Rotlichtmilieu  Hells-Angels-Bordell der Wiesmoor-Connection soll wieder öffnen

| | 14.07.2022 17:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das „Eros 69“ soll wieder öffnen, fordert eine Person, die den Hells Angels nahesteht. Symbolfoto: Arnold/DPA
Das „Eros 69“ soll wieder öffnen, fordert eine Person, die den Hells Angels nahesteht. Symbolfoto: Arnold/DPA
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Das „Eros 69“ steht in Verbindung zu den Hells Angels, gehört aber zur Wiesmoor-Connection. Neue Details werfen die Frage auf: Öffnet das Bordell bald wieder?

Bremen/Wiesmoor - Das Bremer Bordell „Eros 69“ der Wiesmoor-Connection könnte bald wieder öffnen. Der Bremer Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa liegt ein entsprechender Antrag zur Betriebserlaubnis vor. Das hat Pressesprecher Christoph Sonnenberg der Redaktion auf Nachfrage bestätigt. Die Behörden hatten das Bordell im April 2021 schließen lassen – weil sie der Überzeugung waren, dass in Wahrheit der Delmenhorster Hells-Angels-Boss Andree P. das Unternehmen führte. Damals waren auf dem Papier die Frau und eine Schwester des Mannes Geschäftsführerinnen und Gesellschafterinnen – aber einer speziellen Ermittlungsgruppe zufolge eben nur dort.

Im Sommer 2021 wurde die Joy Company dann in die Wiesmoor-Connection integriert, mit Wiesmoorer Fußballern und einem unter anderem wegen eines Gewaltdelikts vorbestraften Unternehmer aus Schleswig-Holstein in der offiziellen Führungsriege. Der Anwalt des Unternehmens betonte zwar, dass die Rocker spätestens jetzt nichts mehr mit dem Bordell zu tun hätten, doch aus Gerichtsunterlagen geht etwas anderes hervor. Alle Bestrebungen, das Bordell wieder aus der Versenkung zu holen, sind seit der vermeintlichen Übernahme gescheitert, auch vor Gericht. Nun gibt es den besagten neuen Antrag – doch der stammt nicht etwa aus dem Wiesmoorer Geflecht oder von der Joy Company, sondern nun wieder aus der Nähe der in Bremen verbotenen Hells Angels.

Streit zwischen den Behörden

Sonnenberg bestätigt zwar, dass es den Antrag gebe. „Aus datenschutzrechtlichen Gründen“ könne er aber keine Angaben dazu machen, „wer der/die Antragsteller:in ist“. Grundsätzlich seien wegen des „laufenden Verfahrens“ keine weitere Auskünfte möglich. Der Pressesprecher beantwortet nicht einmal die allgemeine Frage, ob der Antrag von einer Einzelperson oder einem Unternehmen gestellt worden ist. Sicher ist behördeninternen Informationen zufolge aber, dass er aus der Nähe von Andree P. und den Delmenhorster Hells Angels stammt. Liegt damit nicht auf der Hand, dass die Bremer Wirtschaftsbehörden den Antrag ablehnen müssen? Nicht unbedingt.

In der Debatte um das Bordell hatte es große Auseinandersetzungen zwischen dem Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) und der Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) gegeben. Mäurer hatte schon früh davon gesprochen, dass die Geschäftsführerinnen der Joy Company lediglich Strohfrauen der Hells Angels seien und Vogts Ressort wiederholt zum Handeln aufgerufen. Dort hatte man permanent abgewunken. Man bewege sich juristisch auf zu dünnem Eis, hatte es von Verantwortlichen der Senatorin geheißen. Erst nach großem öffentlichen Druck und der Einrichtung einer Task-Force wurde das „Eros 69“ am Ende geschlossen.

Die aktuellste Frage dürfte also sein: Wie defensiv wird sich die Wirtschaftsbehörde diesmal verhalten? Unseren Informationen zufolge gibt es erhebliche Zweifel an der gewerberechtlichen Zuverlässigkeit der Person, die den aktuellen Antrag zur Wiedereröffnung gestellt hat. Zu groß sei der Einfluss, den Andree P. auf sie ausübe. Aus dem Wirtschaftsressort heißt es auf die Nachfrage nach den Erfolgsaussichten: Der Antrag werde „einschließlich der Abfrage der zu beteiligenden Behörden, derzeit bearbeitet“. Am Oberverwaltungsgericht ist derzeit übrigens noch ein älteres Eilverfahren der Joy Company anhängig, in dem es auch um eine Wiedereröffnung geht. In der unteren Instanz hatte die Wiesmoor-Connection verloren. Es könnte noch in dieser Woche eine Entscheidung fallen.

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