Neuer Marktplatz für Greetsiel Barrierefreie Promenade statt abschüssiges Kopfsteinpflaster
Fast 900.000 Euro soll die Neugestaltung von Marktplatz und Sielstraße in Greetsiel kosten. Bei der ersten Vorstellung der Pläne gab es viele Anmerkungen.
Greetsiel - Greetsiel ist der touristische Hauptort der Gemeinde Krummhörn. Auch aus diesem Grund kann das Fischerdorf seit einigen Jahren aus einem Fördertopf des Landes Gelder für Sanierungen und Umgestaltungen des Ortskerns bekommen. Nun steht ein neues Projekt an: die Umgestaltung des Marktplatzes sowie der Oberen und Unteren Sielstraße.
Was und warum
Darum geht es: Am Marktplatz Greetsiel müssen voraussichtlich die alten Kastanien gefällt werden.
Vor allem interessant für: Besucher und Einwohner von Greetsiel und der Krummhörn.
Deshalb berichten wir: Am Montag wurden die ersten Pläne zur Neugestaltung des Marktplatzes in Greetsiel vorgestellt. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Was genau bislang geplant ist, wurde am Montagabend in der IGS-Mensa in Pewsum vorgestellt. Dabei betonten sowohl Gemeindeverwaltung als auch Planungsbüro, dass es sich noch nicht um die abschließende Planung handele. Änderungen seien also durchaus noch möglich.
Das Förderprogramm
Die Sanierung des Marktplatzes sowie des oberen und unteren Teils der Sielstraße ist Bestandteil der Städtebauförderung Greetsiel. Durch dieses Förderprogramm wurden laut der Krummhörner Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) bislang neun durch die Verwaltung vorbereitete Projekte in Greetsiel umgesetzt. „Saniert, umgestaltet und hergerichtet wurden in der Zeit die Straßen Herrenhof I und II, Am Leeger, Am Zingel, Zum Neuen Deich, Heuweg und Ostermuhdedeich“ hieß es dazu im April dieses Jahres seitens der Verwaltung auf Nachfrage dieser Zeitung.
Insgesamt seien so schon rund 949.000 Euro nach Greetsiel geflossen, hieß es am Montagabend. Hinzu kommen rund 536.000 Euro, die durch den Fördertopf von Bund und Land in private Vorhaben rund um den Denkmalschutz geflossen seien. Die nun angestrebte Umgestaltung des Marktplatzes und der Sielstraße soll rund 820.000 Euro kosten. Allerdings stamme die Kostenkalkulation aus dem November vergangenen Jahres, mit Steigerungen sei daher zu rechnen. Über die Städtebauförderung würden zwei Drittel der Kosten übernommen.
Die grundsätzliche Idee
Auf einer Fläche von rund 2800 Quadratmetern soll es vor allem um eine visuelle Neugestaltung gehen. Ziel sei es dabei, das machten am Montag Verwaltung und das zuständige Planungsbüro NWP, vertreten durch Gabi Groffmann, aus Oldenburg deutlich, unter anderem die Barrierefreiheit des Bereiches zu erhöhen. So sollen im gesamten Gebiet neue Pflasterklinker verlegt werden. Bislang gebe es vor allem Kopfsteinpflaster, welches mit Rollatoren, Rollstühlen oder auch Kinderwagen nur schwer zu befahren sei. Auch der Zugang zum Wasser soll erleichtert werden, hier sollen auch neue Sitzgelegenheiten geschaffen werden. Im unteren Teil der Sielstraße sollen die bisherigen Fußgängerwege mit Geländer wegfallen und die Bereiche in der Höhe angeglichen werden. Ähnliches soll auch auf dem Marktplatz und im oberen Bereich der Sielstraße geschehen. Hier sollen die „individuell gestalteten“ Bereiche vor den Häusern aber erhalten werden.
