16 TB für 28 Euro SSD-Festplatte bei Wish & Co bestellt – Was steckt drin?
Wer beruflich oder privat mit großen Datenmengen umgeht, freut sich immer über günstige Festplatten. Aber Vorsicht: Hinter manchem Angebot steckt dreister Betrug.
Emden - Wer viel am Rechner arbeitet, der kennt das Problem: Irgendwann ist der Speicherplatz zu Ende. Um ältere Dateien oder auch Datensicherungen auszulagern, greifen viele auf mobile Speicher zurück: der USB-Stick für die kleineren Datenmengen oder die mobile Festplatte für größere Sicherungen. Besonders beliebt sind bei letzteren die sogenannten SSD-Festplatten. Doch die sind teuer, deswegen sind Sonderangebote oft beliebt.
Was und warum
Darum geht es: „Ganz viel Speicher für ganz wenig Geld funktioniert nicht“, sagt der Experte.
Vor allem interessant für: diejenigen, die SSD-Festplatten für sich oder andere kaufen wollen und auf besonders günstige Angebote schielen.
Deshalb berichten wir: Harald Bender hat beruflich mit Festplatten zu tun – und hat sich ein „unschlagbares Angebot“ genauer angesehen. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Doch wie so oft gilt auch hier: Manches Angebot ist zu gut um wahr zu sein. Harald Bender aus Emden hat hier mal zugeschlagen – und unserer Redaktion gezeigt, was hinter einer besonders günstigen transportablen SSD-Festplatte steckt.
SSD-Festplatten sind besonders beliebt
Bender ist 59 Jahre alt und beschäftigt sich seit 30 Jahren an der Hochschule Emden/Leer beruflich mit Elektrotechnik und Datenverarbeitung. „Die Platte habe ich mir privat bestellt, aber auch beruflich habe ich regelmäßig mit Festplatten zu tun“, sagt er. Die SSD-Festplatten, SSD steht für „Solid State Drive“, würden als mobile Festplatten immer beliebter, „da sie keine beweglichen Teile haben. Deswegen sind sie unempfindlicher Stößen gegenüber“ als frühere Festplatten, erklärt Bender. Außerdem seien sie deutlich kompakter als die mobilen Festplatten, die man von früher kennt. „Aber sie sind auch teurer“, sagt der Experte.
Bits und Bytes
Die gängigsten Größen mit denen Privatanwender zu tun haben, wenn es um Dateigrößen und Speicherplatz geht:
Megabyte (MB): Gerade Fotos und Musikdateien haben oft eine in MB angegebene Größe. Ein MB entspricht 1024 Kilobytes (KB). 400 Buchseiten Text umfasssen ungefähr einen MB.
Gigabyte (GB): 1024 Megabyte entsprechen einem GB. 250 MP3-Lieder in mittlerer Qualität kommen ungefähr auf einen Gigabyte.
Terrabyte (TB): Große Datenmenge, mehr als 200 Filme zum Beispiel, werden in TB angegeben. Ein TB entspricht 1024 GB.
Ein kleiner Exkurs: Im Internet gibt es Seiten wie „Wish“ oder auch „AliExpress“, auf denen man nahezu alles, vor allem aus dem Bereich Elektronik, zu sehr günstigen Preisen bekommt. Dabei handelt es sich aber an sich immer um nachgemachte Produkte vor allem aus China, die nahezu nie das halten, was die Produktbeschreibung verspricht. Die Ausnahmen zu dieser Regel sind verschwindend gering. „Diese Produkte findet man aber auch immer häufiger zum Beispiel bei Amazon“, sagt Bender – und eine schnelle Suche bei dem großen Online-Versandhändler gibt ihm Recht. Hier werden tragbare SSD-Festplatten auch zum Teil für unter 40 Euro angeboten – für ein oder gar zwei Terrabyte (TB).
1 TB kostet im Schnitt 100 Euro
Das ist deutlich unter den Preisen für Markenprodukte. Eine Festplatte mit einer Speicherkapazität von einem Terrabyte koste aktuell „um die 100 Euro“, sagt Bender. Aber auch Preise für um die 150 Euro seien für einen Terrabyte nicht unüblich. Der Normalverbraucher würde mit einem Terrabyte als Speicher für Musik, Fotos oder Dokumente in der Regel schon sehr weit kommen. Deswegen sei diese Speichergröße besonders beliebt – und hier kommen die „unglaublichen“ Angebote ins Spiel. SSD-Festplatten mit acht TB würden hingegen in der Regel 500 Euro und mehr kosten.
Bender selbst hat testweise bei AliExpress bestellt, 28 Euro für 16 Terrabyte, inklusive Versand. Bei Amazon gibt es ähnliche Angebote für um die 100 Euro – für den sechzehnfachen Speicherplatz einer Marken-Festplatte zum gleichen Preis. „Ich wollte wissen, wie die diese Preise hinbekommen“, sagt er. Als die Festplatte ankam, der erste Test: an den Rechner angeschlossen. Die Festplatte wurde erkannt und auch mit 16 Terrabyte angegeben. „Aber es passten dann nicht einmal zwei Gigabyte an Daten drauf“, sagt Bender. Zum Vergleich: 1 Terrabyte umfasst eigentlich 1.024 Gigabyte (GB).
„Statt SSD gab es nur SD“
Wenn 28 Euro für 16 Terrabyte „zu schön um wahr zu sein“ ist, dann sind 28 Euro für 2 Gigabyte bereits deutlich überteuert. USB-Sticks von namhaften Herstellern mit 32 Gigabyte, also dem sechzehnfachen Speicherplatz, gibt es bereits für fünf bis sieben Euro.
Bender wollte es aber noch genauer wissen, also schraubte er das Festplattengehäuse auf. „Überall, auch auf der Produktverpackung, steht SSD und auch die 16 Terrabyte stehen als Angabe auf der Verpackung“, betont er. Abgesehen vom Preis gebe es also für Laien keinen Anlass, sofort zu zweifeln. Auch das festplatten-Gehäuse aus Aluminium sei auf den ersten Blick hochwertig – im Innern dann allerdings die Überraschung. „Statt SSD gab es nur SD“, sagt Bender. Genauer: eine microSD-Karte, wie man sie beispielsweise als Speicherplatzerweiterung in Smartphones kennt. Markenpreis: 8 Euro. „Aber selbst die Karte war von minderer Qualität“, sagt der Experte. „Aber immerhin mit Schmelzkleber festgemacht“, witzelt Bender.
Vorsicht ist auch bei Amazon geboten
Außer einem schlechten Beispiel ist die angebliche SSD-Festplatte also nicht wirklich zu etwas zu gebrauchen. Das Problem, was Bender sieht: „Diese Mogelpackungen werden auch bei Amazon angeboten.“ Da würden Laien dann schon eher zugreifen als bei Anbietern wie Wish oder AliExpress.
Deswegen rät Bender: Bei Amazon auf die Bewertungen achten. Zwar gebe es auch bei den gefälschten Produkten gefälschte Bewertungen, aber auch echte, die vor diesen Platten warnen. Bei Unsicherheit empfiehlt der Hochschulmitarbeiter dann doch eher den Fachhandel und gibt zu bedenken: „Ganz viel Speicher für ganz wenig Geld funktioniert nicht.“