Kriminalität

Wiesmoorer Firma unter der Kontrolle der Hells Angels?

| | 07.04.2022 21:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Welche Rolle spielen die Hells Angels in einem Wiesmoorer Unternehmen? Foto: Dedert/DPA
Welche Rolle spielen die Hells Angels in einem Wiesmoorer Unternehmen? Foto: Dedert/DPA
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Ein führendes Mitglied der Rockergruppe Hells Angels soll Einfluss auf den Inhaber eines Wiesmoorer Unternehmens haben. Eine große Rolle spielt dabei ein Bremer Bordell.

Wiesmoor/Bremen - Die Bremer Wirtschaftsbehörden gehen davon aus, dass der Inhaber des Wiesmoorer Unternehmens KS Consult GmbH unter dem Einfluss eines führenden Mitglieds der Hells Angels steht. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor, die der Redaktion vorliegen. Die KS Consult GmbH wiederum ist alleinige Gesellschafterin der Joy Company GmbH, die in Bremen bis Anfang 2021 ein Bordell führte. Damals hatte die Wirtschaftsbehörde den Betrieb wegen der Nähe zu dem dort verbotenen Motorrad-Club untersagt. Zu diesem Zeitpunkt waren Stephanie und Martina P., Schwester beziehungsweise Frau des wegen Menschenhandels vorbestraften Rocker-Chefs Andree P., Inhaberinnen und Geschäftsführerinnen gewesen.

Nach der Zwangsschließung wurde das Unternehmen an zwei ostfriesische Fußballer verkauft, die es im Namen der KS Consult GmbH erwarben. Diese Firma wiederum veräußerten die jungen Männer kurze Zeit später an den aktuellen Eigentümer, der in Schleswig-Holstein lebt. Aktuelle Geschäftsführer der Joy Company sind der Schleswig-Holsteiner und ein Fußball-Kumpel der damaligen Gesellschafter. Der Mann aus Schleswig-Holstein ist damit Inhaber beider Firmen. Trotzdem gehen eine in Bremen speziell eingerichtete Ermittlungsgruppe und die Behörden davon aus, dass über allem – und damit auch über dem Wiesmoorer Unternehmen – weiterhin der Einfluss der Hells Angels schwebt.

31 Jahre alte Auricherin im Fokus

Unseren Recherchen zufolge war es auch die KS Consult GmbH, die im Zuge des mutmaßlichen Millionen-Betrugs mit nicht durchgeführten, aber abgerechneten Corona-Tests in der vergangenen Woche durchsucht worden war. Im Fokus der Ermittler steht dabei eine 31 Jahre alte Auricherin – die aktuell als Geschäftsführerin in den Büchern der KS Consult GmbH steht. Informanten zufolge ist die Frau allerdings vor allem ein Bauernopfer in einem auf Verschleierung ausgelegten Unternehmensgeflecht. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg, Ermittlungsführerin in der Sache des mutmaßlichen Betrugs, schreibt der Redaktion auf Nachfrage: „Die Frage, von wem die Testzentren tatsächlich betrieben wurden, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.“

Zur KS Consult GmbH gehören 20 weitere Gesellschaften, die teils auch weit außerhalb Ostfrieslands angesiedelt sind. Darunter sind beispielsweise eine Shishabar, ein Dönerladen und ein Wettbüro – einem Experten zufolge „Katalog-Beispiele“ für Geldwäsche-Geschäfte. Derlei Betriebe eigneten sich gut, um illegal verdientes Geld einzuschleusen und so zu waschen. Der Staat könne nur schwer nachvollziehen, woher die Einnahmen tatsächlich stammten. Ob es in dem Wiesmoorer Fall tatsächlich um Geldwäsche geht und ob etwa die aus dem mutmaßlichen Betrug stammende, aber von den Behörden einkassierte Million für die Hells Angels gedacht war, ist unklar.

Das Oberverwaltungsgericht muss entscheiden

Die Bremer Behörden schreiben, „die Kontroll- und Besitzverhältnisse“ des Firmengeflechts würden „gezielt verschleiert“. Und in der Tat will niemand der ostfriesischen Beteiligten mit der Redaktion sprechen. Auf Anrufe und SMS reagieren sie nicht. Einzig einer der beiden Bordell-Geschäftsführer geht ans Telefon, allerdings auch nur, um zu sagen, dass er über die Joy Company GmbH nicht mit uns sprechen wolle. Das Prostitutionsgewerbe hat seit der Schließung durch die Behörden den Betrieb nicht wieder aufgenommen. Vorm Bremer Verwaltungsgericht hatte das Unternehmen Mitte März erneut verloren. Eine Beschwerde gegen den Beschluss liegt allerdings schon vor. Man will also wieder öffnen, auch wenn der Rechtsstreit immer größer wird.

Wann das Oberverwaltungsgericht entscheiden wird, ist unklar, doch allzu lange Zeit lassen darf es sich nicht: Die Joy Company GmbH war im Eilrechtsschutz gegen die Bremer Behörden vorgegangen. Das „richtige“ Verfahren – also die Klage in der Hauptsache – liegt noch beim Verwaltungsgericht und ist noch nicht entschieden, heißt es aus der Pressestelle. Spannend wird das Verfahren allemal – denn es ist öffentlich. Möglicherweise wagt sich dann auch der Auricher Bordell-Chef aus seiner Deckung und tritt in den Gerichtssaal.

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