Die Pflasterung soll in verschiedenen Farben, vergleichbar beispielsweise mit dem Neuen Weg in Norden, verlegt werden. Dadurch sollen, sowohl auf dem Marktplatz als auch entlang der Sielstraße die Wege deutlicher von den sonstigen Flächen getrennt werden. Neue Bepflanzungen und Sitzmöglichkeiten sollen das Gebiet insgesamt abrunden. Beispiele für mögliche neue Klinkersteine werden aktuell schon in Greetsiel gezeigt. Daran ist auch erkenntlich, dass sowohl durch Art der Verlegung als auch durch die Farbe die unterschiedlichen Bereiche markiert werden können.
Der Zeitplan
Mit den ersten Arbeiten soll schon in diesem Jahr begonnen werden. Dies hänge, so die Verwaltung, auch mit Förderfristen zusammen. Voraussichtlich soll mit den Arbeiten zunächst im oberen Teil der Sielstraße begonnen werden. Zu diesem Teil gab es bei der Vorstellung auch keine nennenswerten Anmerkungen durch die Bevölkerung.
Wann die weiteren Arbeiten beginnen, hänge von verschiedenen Faktoren ab. Ein anwesender Gastronom betonte, dass man bitte nicht während der Saison das Pflaster im Bereich des Marktplatzes aufreißen solle. Dann könne er sich nach den Einbußen durch die Pandemie „auch gleich die Kugel geben“. Der Verwaltung, das betonte die zuständige Fachbereichsleiterin Ina Droll-Dannemann, sei die Problematik bewusst und man sei bemüht, dies in den Planungen entsprechend zu berücksichtigen. „In Greetsiel ist es schwierig, ein gutes Zeitfenster zu finden“, so die Fachbereichsleiterin.
Wohin mit den Fahrrädern?
Dass die Planungen noch nicht in Stein gemeißelt sind, ist insofern von Belang, als dass es am Montagabend durchaus kritische Anmerkungen zu den bisherigen Planungen gab. Diese betrafen vor allem die Themen Fahrräder, Bäume und Müll. Gerade beim Thema Fahrräder zeigte sich, dass die Gemeindeverwaltung, aber auch die Greetsieler, vor einer Grundsatzentscheidung stehen: Wie umgehen mit den Radtouristen beziehungsweise wie umgehen mit den Fahrrädern von Besuchern des Ortes? In einer Möglichkeit, die das Planungsbüros NWP aus Oldenburg vorstellte, sind neue Abstellplätze für Räder vorgesehen: 18 Fahrradhalter für insgesamt 36 Fahrräder könnten hier entlang des Siels im unteren Bereich der Sielstraße entstehen.
„Viel mehr Möglichkeiten gibt es in dem Bereich nicht“, so die Einschätzung des Planungsbüros. Es sei denn, man wolle den gesamten Marktplatz zum Fahrradabstellplatz machen. In den anderen Bereichen der Sielstraße seien die Höhenunterschiede zu groß, auch gebe es Beschränkungen durch die Sielmauer. Die gehört nämlich dem Entwässerungsverband und wird, so Stand jetzt, nicht verändert. Die vorhandenen Bäume sollen dabei, wie auch bei der Planung ohne Fahrradständer, erhalten bleiben. Entscheidet man sich gegen Fahrradständer, soll der Bereich am Siel zu einer Promenade umgestaltet werden, die auch zum Hinsetzen und Verweilen einlädt.
Da die Planungen aber auch eine Verminderung von Barrieren vorsehen – vorhandene Kanten und Einschränkungen auf den Wegen sollen weitestgehend abgeschafft werden – äußerte manch Greetsieler Sorge. Nämlich: Die „Kamikaze-Radfahrer“ würden noch rücksichtsloser fahren. So kam auch die Möglichkeit, den Ortskern zumindest zu bestimmten Zeiten zur Fußgängerzone zu erklären, auf.
