Steuergeld zurückgefordert Landessportbund verklagt Germania Wiesmoor
Für Dusch- und Umkleidemöglichkeiten hat Germania Wiesmoor 30.000 Euro aus Steuermitteln das Landes bekommen – zu Unrecht? Das muss nun ein Gericht entscheiden.
Wiesmoor/Hannover - Der Landessportbund (LSB) Niedersachsen hat den VfB Germania Wiesmoor verklagt – unseren Recherchen zufolge vor dem Landgericht Aurich. Das niedersächsische Innenministerium in Hannover bestätigt, dass es einen „Rechtsstreit zwischen den Verfahrensbeteiligten LSB und VfB Wiesmoor“ gibt. Es geht dabei um 30.000 Euro, die der Verein 2019 aus Steuergeld erhalten hatte, um Umkleide- und Duschmöglichkeiten auf dem Vereinsgelände zu sanieren. Das Land hat das Geld komplett zurückgefordert, weil es sich um „zu Unrecht gewährte Landesmittel“ gehandelt habe, heißt es aus Hannover.
Das Innenministerium schrieb zuletzt, Germania habe gegen die grundsätzlichen Bestimmungen verstoßen, nach denen die Fördermittel verteilt werden. Zum genauen Verstoß ist beim Land, beim LSB und bei Germania Wiesmoor aber nichts zu erfahren. Alle Beteiligten schweigen weitgehend gegenüber der Redaktion und damit gegenüber der Öffentlichkeit – obwohl es um Steuergeld geht. Das Land verweist auf den LSB, der dafür verantwortlich war, die Steuermittel im Auftrag des Innenministeriums auf verschiedene Sportvereine zu verteilen. Dort heißt es, dass man sich zu dem Gerichtsverfahren nicht äußere. Am Mittwoch wolle man sich noch einmal mit dem Hausjuristen besprechen, allerdings seien die Chancen der Redaktion, Informationen zu bekommen, sehr schlecht, so ein Sprecher am Dienstagmittag.
Wo ist das Geld abgeblieben?
Völlig unklar ist zudem weiterhin, wo das Steuergeld abgeblieben ist. Verein, Land und LSB teilen auf Nachfrage nicht mit, welches Unternehmen etwaige Rechnungen über die Sanierungsarbeiten gestellt hat. Germania-Geschäftsführer war zur Zeit der Fördermittel-Vergabe Christian Rademacher-Jelten, der später in Wiesmoor Bürgermeister werden wollte – obwohl er bereits wegen diverser Finanzdelikte vorbestraft war. Die Staatsanwaltschaft Aurich ermittelt derzeit unter anderem gegen Rademacher-Jelten und gegen für Germania spielende Fußballer wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung im Zusammenhang mit der Wiesmoorer Briefkastenfirma KS Consult GmbH. Zum Firmgeflecht des Unternehmens gehören auch Bauunternehmen – und einer anonymen Quelle zufolge soll Rademacher-Jelten einem von ihnen den Auftrag zugeschanzt haben. Ob das stimmt, ist angesichts des Schweigens aller Beteiligten nicht nachprüfbar.
So sieht das Wiesmoorer Firmengeflecht aus. Zum Vergrößern auf die Grafik klicken. Grafik: Malchus
Fest steht indes, dass Germania das Fördergeld nicht zurückzahlen will. Deshalb muss sich ein Gericht mit dem Fall befassen.
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