Budo-Turnier in Oldenburg Wegen Kopftuch – Muslimin aus Ostfriesland flog aus der Wertung
Eine muslimische Budosportlerin aus Nüttermoor sollte bei den German Open nicht mit ihrem Kopftuch antreten. Die 16-Jährige tat es dennoch. Es folgten Applaus in der Halle und 0,0-Wertungen der Kampfrichter.
Oldenburg/Nüttermoor - Weil eine muslimische Budosportlerin aus Ostfriesland bei den German Open in Oldenburg mit einem Kopftuch antrat, wurde ihre Darbietung in der Kategorie Kata (Formen) von den fünf Kampfrichtern jeweils mit 0,0 gewertet. Der gastgebende Verband IBF hatte ihr den Start mit dem Kopftuch verboten. Als sie dennoch antrat, wurde ihre laut Augenzeugenberichten starke Vorführung so gewertet, als wäre sie nicht angetreten.
„Das Ganze hat für Empörung in der Halle gesorgt“, erzählt Sabine Scheve vom Sportverein Ofenerdiek, der am Samstag in Oldenburg als Gastgeber auftrat. Ausrichter war indes der International Budo Federation (IBF), einer von vielen Verbänden im Budosport, in dem einige japanische Kampfkünste vereint sind. Der Bundeshauptkampfrichter verwies in Oldenburg vor Beginn der Wettkämpfe darauf, dass laut IBF-Regelwerk Schmuck, Uhren und eben auch Kopftücher nicht getragen werden dürften. Die Trainer vom Budo Nüttermoor zeigten sich überrascht. Eine 16-jährige Pakistanerin – seit einem halben Jahr im Verein in Nüttermoor – hatte erst vor drei Wochen an einem Wettkampf eines niederländischen Verbandes teilgenommen. Ebenfalls mit Kopftuch. Und nun sollte sie deshalb in Oldenburg nicht starten dürfen?
Entscheidung „sehr unsensibel“
„Ich habe noch versucht zu vermitteln und fand die Entscheidung – auch wenn es die IBF-Regeln sind – sehr unsensibel“, erklärte Sabine Scheve. Vom Verein aus Nüttermoor wollte sich öffentlich niemand äußern. Es würden noch Gespräche mit dem IBF anstehen. Die Aufregung ist bei den Ostfriesen groß, ebenso das Unverständnis über eine Vorgabe, die aus Sicht vieler nicht zeitgemäß sei. IBF-Präsident Friedebert Georg-Niering aus Wesel, der auch vor Ort war, versteht die Aufregung wiederum nicht, wollte sich am Montag auf Nachfrage unserer Zeitung aber nicht weiter äußern.
Die Ostfriesin aus Pakistan zeigte sich wegen der Kopftuch-Regel sehr enttäuscht, es flossen am Samstag sogar Tränen. In ihrer pakistanischen Heimat war dies vor dem Umzug nach Europa kein Problem gewesen, allerdings bei einem anderen Verband.
Erst Applaus, dann Buh-Rufe
In Oldenburg entschied sie sich, trotz der drohenden 0,0-Wertungen im Kata zu starten. Dabei tritt ein Kampfsportler ganz alleine an, hat keinen Gegner. Weil der Kopftuch-Streit in der Halle schon etwas die Runde gemacht hatte, schauten sich viele Interessierte den Auftritt der Ostfriesin an. Sie spendeten am Ende großen Applaus und buhten auch, nachdem – wie angekündigt – die Richter ihre 0,0-Wertungen zeigten.
In einer zweiten Disziplin mit Kampfhandlungen, dem Semi-Kontakt, war die Pakistanerin auch gemeldet. Dort hätte sie mit ihrem Kopftuch starten dürfen, weil die Sportler dort einen Helm tragen. Doch die 16-Jährige hatte ihren Unterleibschutz in der Heimat im Moormerland vergessen, konnte deshalb nicht teilnehmen.
Für Verwunderung sorgt der Umstand, dass der IBF seine eigenen Regeln nicht konsequent umgesetzt hatte. In der im Internet einzusehenden Wettkampfordnung steht unter dem Punkt „Schutzausrüstung/Sicherheitsauflagen“ zwar: „Das Tragen von Tüchern bzw. sonstiger loser Bekleidung ist verboten.“ In der Zeile darüber ist aber auch zu lesen, dass keine Brillen aufgesetzt werden dürfen. Mindestens ein Sportler trug in Oldenburg allerdings seine Sehhilfe und erhielt normale Wertungen der Kampfrichter.