Nachwuchs in der Politik SPD in Hinte setzt auf ihre Jugendabteilung
Seit fünf Monaten gibt es eine Juso-Gruppe in Hinte. Was aber machen die Genossen und wie sieht es mit weiteren Partei-Jugendorganisationen in der Gegend aus?
Hinte - Für Mathis Schneider war früh klar, dass er sich politisch engagieren will. Sein Vater ist bis heute in der SPD aktiv und so trat er selbst schon mit 14 Jahren der Partei bei. Heute ist er 31 und Vorsitzender der im Februar gegründeten Juso-Gruppe (Jungsozialisten) in der Gemeinde Hinte. Was treibt ihn an? Was haben die Jusos vor und wie ist es um weitere politische Jugendorganisationen in der Gegend bestellt?
Was und warum
Darum geht es: Am Beispiel der SPD beleuchten wir eine politische Jugendorganisation, stellen ihren Vorsitzenden, ihre Motivation und die Bedeutung dieser Gruppen dar.
Vor allem interessant für: politisch interessierte Leser
Deshalb berichten wir: Im Februar gab die Partei die Gründung der Jusos Hinte bekannt. Wir wollten wissen, wie sich die Gruppe inzwischen entwickelt hat. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Schneider, der gebürtig aus Groß Midlum stammt, zählt heute etwa 13 Mitglieder, von denen sechs aktiv seien. Für dieses Jahr habe man sich zusammen mit dem Kinder- und Jugendparlament das Projekt Jugendplatz auf die Fahne geschrieben, woraus nun aber wegen ausbleibender Förderung nichts mehr wird – zumindest vorerst. Stattdessen haben die Junggenossen nun eine Frage-Antwort-Runde zu den im Oktober anstehenden Landtagswahlen im Blick, mit denen die Gruppe öffentlich in Erscheinung treten will, kündigt er an.
Suche nach „jungen“ Themen
Einen Termin gebe es noch nicht, aber geplant sei, dass sich die Besucher mit seinen Parteigenossen Matthias Arends (Landtagsabgeordneter aus Emden) und Johann Saathoff (Bundestagsabgeordneter aus Pewsum) unterhalten können. Man wolle damit gerade ein jüngeres Publikum ansprechen und es dazu animieren, Fragen zu stellen, was sie sich ansonsten vielleicht nicht trauten. Als Veranstaltungsort hoffe man auf die Aula der IGS in Hinte.
An der Politik mag der Juso-Vorsitzende, dass man selbst was bewegen könne, erklärt er. Auch wenn es nur auf kommunaler Ebene sei. „Das fasziniert mich.“ Man sei auf der Suche nach Themen, mit denen man die junge Generation anspreche – wie zum Beispiel den Jugendplatz. Dabei versuche man, gerade auch über die sozialen Medien den Kontakt zur Bevölkerung zu suchen.
Frühe Beteiligung ist wichtig
Erik Heeren ist der Vorsitzende des Gemeindeverbands Hinte. Er betont auf Nachfrage, wie „enorm wichtig“ es sei, junge Leute zur politischen Arbeit zu motivieren. Die Zeiten, in denen es bei Wahlen 20 bis 25 Kandidaten für die Listenplätze gegeben habe, seien vorbei. Zuletzt habe es noch 15 Bewerber für 11 Plätze gegeben. Da dürfe dann auch fast keiner mehr von abspringen, macht der Jugendpfleger deutlich. Insgesamt habe der Gemeindeverband etwa 180 bis 200 Mitglieder.
Er weiß jedoch auch, dass junge Leute schnell das Interesse an der Politik verlieren, wenn sie nicht schnell aktiv beteiligt werden. Heeren erinnert sich daran, wie er selbst mit 16 Jahren der Partei beitrat. „Damals war es ein Kampf, als Jüngerer etwas durchzusetzen.“ Das wolle man ändern. So habe auch Schneider beispielsweise Ratsmitglied werden wollen, aber keinen Listenplatz mehr bekommen. Heeren habe dann nicht lange gezögert, ihn und noch ein paar weitere zusammengetrommelt und ihnen angeboten, eine Juso-Gruppe zu etablieren. „Jugendarbeit ganz frei und ohne Druck – das ist wichtig“, findet der heute 46-Jährige.
Krummhörner wollen sich neu aufstellen
Auch früher war es jedoch nicht immer einfach, die Jugend für die Partei zu begeistern. Das weiß Sascha Ukena, Leiter des SPD-Gemeindeverbands in der Nachbargemeinde Krummhörn. „Nach meinen Recherchen gab es in der Zeit von 1968 bis 1979 die Juso Krummhörn-Hinte. Aufgrund mangelnder Beteiligung wurde im Jahre 1979 die Juso beendet“, schreibt er uns. Der Altersdurchschnitt der Parteimitglieder in der Krummhörn liege nun bei etwa 63 Jahren.
„Aktuell beschäftigt sich der SPD-Gemeindeverband gemeinsam mit den Ortsvereinen in mehreren Arbeitsgruppen mit der strukturellen und inhaltlichen Neuausrichtung der Partei in der Krummhörn“, erklärt Ukena weiter. „Die Nähe zu den Bürgern, die Nachwuchsarbeit und die Frauenförderung sind nur einige Themen in den Arbeitsgruppen. Vom Zeitplan haben wir uns [für] Ende dieses Jahres beziehungsweise Anfang des nächsten Jahres das Ziel gesetzt, ein entsprechendes Entwicklungskonzept aus den Ergebnissen der Arbeitsgruppen zu erarbeiten.“ Er erinnert zudem an den Vorstoß der SPD, ein eigenes Kinder- und Jugendparlament in der Krummhörn zu gründen.
So sieht es bei anderen Parteien aus
Während es in der Krummhörn keine Juso-Gruppe mehr gibt, existieren solche Organisationen in den SPD-Unterbezirken Aurich und Emden sowie im Kreisverband Leer. „In einigen Gemeinden existieren ebenfalls Juso-Arbeitsgemeinschaften“, teilt Olaf Abdinghoff-Feldkemper mit, Geschäftsführer des SPD-Bezirks Weser-Ems.
Von der CDU heißt es, dass ihre Junge Union unter anderem auch im Landkreis Aurich vertreten ist, teilt ihr Bezirksgeschäftsführer Ralf Jurczyk mit. Karl-Heinz Altmann vom Vorstand des Grünen-Kreisverbands Aurich-Norden sagt, dass die Grüne Jugend in Aurich 13 Mitglieder zähle, die „sehr aktiv“ seien. Darüber hinaus gebe es weitere einzelne Mitglieder, die über das Verbandsgebiet verteilt seien. Jörg Erlautzki und Blanka Seelgen vom Kreisverband Aurich von Die Linke weisen auf ihre Linksjugend Solid hin, die derzeit zehn Mitglieder zähle.