Schüler- und Azubiticket  Mädchen wieder mal doppelt benachteiligt

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Ein Kommentar von Karin Lüppen
| 27.05.2022 18:11 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Das Angebot an Linienbussen im Landkreis Leer ist ausbaufähig. Foto: Ortgies/Archiv
Das Angebot an Linienbussen im Landkreis Leer ist ausbaufähig. Foto: Ortgies/Archiv
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Der Landkreis Leer will Schülern ein Monatsticket spendieren, Auszubildende sollen selbst zahlen. Wie so oft: Gut gemeint, ist nicht gut gemacht. Ein Kommentar.

Warum sollen Schülerinnen und Schüler bis zum Abitur künftig kostenlos alle Busse im Landkreis Leer benutzen können, aber gleichaltrige Auszubildende nicht? Die Antwort liegt nahe: Es ist einfacher, die Monatsfahrkarten über die Schulen zu verteilen, als an Azubis, die nirgendwo zentral gelistet sind. Also spendiert der Landkreis Leer den Vollzeitschülern das Ticket, auch Oberstufenschülern, die bisher selbst gezahlt haben. Gitta Connemann, CDU-Kreistagsmitglied und Bundestagsabgeordnete, kritisiert das zu Recht, selbst wenn man annehmen darf, dass sie so energisch wird, weil das Ticket eine Initiative der SPD im Land Niedersachsen ist. Es sind ja bald Wahlen.

Mädchen doppelt benachteiligt

Trotzdem: Unser Bildungssystem hat es an sich, Kinder von Eltern in unteren Einkommensklassen zu benachteiligen. Das ist durch Pisa-Studien nachgewiesen. Ihr Anteil an den Abiturienten liegt zwischen zehn und 15 Prozent. Diese Jugendlichen werden eher eine berufliche Ausbildung machen. Zwar möchte die Landesregierung, dass sie ein günstiges Ticket bekommen, aber im Landkreis Leer – wie auch im Kreis Aurich – müssen sie die 30 Euro zahlen.

Zu den am schlechtesten vergüteten Ausbildungen gehören Berufe, die vorwiegend von Mädchen gewählt werden. Wieder mal sind sie doppelt benachteiligt. Dazu kommt: Welche Busse sollen sie nach Feierabend überhaupt benutzen? Abgesehen von den Hauptlinien besteht der Öffentliche Nahverkehr im Landkreis Leer vorrangig aus dem Schülerverkehr. Nachmittags, und erst Recht am Abend, ist tote Hose. Es wäre besser, das Geld in den Ausbau des Angebots zu stecken, als Fahrkarten zu verschenken.

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