einen Bebauungsplan nicht sofort wieder ändern, der hat Bestandsschutz. Als dieser Schutz ausgelaufen ist, haben wir sofort unseren ersten Antrag gestellt, um die Fehler zu beheben. Dass da Fehler gemacht wurden, hat auch jeder eingesehen.

OZ: Dennoch gab es lange keine Mehrheit...

Ringena: Das stimmt. Die SPD hat sich bis zum Schluss dagegen gestellt. Warum, ist mir ein Rätsel. Es ist ja seit Jahren bekannt, dass da was geändert werden muss. Da muss man auch nicht mehr drüber diskutieren. Und wir haben ja jetzt nochmal Zeit, es wurde ja nur beschlossen, den Bebauungsplan zu ändern. Wir können uns jetzt überlegen, was wir da reinschreiben wollen und was nicht.

OZ: Es gibt jetzt die Angst, dass Ferienwohnungen geschlossen werden sollen, weil man den Wildwuchs bekämpfen möchte...

Ringena: Ja, dem Wildwuchs wollen wir begegnen: Durch Baubegrenzungen, also in der Größe und der Form des Baus. Wie viele Ferienwohnungen nachher genehmigungsfähig sind und wie viele nicht, das muss sich jetzt in den nächsten zwei Jahren in der politischen Diskussion herausstellen. Da sind wir ja frei, wir können ja gestalten. Aber diese großen Klötze, die wollen zumindest wir von der FBL nicht mehr, die wollen wir begrenzen.

OZ: Es geht also nicht darum, jegliche Ferienwohnungen zu verbannen?

Ringena: Nein, auf gar keinen Fall!

OZ: Es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass über Jahre verschiedene Akteure „ein Auge zugedrückt haben“. Können Sie die Verunsicherung, die jetzt gerade herrscht, verstehen?

Ringena: Natürlich kann ich das!

OZ: Wird diese Diskussion jetzt auch anderswo in der Krummhörn geführt werden müssen? In Greetsiel wird ja nicht das einzige Allgemeine Wohngebiet mit Ferienwohnungen liegen.

Ringena: Natürlich nicht. Wir müssen uns deswegen alle Bebauungspläne ansehen. Wir wären auch schon einen Riesenschritt weiter, wenn wir damit vor sechs Jahren damit angefangen hätten. Nun fangen wir eben jetzt damit an. Wo es ähnliche Probleme gibt, werden wir die Bebauungspläne auch ändern müssen. Vielleicht können wir das in einem vereinfachten oder beschleunigten Verfahren für alle Bebauungspläne machen. Da gibt es wohl eine Möglichkeit. Aber der Bebauungsplan 0530 in Greetsiel wird die Blaupause werden.

OZ: Wer hat denn mehr geschlafen? Verwaltung oder Politik?

Ringena: Ich weiß nicht, ob da jemand geschlafen hat. Das war ja bekannt, da kann sich niemand in der Verwaltung, im Kreis oder der Politik mit Unwissenheit rausreden.

OZ: Wer hat denn dann am stärksten ein Auge zugedrückt?

Ringena: Das müssen Sie die Verwaltungen fragen. Ich bin kein Verwaltungsmensch, das kann ich wirklich nicht sagen.

OZ: Dann blicken wir in die Zukunft. Es gibt für die Krummhörn ein touristisches Leitbild und es soll einen Masterplan Greetsiel geben. Wäre nicht ein Gemeindeentwicklungskonzept sinnvoll?

Ringena: Ich denke, dass der touristische Leitplan und dann der Masterplan reichen. Greetsiel hat ja auch eine Sonderstellung in der Gemeinde.

OZ: Die Bürgermeisterin Hilke Looden hat es gesagt, sie sagen es jetzt auch: Bleiben Sie ruhig...

Ringena: Niemand hat ein Interesse, irgendeine Ferienwohnung per Beschluss oder per Anordnung zu schließen.

OZ: Was ist denn Ihr Wunsch, wie es jetzt weitergeht?

Ringena: Möglichst schnell einen Planer finden, der uns den Bebauungsplan vorbereitet. Je schneller wir diesen Bebauungsplan beschließen, desto besser. Vielleicht muss das ja nicht zwei Jahre dauern, sondern nur eineinhalb. Und bis wir das haben, da bin ich mir sicher, werden keine Ferienwohnungen geschlossen. Wir werden die Grauzone beseitigen und so auch für alle Sicherheit schaffen.

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