Gewalt gegen Kinder Ermittlungen gegen Weeneraner Krippen-Mitarbeiter laufen weiter
Im Januar ist ein Mitarbeiter der Filius-Krippe in Weener angezeigt worden, weil er ein Kind geschubst und eines mit einem Spielzeug geschlagen hatte. Wie ging es dort weiter?
Weener - Ein Kind stolpern lassen, ein anderes mit einem Spielzeug geschlagen. Zum Jahreswechsel war in der Filius-Kindertagesstätte in Weener ein Mitarbeiter Kinder angegangen. Am 13. Januar war bei der Polizei Anzeige erstattet worden. Der Vorwurf lautete Misshandlung eines Kindes. „Die Ermittlungen laufen derzeit noch“, teilt Polizeisprecherin Frauke Bruhns auf Nachfrage mit. Deshalb könnten keine weiteren Details mitgeteilt werden.
Die Lebenshilfe als Betreiberin der Krippe hatte die Vorkommnisse im Januar bereits bestätigt: „Zwei Krippenkinder sind durch den Mitarbeiter mit leichter körperlicher Gewalt angegangen worden. In einem Fall hatte er ein Kind stolpern lassen, in einem zweiten Fall ein Kind mit einem Spielzeug geschlagen“, wurde Heiko Höfelmann, Bereichsleiter Kinder und Jugend Lebenshilfe Leer in einer Mitteilung der Stadt Weener zitiert. Es habe sich aber nicht um schwere oder gar sexuelle Gewalt gehandelt. „Dennoch darf so etwas nicht passieren. Wir haben den Mitarbeiter sofort aus der Einrichtung abgezogen“, so Höfelmann seinerzeit.
Zuspruch für Transparenz
Bis heute habe es nach weiterer Prüfung dieser beiden Vorfälle, aber keine Hinweise auf weitere gegeben, teilt Höfelmann auf Nachfrage mit. Weil der Mitarbeiter besondere Schutzrechte als Arbeitnehmer genieße, habe man ihm seinerzeit nicht kündigen können. Es handele sich bei der Person um einen Springer, der nur kurzzeitig an verschiedenen Standorten eingesetzt worden sei. Jeweils Abmahnungen und eine sofortige Versetzung seien rechtlich die einzige Konsequenz gewesen, die man damals habe ziehen können. Er arbeitet auch heute noch für die Lebenshilfe, ist allerdings weiter versetzt. „Darüber hinaus bietet die Einrichtung keine Therapie für Täter an“, so Höfelmann.
Vertrauen wieder herstellen
Die betroffenen Kinder besuchen nach Aussage von Höfelmann noch heute die Krippe. „Wir haben zudem viel Zuspruch von vielen Eltern über unseren Umgang mit dem Vorfall erhalten“, sagt er. Das unterstrich im Januar auch Weeners Bürgermeister Heiko Abbas: „Ich habe mit den Eltern und auch dem Elternbeirat telefoniert.“ Die Beteiligten hätten bestätigt, dass die Krippenleitung transparent und nachvollziehbar mit dem Thema umgegangen sei. Insbesondere vom Elternbeirat sei die offene Vorgehensweise der Lebenshilfe ausdrücklich gelobt worden, teilte er mit.
Am Vertrauensverhältnis von Eltern zu Fachkräften müsse in solchen Fällen gearbeitet werden, erklärt Dr. Bettina Lamm, Geschäftsführerin des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (NIFBE). Eltern sollten das Gespräch suchen: „Das Vertrauensverhältnis der Eltern zur Fachkraft und Einrichtung wird durch solche Vorfälle erschüttert und muss bearbeitet werden, weil es sich auch wieder auf die Kinder auswirken kann“, so Lamm. Wichtige Partner seien dabei die Einrichtungsleitung, die Elternvertretung oder andere Vertrauenspersonen. Es gehe dabei auch darum, Vertrauen wieder aufzubauen und gemeinsam konstruktiv dafür zu sorgen, solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.
Eltern müssten in solchen Fällen allerdings auch für ihr Kind da sein, sich Zeit nehmen, auf möglicherweise erhöhte Bedürfnisse nach Sicherheit und Nähe einzugehen und das Kind genau zu beobachten, so Lamm. Gerade Krippenkinder seien in der Regel noch nicht in der Lage, mit Worten von den Vorfällen zu berichten, aber auch älteren Kindern falle das häufig schwer. Daher müssen Eltern darauf achten, ob sich das Verhalten der Kinder verändere und gegebenenfalls professionelle Hilfe suchen.