Was Sie heute wissen müssen Kaffeeröster Baum schließt Cafés | Emder Luxus-Wohnungen bald fertig | Schlafen in der Ankerboje

Eine Kolumne von Joachim Braun
 | 15.07.2022 06:26 Uhr  | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
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Das Wichtigste aus der Region, jeden Morgen um 6.26 Uhr zusammengefasst von der Chefredaktion der Ostfriesen-Zeitung.

Die Kaffeerösterei Baum war jahrelang so etwas wie ein ostfriesisches Vorzeigeunternehmen. Ausgerechnet auf Kaffee spezialisierte sich das sympathische ehemalige Start-up im Land der Teetrinker. Und es schien immer nur bergauf zu gehen. Zwei Cafés in Leer, eins in Emden, ein umfangreiches Kaffee-Sortiment, das über viele Supermärkte der Region vertrieben wurde. Seit gestern ist alles anders: Zwei Cafés werden geschlossen, darunter auch das gerade eröffnete in Emden. Das Unternehmen sei nicht gefährdet, sagte Mit-Gründer Andreas Baum, aber durch Corona und Ukraine-Krieg seien die Preise gestiegen und außerdem habe man Personalnot. „Aufgrund der Situation haben wir beschlossen, im Rahmen eines Strategiewechsels unser Unternehmen zu konsolidieren“ , sagt Baums Partner Ralph Hartmann in typischem Managersprech im Gespräch mit Nikola Nording. Zu deutsch: Uns laufen die Kosten davon. Hoffen wir, dass das Unternehmen nicht untergeht. Der Kaffee ist nämlich hervorragend.

Wirklich existenzielle Probleme haben die Landwirte in den Niederlanden. Nach Jahrzehnten, in denen sie ökologisch völlig über die Stränge geschlagen, aber wirtschaftlich extrem erfolgreich waren, holt sie der völlig überhöhte Stickstoff-Verbrauch nun ein. Hält sich das Nachbarland an die Vorgaben, dann muss laut Regierung jeder dritte Viehhalter dicht machen. Tragisch, denn jahrzehntelang war das schneller, weiter, höher offizielle Regierungspolitik. Die Proteste sind heftig, und nun solidarisieren sich auch unsere Landwirte mit den Kollegen jenseits der Grenze. „Man muss sich vorstellen, was das für die Landwirte bedeutet. Es ist, als ob man einfach Haus und Arbeit entrissen bekommt. Ob man von dem Verkauf ausgesorgt hat, bezweifle ich. Dann steht man vor dem Nichts“, sagt Bauer Gerhard Berends aus Wymeer. Er ist solidarisch mit den Berufskollegen. Nicht ohne Grund, denn auch bei uns stehen die Landwirte wegen steigender Umweltauflagen unter Druck. Vera Vogt berichtet.

Wohnen ist in Frankfurt extrem teuer. Aber es gibt genügend Menschen, die jeden Preis zahlen können. Exklusive Appartements in Hochhäusern zum Beispiel kosten 25.000 Euro pro Quadratmeter und mehr und sind schon vor Baubeginn vergeben. Dagegen sind die neuen Luxuswohnungen in Emden regelrechte Schnäppchen. Die ersten beiden Wohnungen im Zollspeicher, künftig „Speicher 60“, sind fertiggestellt, 16 weitere folgen im August, weshalb Gordon Päschel bei Investor Paul Stein nachfragte. Die größte Wohnung mit 250 Quadratmeter kostet rund eine Million Euro, macht also bis zu 4000 Euro je Quadratmeter. Inzwischen würde Stein angesichts der Kostensteigerungen einen Tausender mehr verlangen. Was auf der Baustelle am Neuen Delft sonst noch alles passiert, lesen Sie hier .

So viel Unterstützung der Kommune, wie sie Paul Stein bekam, hätte sich der Emder Investor, der den „Wohnpark“ in Ihlow plant, sicherlich gewünscht. Sogar eine Bürgerinitiative gründete sich gegen das 4,6-Hektar-Projekt. Am Mittwoch haute der Bauausschuss des Gemeinderats die Bremse rein und stimmte gegen die Einleitung eines Bebauungsplan-Verfahrens. „Wir brauchen Baugebiete, aber nicht um jeden Preis“ , sagte Julian Jetses von der SPD. Ein „Nein“ für die Pläne des Investors gab es von ihm trotzdem. „Es sind einfach noch zu viele Fragen offen.“ Wie es jetzt weiter geht, ist unklar. Denn dass Ihlow Wohnungen braucht, ist auch bei den Gemeinderäten unstrittig. Nicole Böning berichtet.

