Warten auf Gutachten Grundschule Jennelt bezieht wieder Stellung
Im Herbst soll ein Gutachten über die Schulen und Kitas in der Krummhörn vorliegen. In Jennelt befürchtet man weiterhin die Schließung, aber auch andere Standorte kippeln.
Jennelt - Im Herbst soll das Ergebnis der Analyse zu Schulen und Kindergärten in der Krummhörn vorliegen. Nachdem dies jüngst in einem Ausschuss in der Gemeinde durch Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) bekanntgegeben wurde, reagiert nun die Leitung der Grundschule Jennelt in einem ausführlichen Statement.
Was und warum
Darum geht es: Die Firma, die das Schulgutachten für die Krummhörn erstellt, ist in Ostfriesland keine unbekannte – und hat sich auch schon geirrt.
Vor allem interessant für: Eltern aus der Krummhörn
Deshalb berichten wir: Die Grundschule Jennelt hat sich zum aktuellen Stand geäußert. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Die Analyse, die in die Hände einer Fachfirma übergeben wurde, ist das jüngste Kapitel in der Diskussion um die Bildungslandschaft in der Gemeinde Krummhörn. Auch wenn alle Grundschulen und Kitas in den Blick genommen werden sollen, wird sicherlich das Ergebnis in Jennelt besonders erwartet. Denn für die Grundschule geht es um Neubau, Sanierung – oder Schließung.
„Biregio“ erneut beauftragt
Bei der Instandhaltung des Standortes, so viel ist mittlerweile sicher, hat sich über die Jahre ein ziemlicher Sanierungsstau gebildet. Vorwürfe seitens der Schulleitung in Richtung Politik und Verwaltung gab es hier genügend – auch in der aktuellen Stellungnahme. Schulleiterin Jutta Lerche-Schaudinn vermisst nach der Vorstellung des weiteren zeitlichen Fahrplans unter anderem die „inhaltliche Auseinandersetzung über die baulichen Voraussetzungen für eine zukunftsweisende, inklusive Schulkultur“, aber auch weitere Aspekte, die eher sozialer Natur sind.
Dass die Grundschule der Analyse kritisch gegenüber steht, hängt auch mit Erfahrungen aus der Vergangenheit zusammen. Schon 2014 wurde in einem Gutachten empfohlen, zwei Schulen (Greetsiel und Loquard) aufgrund geringer Schülerzahlen zu schließen. Ein Problem, das für beide Schulen weiterhin besteht: Zwar werden für Loquard steigende Zahlen prognostiziert, aber dennoch sind die Grundschulen in Loquard und Greetsiel die kleinsten. Doch auch die Schülerzahlen in Jennelt sollen nach der Vorausberechnung abnehmen. Einzig die Grundschule Pewsum bleibt demnach stabil. Erschwerend kommt hinzu, dass das damalige, über den Landkreis Aurich in Auftrag gegebene Gutachten von der gleichen Firma erstellt wurde, die auch jetzt von der Gemeinde Krummhörn beauftragt wurde: Biregio aus Bonn. Die Meinungen über diese Firma sind gespalten, es gab früher Kritik, aber auch Lob – und die Gutachten können auch falsch liegen. Das zeigte sich beispielsweise bei der Realschule Aurich, die sich erfolgreich entwickelte, vom Gutachten aber totgesagt wurde. Lerche-Schaudinn befürchtet, dass das Gutachten als „ein Alibi für mögliche Schulschließungen“ dienen könnte.
Schule sieht Prognosen kritisch
Dass Schulschließungen nicht mehr pauschal ausgeschlossen werden, liegt auch an der politischen Landschaft in der Krummhörn. Diese hat sich verändert. Sprachen sich 2014 noch alle Parteien für einen Erhalt der Grundschulstandorte aus, wird dies jetzt an sich nur noch von der SPD laut ausgesprochen. Die anderen Ratsparteien halten sich mit definitiven Aussagen zurück. Die Grundschule Jennelt befürchtet zudem, dass die vorausberechneten Schülerzahlen zum Nachteil des Standorts ausgelegt werden. Hier drängen Lerche-Schaudinn und das Kollegium stets darauf, den wachsenden Inklusionsbedarf und eben diesen Schwerpunkt der Jennelter im Blick zu behalten. „Es ist hinlänglich bekannt, dass die Unsicherheit bezüglich der Prognosen umso größer wird, je weiter man in die Zukunft schaut“, so Lerche-Schaudinn. Zuzüge, Wegzüge, Geburtenraten, Zurückstellungen und andere Faktoren haben „uns stets gezeigt, dass es in den letzten Jahren ganz anders gekommen ist, als es heute prognostiziert wird“.
Das gelte auch für den Inklusionsbedarf: „Im kommenden Schuljahr 2022/23 werden in der Grundschule Jennelt 20 Kinder mit einem Unterstützungsbedarf mit den Schwerpunkten ‚Lernen‘, ‚Geistige Entwicklung‘, ‚Emotional-soziale Entwicklung‘, ‚Sprache‘ und ‚Hören‘ beschult. Dazu kommen Kinder, die Sprachförderunterricht und Leseförderung in der ‚Leseinsel‘ erhalten“, so die Schulleiterin.
Gemeinde beschwichtigt
Die Gemeinde Krummhörn möchte derweil noch keinen Teufel an die Wand malen. Auf Nachfrage unserer Zeitung heißt es: „Die Bedarfsanalyse ist ein Prozess, der mit der Auftragsvergabe nicht abgeschlossen ist, sondern erst seinen Anfang genommen hat.“ Aktuell befinde man sich in der Grundlagenermittlung. „Selbstverständlich fließen Anregungen, Bedenken und Wünsche in den Prozess ein“, so die Verwaltung. Diesbezüglich sollen noch Gespräche geführt werden, auch Workshops sind geplant. Dies wurde bereits im Ausschuss so angekündigt.
„Das Thema ,Schule und Bildung‘ ist zu sensibel, als dass wir die Gedanken und Überlegungen der Beteiligten nicht aufnehmen würden. Das ist für uns selbstverständlich“, so der zuständige Fachbereichsleiter Wolfgang Beek. Allerdings betont die Verwaltung auch: „Letztlich wird aber die Politik über die künftige Ausrichtung der Grundschulen entscheiden. Mit der Bedarfsanalyse wird keine verpflichtende Vorlage erarbeitet, sondern eine Handlungsempfehlung für die Gemeinde.“
Fachfirma überprüft bald Krummhörner Schulen und Kitas
Was der Schulträger nicht weiß...
BI demonstriert für Erhalt der Grundschule Jennelt