Neue Wohnform fürs Alter „Haus am Weidenweg“ eröffnet erste Senioren-WG in Moormerland
Mehrere Formen der Betreuung unter einem Dach sind in einem Neubau in Veenhusen entstanden. Nach dem Baubeginn in schwieriger Zeit ziehen jetzt die Bewohner ein.
Veenhusen - Die Sonne scheint wie bestellt, die meisten Gäste haben sich auf der Dachterrasse versammelt. Von hier hat man einen schönen Ausblick. Den werden künftig ältere Menschen genießen können, die sich bei der Tagespflege im „Haus am Weidenweg“ anmelden. Es ist nicht das einzige Angebot zur Betreuung von Senioren und demenziell erkrankten Menschen, das es in dem Neubau in Veenhusen gibt.
Was und warum
Darum geht es: In Veenhusen wurde ein neues Gebäude für die ambulante Pflege für Senioren sowie einer Wohngemeinschaft vorgestellt.
Vor allem interessant für: ältere Menschen und deren Angehörige in Moormerland und Umgebung
Deshalb berichten wir: Wir interessierten uns für das neue Modell der Wohngemeinschaft. Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de
Denn neben der Tagespflege bietet die Pflege- und Servicegesellschaft mbH an gleicher Stelle eine ambulante Pflege und Service-Wohnen an. Ganz neu ist eine Senioren- und Demenz-Wohngemeinschaft, die erste in Moormerland, wie Geschäftsführer Christoph Leßnig den Gästen verrät, die sich zu einer kleinen Feierstunde anlässlich der Eröffnung des Neubaus eingefunden haben.
Jedes Zimmer hat ein eigenes Bad
Die Zimmer dieser WG sind jeweils etwa 24 Quadratmeter groß und haben ein eigenes Bad mit WC. Den Bewohnern stehen dazu die 250 Quadratmeter großen Gemeinschaftsräume zur Nutzung offen. Diese dienen der Begegnung mit den anderen Bewohnern. Eine große Küchenzeile mit allen Geräten steht ebenso zur Nutzung wie eine Art Wohnzimmer. „Wir schließen damit eine Lücke im Angebot“, sagt Leßnig.
Nämlich die Lücke zwischen dem selbstständigen Wohnen in der eigenen Wohnung und der stationären Pflege im „Haus am Königsmoor“, zu dem das „Haus am Weidenweg“ gehört. Eine solche WG wäre für sie die „ideale Lebensform im Alter“, bekennt die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann aus Hesel. Früher hätten Senioren nicht viele Wahlmöglichkeiten gehabt, dabei gehöre zur grundgesetzlich geschützten Würde des Menschen, dass er als Hochbetagter noch ebenso selbstbestimmt leben kann wie mit 55, 35 oder fünf Jahren. Noch gibt es im Landkreis Leer nicht viele betreute Senioren-WGs. In Leer baut die Diakonie aktuell eine solche Einrichtung neben der Pauluskirche. Ein Wohnprojekt in Bunde mit drei Bewohnern ist mittlerweile wieder geschlossen.
Baubeginn mit Kritik
Connemann hatte dem „Haus am Weidenweg“ einen Förderbescheid über 35.000 Euro überbracht, mit dem der ambulante Pflegedienst auf Elektromobilität umsteigen konnte. Tatsächlich laufen die Autos der Pflegekräfte sozusagen autark. Denn das „Haus am Weidenweg“ könne mehr als 50 Prozent seines Strombedarfs über Photovoltaik selbst decken, „einen Gasanschluss brauchen wir gar nicht“, sagt Leßnig.
Der geplante Baubeginn fiel in eine schwierige Zeit. Denn genau zu dem Zeitpunkt, als der Bauantrag gestellt wurde, waren in Veenhusen mehrere Großbauten entstanden, die für Unmut in der Bevölkerung sorgten. „Obwohl der Bebauungsplan für dieses Grundstück bereits Jahre zuvor für eine wesentlich größere und mächtigere Bebauung verabschiedet worden war“, so Leßnig. Es wäre somit ein noch größerer Bau rechtlich möglich gewesen. Die anwesenden Nachbarn scheinen die Bedenken, falls sie überhaupt welche hatten, vergessen zu haben. Sie schauen sich beim Rundgang neugierig um.
4,5 Millionen Euro hat die Pflege- und Servicegesellschaft investiert. Die Bauzeit erstreckte sich über 20 Monate. Entworfen wurde der Neubau von Architekt Dirk Terfehr, gebaut von seinem Bruder Gerrit Terfehr vom Bauunternehmen Günther Terfehr aus Rhede.