Um eine Baugenehmigung, nein, falsch, eine Betriebserlaubnis - geht es auch in der neuesten Folge der „Hells-Angels-Wiesmoor-Connection“. Es geht um das Bordell „Eros 69“ in Bremen, das der „Joy Company“ gehört, einem der vielen Unternehmen, die der in U-Haft sitzende Christian Rademacher-Jelten in Wiesmoor angesiedelt hatte. Das seinerzeit von den Hells Angels betriebene Etablissement war deshalb im April 2021 geschlossen worden, jetzt versucht offenbar ein neuer Betreiber, die Wiedereröffnung durchzusetzen. Wie Daniel Noglik recherchiert hat, stammt auch er aus dem Umfeld der kriminellen Rocker-Gang. Auch die „Joy Company“, die unter anderem von Germania-Fußballern geführt wurde, hat noch ein Gerichtsverfahren anhängig.

Wer Kuhmilch nicht verträgt, für den ist Ziegenmilch eine gute, wenn auch etwas teurere Alternative. Darauf setzen auch Christina und Klaas Froschauer, die sich mit der Ziegenmanufaktur Ostfriesland in Akelsbarg einen Lebenstraum erfüllten. Per Crowdfunding suchten sie vor drei Jahren Investoren und sammelten auf diese Weise 35.000 Euro Startkapital ein. Inzwischen sind sie gestartet und produzieren etwa 100 Gläser Frischkäse und 70 Flaschen Trinkjoghurt sowie Ziegenmilch am Tag. Weichkäse wie Camembert und Feta sollen in Zukunft auf jeden Fall zum Sortiment hinzukommen. Die Milch stammt von derzeit elf Ziegen der Rasse Anglo-Nubier. Jens Schönig hat die Jung-Unternehmer auf ihrem Hof besucht.

Gerne wird ja über Politiker geklagt. Wie hart der Job als Bundestagsabgeordneter ist, zeigte sich bei der letzten Parlamentssitzung vor der Sommerpause. Die dauerte nämlich bis 1:58 Uhr. Und wo waren die ostfriesischen Abgeordneten, wollte Nikola Nording wissen. Sie sei geblieben „bis zum bitteren Ende“, wie Gitta Connemann (CDU, Hesel) auf Anfrage schreibt. Und auch für Anja Troff-Schaffarzyk (SPD, Hollen) galt: „Pflicht ist Pflicht.“ Aber sind solche 16-Stunden-Sitzungen überhaupt sinnvoll? Die Antwort lesen Sie hier.

Ostfrieslands Tourismusmanager sind ziemlich findig, wenn es darum geht, den Urlaubsgästen außergewöhnliche Orte zum Übernachten zu bieten. Da gibt es Schlaf-Strandkörbe, Tiny Houses und - jetzt ganz neu - auch eine ehemalige Ankerboje. Nach 120 Jahren auf dem Meeresgrund vor der norwegischen Küste wurde sie jetzt als exklusiver Schlafraum hergerichtet und wartet in Harlesiel auf Gäste. 3,20 auf 1,85 Meter groß ist das Innere des Stahlkolosses. Platz genug für zwei. Und die Nachfrage ist groß, wie Susanne Ullrich berichtet.

Was heute wichtig wird:

  • Es sollte ein Weg entstehen zwischen Norderstraße und Wörde,damit die Altstadt hin zum Wasser geöffnet werden. Dieser Plan ist alt und bei einer Ideen-Werkstatt von Bürgern entstanden. Jetzt ist er leider geplatzt. Katja Mielcarek berichtet.
  • Trotz Fördergeld kann die Stadt Weener den Bau des Dorfgemeinschaftshauses in Kirchborgum nicht finanzieren. Nun gibt’s Fördergeld für die Grundräumung des Hafens, und deshalb hat die Stadt Geld übrig. Tatjana Gettkowksi berichtet.
  • Brigitte Junge, seit 31 Jahren Leiterin und Formgeberin für das Historische Museum in Aurich, geht in den Ruhestand. Was hat sie beflügelt und geleistet, fragt Gabi Boschbach? Wie sieht ein Museum der Zukunft aus? Und warum bringen ihr die Ziffern 3, 6 und 9 Glück?
  • Auf seinem Grundstück nahe dem Gewerbegebiet Ilexstraße in Wiesmoor will Andreas Wermerßen mit einfachen Mitteln ein energieautarkes Ökohaus bauen. Und warum? Um den Leuten zu zeigen, dass es funktioniert. Jens Schönig hat mit ihm gesprochen.
  • Das Café Baum schließt nach nur knapp drei Monaten in der aufwendig renovierten Haifischbar in Emden schon wieder. Mona Hanssen hat bei der Stadt nachgehakt, was das für die Entwicklung der Innenstadt und der Straße Am Delft bedeutet.
  • Michael Thürnau ist das Gesicht der NDR-Bingo-Umweltlotterie. Am Samstag führt ihn eine Jubiläumstour nach Emden, tags darauf ist eine Emderin bei ihm in der TV-Sendung und spielt um 24.000 Euro, wie Gordon Päschel erfahren hat.