Verkehr

Elterntaxis vor Schulen: ADAC-Experte wirbt für Verständnis

| | 10.04.2022 10:02 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Üben, üben, üben: Das gilt für den Unterricht wie für den Schulweg. Eltern sollten ihre Kinder anfangs begleiten. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Üben, üben, üben: Das gilt für den Unterricht wie für den Schulweg. Eltern sollten ihre Kinder anfangs begleiten. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
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Den meisten Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren, geht es um Sicherheit. Das Chaos vor vielen Schulen könne man durch „penetrante“ Aufklärung bessern, glaubt Felix Kaufmann vom ADAC.

Landkreis Leer - Den Schulweg kennen viele Kinder nur vom Rücksitz des elterlichen Autos aus. Selbst zu Fuß gegangen sind sie ihn noch nie. Während den Eltern oft Überfürsorglichkeit oder Bequemlichkeit unterstellt wird, zeigt Felix Kaufmann, Verkehrsexperte des ADAC Niedersachsen, durchaus Verständnis für das „Elterntaxi“.

Was und warum

Darum geht es: Jedes dritte Kind in Deutschland wird mit dem Auto zur Schule gebracht. Warum?

Vor allem interessant für: Eltern, Lehrer und andere Menschen, die auf Straßen unterwegs sind.

Deshalb berichten wir: Vor vielen Schulen ist morgens und mittags Chaos wegen der Elterntaxis.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de

„Der Begriff ist polarisierend“, gibt er im Gespräch mit unserer Redaktion zu. Man müsse aber genau hinsehen, ob die Sorgen der Eltern berechtigt seien: „Ich finde, das Auto sollte nicht voll und ganz verpönt sein.“ Mitunter sei die Haltung von Müttern und Vätern jedoch widersprüchlich: Einerseits wollten sie Sicherheit für die eigenen Kinder, andererseits sei das Chaos vor der Schule morgens und mittags eine Gefährdung für andere.

Eigene Sicherheit ist Gefahr für andere

Viele Eltern neigten dazu, bis direkt vor den Eingang zu fahren. Wenn sie dann noch mit den Kindern aussteigen, einen Ranzen aufsetzen oder die Mütze gerade zögen, blockierten sie den Weg für andere. „Das dauert dann mehr als nur ein paar Sekunden“, sagt Kaufmann. Beim Rückwärtssetzen bestehe die Gefahr, andere Autos zu touchieren, und vor manchen Schulen sei zu beobachten, dass sich die Kinder zwischen Pulks von Autos mit laufendem Motor hindurchschlängeln. Keine angenehme Situation. Trotzdem entsteht dieses Problem immer wieder. Im Landkreis Leer sind viele Schulen davon betroffen, zum Beispiel die Eichenwallschule in Leer, die Grundschule Jheringsfehn oder die FCSO in Veenhusen.

Vor der Eichenwallschule in Leer ist die Situation wegen der Kurve besonders unübersichtlich. Foto: Ortgies/Archiv
Vor der Eichenwallschule in Leer ist die Situation wegen der Kurve besonders unübersichtlich. Foto: Ortgies/Archiv

„Die Königsmoorstraße ist sehr eng. Morgens, mittags und abgeschwächt am späten Nachmittag herrscht hier das Chaos pur“, beschreibt ein Leser die Situation bei der Freien Christlichen Schule. Die Nebenstraßen würden als Schleichwege genutzt, zum Beispiel als Abkürzung zur Feldstraße.

Verbotsschilder helfen so gut wie gar nicht. Diese Einschätzung teilt ADAC-Experte Kaufmann: „Die Eltern suchen den für sie einfachsten Weg, die Gefahr erkennen sie dabei häufig nicht.“ Polizei oder Verkehrsplaner hätten einen anderen Blick auf den Sinn von Verbotszeichen. Gewohnheiten spielten bei den Eltern eine Rolle. „Die anderem machen es ja auch“, sei dann die Devise. Eine „mehr oder weniger egoistische Haltung“ sei ebenfalls zu beobachten.

Hand in Hand zu Selbstständigkeit

Diese Haltung könne man nur ändern, wenn die Lehrerschaft und die Eltern für das Problem sensibilisiert werden, sagt Kaufmann. Er wirbt dafür, die Situation „penetrant im positiven Sinne“ aufzuarbeiten. Das gehe nur mit „Kommunikation bis zum Abwinken“, sagt der Verkehrsexperte. Er selbst ist sehr dafür, Kindern eigenständig auf den Schulweg zu schicken.

ADAC-Verkehrsexperte Felix Kaufmann möchte mit den Eltern "Kommunikation bis zum Abwinken" betreiben. Foto: privat
ADAC-Verkehrsexperte Felix Kaufmann möchte mit den Eltern "Kommunikation bis zum Abwinken" betreiben. Foto: privat

Der ADAC biete Programme für Schulen an, die von den Regionalclubs betreut werden, zum Beispiel Adacus. In diesem werde den Kindern die Bedeutung von Verkehrszeichen oder Zebrastreifen beigebracht. „Aber die Eltern müssen mitziehen“, sagt Kaufmann, und den Schulweg mit den Kindern immer wieder üben. Entstehe eine neue Situation, zum Beispiel wegen einer Baustelle, müsse man aufs Neue üben.

Für Miteinander werben

Eine Hilfe seien Bringzonen, die etwas abseits vom Schulgelände liegen. Von dort aus könnten Eltern die Kinder Hand in Hand bis zur Schule bringen und sie so darauf vorbereiten, irgendwann den ganzen Weg von zu Hause alleine zu laufen. „Das ist entscheidend für die weitere Entwicklung der Kinder“, betont Kaufmann. Es sei auf jeden Fall besser, als rundum behütet aufzuwachsen.

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Es werde aber immer Eltern geben, die uneinsichtig sind und die Kinder weiterhin bis zur Schule bringen. Kaufmann plädiert dafür, immer wieder aufzuklären. „Das sollte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger geschehen“, sagt er. Der Schulweg sei ein sensibles Thema. Bußgelder sollten das letzte Mittel sein. „Wir wollen für Akzeptanz und Miteinander werben“, so der ADAC-Experte.