Die Zahl der abgestellten Räder war, auch bedingt durch die Corona-Pandemie und den „Urlaub im eigenen Land“, in den vergangenen beiden Jahren zunehmend zum Thema im Küstenort geworden. Teilweise waren so viele Gäste mit dem Rad unterwegs, dass auch die Feuerwehr vor mit Rädern zugestellten Zufahrten warnte. Die Gemeinde will in diesem Jahr noch neue Radboxen außerhalb des Ortskerns aufbauen.
Marktplatz: Was passiert mit Bäumen und Gastronomie?
Deutlich verändern wird sich das Aussehen des Marktplatzes voraussichtlich nicht nur wegen der neuen Pflasterung und der neu gestalteten Uferpromenade mit Sitzmöglichkeiten. Denn: Während die Winterlinde in einem guten Zustand ist, führt an der Fällung der fünf Kastanien direkt am Marktplatz wohl kein Weg vorbei. Dies habe auch mit Verkehrssicherheit zu tun, wie die Gemeindeverwaltung betonte. An der Sielstraße wird zudem die Fällung der nördlichsten Kastanie empfohlen. Diskutiert wurde allerdings, ob man nicht gleich dann alle Kastanien fällt und durch Neupflanzungen ersetzt.
Für die Fällungen soll es Ersatzpflanzungen geben. Wie genau vorgegangen wird, soll aber noch eingehender besprochen werden. Für Neupflanzungen würde das Planungsbüro Winterlinden empfehlen.
Durch die Umgestaltung des Bereichs zwischen Siel und Marktplatz soll eine neue Promenade entstehen. Diese liegt etwas tiefer als der eigentliche Marktplatz und soll durch eine kleine Mauer optisch getrennt werden, ohne den Blick zu verstellen. Auf der Promenade sollen neue Sitzmöglichkeiten entstehen, neben einer Treppe soll eine barrierefreie Rampe den Zugang ermöglichen.
Die Neugestaltung des Marktplatzes wird auch für die Gastronomie Konsequenzen haben, denn: Die bestehenden, vertraglich festgeschriebenen Außenflächen, auf denen die Besucher bewirtet werden können, werden sich verändern. Das Planungsbüro sei dabei bemüht gewesen, die Quadratmeterzahl der Flächen beizubehalten. Wie der Planungsskizze zu entnehmen ist, werden diese Sondernutzungsflächen nach der Neugestaltung aber weniger weit in den eigentlichen Marktplatz hineinreichen. Zusätzlich aufgewertet werden soll vor allem der Marktplatz durch eine neue Beleuchtung, zu der auch beispielsweise Bodenstrahler bei der Winterlinde gehören. Pflanzbeete und neue beziehungsweise aufgearbeitete Sitzmöglichkeiten am Wasser kommen hier sowie an Teilen der Sielstraße hinzu.
Diskussion um Mülleimer
Für Diskussionen sorgten außerdem die Mülleimer. Laut aktueller Planungen sollen die bisherigen Müllsammelbehälter durch einfachere Varianten mit geringerer Höhe ersetzt werden. Dies hat unter anderem den Grund, dass die bisherigen Einwurflöcher für Müll von Kindern nicht erreicht werden können.
Der Vorschlag, der eine Art von Klappeimern mit Fußhebel vorsah, die wiederum in Verschläge eingebaut werden, stieß bei den Anwesenden nicht auf viel Gegenliebe. Die anwesenden Bürgerinnen und Bürger störten sich hier vor allem an der Optik. Versenkte Mülleimer, wie es sie beispielsweise in den Niederlanden gibt und wie am Montagabend vorgeschlagen wurde, seien in Greetsiel aber nicht möglich. Grund sei, dass die Verankerungen der Sielmauer unter der dahinterliegenden Pflasterung verlaufe. Deswegen könne man nicht allzu tief in den Boden graben.
Sowohl bei den Mülleimern als auch beim Thema Fahrräder und Bäume wolle die Verwaltung die Anregungen überprüfen. Ein Wort mitzureden habe hier aber auch der Landkreis. „Wir wollen aber natürlich nicht an der Öffentlichkeit vorbeiplanen“, betonte Hilke Looden.
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