Verkehrskontrolle im Rheiderland Geisterradler fallen besonders häufig auf
Auch für Radfahrer gilt das Rechtsfahrgebot. Das wird so oft missachtet wie keine andere Regel. Die einen wollen mehr Bußgelder verhängt sehen, andere sehen die Schuld nicht beim Radler.
Weener/Leer - Auch wenn es englisch anmutet, ist es nicht die feine Art: Wer auf dem linken Radweg fährt, wird zum Geisterradler. Nicht nur für Autos gilt das Rechtsfahrgebot, auch Radfahrer müssen sich daran halten. Sie tun es allerdings nicht immer. Eine Sonderkontrolle von Radfahrern in Weener zeigt deutlich, wie häufig dieser Verstoß ist: Am vergangenen Donnerstag sind von der Polizei 29 Verstöße festgestellt worden – sage und schreibe 22 von ihnen waren Geisterfahrten.
Bei den verschiedenen Kontrollen der Polizei werden alle Verstöße geahndet, tatsächlich ist es aber so, „dass das Fahren auf der falschen Fahrbahnseite besonders häufig auffällt“, sagt Polizeisprecherin Svenia Temmen. Und es ist kein Kavaliersdelikt: „Da dieses Fehlverhalten auch oftmals zu Konflikten im Straßenverkehr führt, legen wir ein entsprechendes Augenmerk darauf“, sagt sie. Das Fahren auf der falschen Seite werde mit einem Verwarngeld von 20 Euro geahndet.
Was und warum
Darum geht es: Radfahrer müssen wie Autofahrer auf der rechten Seite fahren. In Weener ergab eine Kontrolle, dass sich oft nicht daran gehalten wird. Die Gründe sind verschieden.
Vor allem interessant für: Radfahrer und alle anderen Verkehrsteilnehmer
Deshalb berichten wir: Bei Schulen und an bestimmten Straßen fahren viele Leute falsch. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Wenn es an den Geldbeutel geht
„An einigen Stellen beobachte ich sogar, dass mehr Menschen auf der falschen Seite radeln als auf der richtigen“, sagt Harm Meinders, Vorsitzender des Ortsvereins Rheiderland des Fahrradclubs ADFC. Unter anderem der Weg an der Neuschanzer Straße in Bunde sei eine Strecke, auf der es so ist. Es sei gefährlich und müsste am besten häufiger überwacht werden. „Ich denke, dass es Ergebnisse zeigen würde, wenn es an den Geldbeutel geht“, so Meinders.
Damit vertritt er die gleiche Meinung wie viele andere ADFC-Gruppen, die sich immer wieder mit dem Thema Geisterradler beschäftigen und Aktionen starten. „Man gefährdet sich selbst und andere“, so Meinders. Man müsse sich eines ins Gedächtnis rufen: Innerorts gehörten Radfahrer auf die Straße. Im Kreis Leer gebe es nur Gehwege, die aber für den Radverkehr freigegeben seien. Wolle man schneller als Schrittgeschwindigkeit sein, müsse man auf die Fahrbahn wechseln. „Und, wenn man dann noch auf dem linken Weg unterwegs ist, muss man sich einfach doppelt und dreifach versichern, dass Autofahrer einen gesehen haben“, so der ADFC-Vorsitzende.
Wenn der Weg nicht stimmt
In Weener hat die Polizei ihr Augenmerk zuletzt auf Schulwege gelegt. „Besonders in der Nähe von Schulen werden häufig die bequemsten und vermeintlich kürzesten Strecken gefahren, daher kommt es dort häufiger zu derartigen Verstößen. Oftmals werden auch Verkehrskreisel falsch herum befahren“, erklärt Polizeisprecherin Temmen. In Leer gebe es unter anderem häufig Geisterradler an der Papenburger Straße und der Sägemühlenstraße. Das unterstreicht auch der Leeraner Anton Scholtalbers. Er koordiniert unter anderem das jährliche Stadtradeln und ist an vielen Aktionen rund ums Radfahren beteiligt. Er sieht den Grund allerdings nicht im Unwillen vieler Radler: „Die Infrastruktur zwingt einen häufig geradezu zu diesem Fehlverhalten“, sagt er.
Büsche, die auf Radwege wuchern, gefährliche Schlaglöcher oder plötzlich abbrechende Wege seien ein Grund dafür, dass Radfahrer auf der linken Seite unterwegs seien. Auch die Umwege, die Radfahrer nehmen müssen, wenn sie an Kreuzungen den Ampeln folgen wollen, verführten zur Falschfahrt. „Das macht es natürlich nicht richtig, aber viele wägen die Risiken ab“, meint Scholtalbers.
Zum Beispiel bei einer vielbefahrenen Straße wie der Papenburger Straße. „Diese möchte niemand zweimal überqueren, um auf der richtigen Seite zu bleiben, weil der Radweg abbricht“, erklärt er. Wenn Autofahrer abbiegen wollten, setzten sie einen Blinker und der Verkehr hinter ihnen staue sich, so einfach hätten es Radler eben nicht. Außerdem müssten die Wege ohnehin breiter sein und damit wäre Begegnungsverkehr kein Problem.
Wenn der Geisterradler kommt
Die meisten Wege sind allerdings nicht breit genug. So gefährden Geisterradler auch Fußgänger und Radfahrer. Diese sollten nicht auf ihr Recht pochen, rät Polizistin Temmen. „Man sollte auf alle Fälle erst einmal ausweichen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden.“ Merke man, dass das Gegenüber es nicht besser wusste, sollte man höflich versuchen, das aufzuklären. Ist es aber „reine Bequemlichkeit oder Rücksichtslosigkeit“, könne man schauen, ob man die Person öfter dabei sehe und der Polizei einen Hinweis geben. „Generell empfehlen wir, Strecken, auf denen solche Verstöße öfters beobachtet werden, uns zu melden, damit wir dort gezielt Überprüfungen durchführen können“, so Temmen.
2018 wurden im Kreis Leer Hinweisschilder an Unfallschwerpunkten aufgestellt, die Geisterradler zur Umkehr bewegen sollen. Das erste wurde an der Papenburger Straße aufgestellt. „Die Geisterradler gefährden vor allem sich selbst“, sagte Polizeihauptkommissar Günter Jelting, der auch Vorsitzender der Leeraner Unfallkommission ist, bei der Installation des Schildes. Auf Vorschlag der Verkehrswacht Leer hatten der Landkreis, die Polizeiinspektion Leer/Emden und der ADFC die Aktion auf den Weg gebracht.