Geschäft mit sich selbst  Wiesmoorer Steuergeld in der Hand eines Kriminellen

| | 04.07.2022 20:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hätten Mai hatten Polizeibeamte die Wiesmoor-Connection hochgenommen. Archivfoto: Noglik
Hätten Mai hatten Polizeibeamte die Wiesmoor-Connection hochgenommen. Archivfoto: Noglik
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Christian Rademacher-Jelten missbrauchte das Vertrauen seines Vereins und schanzte sich selbst einen Bau-Auftrag zu. Was genau er tat, weiß immer noch niemand.

Wiesmoor - Vor ziemlich genau sieben Wochen hat die Redaktion zum ersten Mal öffentlich nach den 60.000 Euro Steuergeld gefragt, die der VfB Germania Wiesmoor von der Stadt Wiesmoor und dem Land Niedersachsen für umfangreiche Sanierungsarbeiten bekommen hatte. Ein Informant aus den Reihen des Vereins hatte uns einen Tipp gegeben: Der Ex-Vereinsgeschäftsführer Christian Rademacher-Jelten habe den Auftrag für die Arbeiten und damit Steuergeld seinem eigenen Unternehmen im Geflecht der Wiesmoor-Connection zugeschustert. Ein drastischer Vorwurf, dem wir nachgehen wollten. „Wo sind in Wiesmoor 60.000 Euro Steuergeld gelandet?“, fragten wir in der Überschrift, „Geschäfte mit sich selbst?“, schrieben wir in einen Zwischentitel. Jetzt wissen wir: Unsere Quelle hatte recht.

Christian Rademacher-Jelten hat ein Geschäft mit sich selbst gemacht. Er hat Steuergeld, das seinem Verein zustand, genommen und es nach seinem Belieben verteilt. In einem „offiziellen Statement“ schreibt der Vorstand von Germania Wiesmoor jetzt, man habe festgestellt, „dass der ehemalige Geschäftsführer, welcher die Baumaßnahme hauptverantwortlich über die Firma Dr. Rademacher/Jelten & Sinning GmbH aus Wiesmoor abwickelte, in dieser Sache teilweise fehlerhaft gehandelt hat“. Und Wiesmoors Bürgermeister Sven Lübbers sagt: „Dieses In-sich-Geschäft ist aus unserer Sicht ganz klar zu beanstanden“. In einer Pressemitteilung schreibt er außerdem, dass es „zum Teil nicht nachvollziehbare Rechnungsstellungen bei der Umsetzung der Maßnahme“ gegeben habe.

„Kommen nicht an die Unterlagen“

Das alles teilen Germania und der Bürgermeister jetzt, sieben Wochen nach unseren ersten Anfragen, mit. Zuvor hatten sich Verein, Rathaus, niedersächsisches Innenministerium und Landessportbund wochenlang geweigert, der Öffentlichkeit das Unternehmen zu nennen, das die Baumaßnahmen abgewickelt hat. Stattdessen schrieb Lübbers am 19. Mai auf Facebook, dass wir in einem unserer Berichte „leider fälschlicherweise und sinnentstellend“ abgeleitet hätten, „dass der VfB den gewährten Zuschuss wohl wird behalten können“. Lübbers: „Dieses ist so nicht zutreffend! Nach wie vor handelt es sich für die Stadtverwaltung um ein schwebendes Verfahren.“ Das Verfahren ist jetzt abgeschlossen. Germania darf die 30.000 Euro komplett behalten. Der Sportbund wiederum hatte sich das Geld des Landes in einem Gerichtsverfahren zurückgeholt.

Die Stadtverwaltung ist davon überzeugt, dass das Steuergeld tatsächlich für den Bau ausgegeben wurde – was die Redaktion auch nie in Abrede gestellt hat. Die Umkleiden und die Duschen sind saniert worden, einer fachlichen Bewertung im Auftrag der Stadt zufolge auch im Wert der zur Verfügung gestellten Steuermittel. Unter anderem deshalb hat der nicht öffentlich tagende Verwaltungsausschuss der Stadt beschlossen, dass der Verein das Geld behalten darf. Die Frage danach, wo genau es abgeblieben ist, bleibt trotzdem ungeklärt. Wir wollten mit Focko Schoon, dem aktuellen Germania-Vorsitzenden, darüber sprechen – doch er beendete das Telefonat sofort und wünschte einen „Schönen Abend“. Der „Nordwest-Zeitung“ (NWZ) stand der Vereinsfunktionär allerdings Rede und Antwort.

Mit Bezug auf ein Gespräch mit Schoon schreibt die NWZ: „Fakt ist: Angebote, Rechnungen und Belege von Firmen, die die Duschen und Umkleiden beim VfB Germania Wiesmoor saniert haben, fehlen.“ Gegenüber der Zeitung habe Schoon gesagt: „Wir wollen nichts unter den Tisch kehren. Wir kommen aber einfach nicht an die Unterlagen ran.“ Rademacher-Jelten habe die Baumaßnahme als Bauherr geleitet und über die Dr. Rademacher/Jelten & Sinning GmbH als Generalunternehmer abgewickelt. CRJ, wie er in Wiesmoor genannt wird, sei eingesprungen, weil ein anderes Unternehmen aus der Region abgesprungen sei. Einen ausreichenden Verwendungsnachweis darüber hat CRJ allerdings nicht vorgelegt – obwohl das die Sport-Förderrichtlinie der Stadt eindeutig vorsieht.

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