Suche nach Helfern  Angebote für Jugendliche brauchen Unterstützung

| | 22.07.2022 15:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Stephanie Kruse (rechts) und Heidrun Heil am Hochbeet des Kids-Cafés in Pewsum. Die beiden suchen noch Unterstützung, um das Angebot aufrechterhalten zu können. Foto: Hock
Stephanie Kruse (rechts) und Heidrun Heil am Hochbeet des Kids-Cafés in Pewsum. Die beiden suchen noch Unterstützung, um das Angebot aufrechterhalten zu können. Foto: Hock
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Zwei Angebote für Jugendliche in der Krummhörn suchen dringend neue ehrenamtliche Helfer. In einem Fall gibt es sogar einen kleinen finanziellen Anreiz.

Pewsum/Visquard - Immer mittwochs, zumindest während der Schulzeit, findet das Kids-Café im Gemeindehaus der ev.-luth. Kirche in Pewsum in der Krummhörn statt. Das soll auch so bleiben – doch dafür werden dringend ehrenamtliche Helfer gebraucht.

Was und warum

Darum geht es: Das Kids-Café in Pewsum und die „Arche Visquard“ suchen noch ehrenamtliche Helfer für ihre Angebote.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen

Deshalb berichten wir: Wir waren auf die Gesuche der beiden Angebote aufmerksam geworden und haben nachgefragt.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Auch ein paar Kilometer weiter steht die „Arche Visquard“ vor ähnlichen Problemen.

Was ist das Kids-Café in Pewsum?

Das Kids-Café ist ein Angebot der ev.-luth. Kirchengemeinde Pewsum-Woquard, welches sich an Kinder im Grundschulalter richtet. Während der Schulzeit gibt es immer mittwochs, von 13 bis 16 Uhr ein Angebot für angemeldete Kinder. „Und auch immer ein ordentliches und gesundes Mittagessen“, betont Stephanie Kruse, Sozialpädagogin und Leiterin des Angebots. „Das Essen ist, neben Hausaufgabenbetreuung und Projekten oder Bastelnachmittagen, mit der wichtigste Pfeiler“, so die 47-Jährige. Das Angebot ist kostenlos, kann aber nur nach Anmeldung besucht werden. Getragen wird das Kids-Café durch Mittel der Kirche, der Gemeinde Krummhörn und des Landkreises Aurich.

Das Kids-Café gibt es seit 2011, anfangs wurden 40 Kinder jede Woche betreut, später wurde die Gruppengröße auf 25 begrenzt. Als es nach der Corona-Zwangspause erstmals wieder weitergehen konnte, startete das Angebot mit acht Kindern, aktuell sind es 15. „Aber die Warteliste ist lang“, so Kruse.

Wo liegt das Problem in Pewsum?

Doch eine Vergrößerung der Gruppe steht aktuell gar nicht zur Debatte. Denn es fehlen die ehrenamtlichen Helfer. „Bis vor Kurzem hatten wir noch Unterstützung durch zwei Studentinnen der Hochschule aus Emden“, sagt Heidrun Heil, 65 Jahre alt und eine von zwei verbliebenen, ehrenamtlichen Helferinnen. „Eine Konfirmandin unterstützt uns noch, wenn sie Zeit hat“, sagt Kruse. Aber das reiche auf lange Sicht nicht. „Gerade für die Küche bräuchten wir noch Unterstützung“, so Heil. Aber auch Unterstützung für die Hausaufgabenbetreuung oder für Projekte sei immer willkommen.

Das Kids-Café in Pewsum

Wer Interesse hat, das Kids-Café in Pewsum zu unterstützen, kann sich an Stephanie Kruse wenden. Die Leiterin des Angebots ist per E-Mail an kidscafe@kirche-pewsum.de oder unter der Telefonnummer 0151/12796017 zu erreichen.

Kruse schwebt dabei eine Art Pool-Lösung vor. Also eine Gruppe von Helfern, die sich beim Unterstützen auch abwechseln können oder nur zwischendurch mal an Nachmittagen helfen. „Die Kinder sollen auch selbst mitmachen, wo es geht“, so die Sozialpädagogin. Denn durch das Freizeitangebot sollen die Kinder nicht nur eine gewisse Selbstständigkeit erlernen, sondern auch mit- und voneinander lernen. In der Gruppe, die allen Kindern offensteht, gebe es Kinder mit ganz unterschiedlichen Hintergründen.

Warum in den letzten zwei Jahren ehrenamtliche Helfer aufgehört haben, habe verschiedene Gründe, so die Leiterin. Die Belastungen durch die Pandemie, die neuen Auflagen, aber auch Altersgründe hätten eine Rolle gespielt. „Optimal für das Kids-Café wären drei weitere Helferinnen oder Helfer“, sagt Kruse.

Was wird in Visquard angeboten?

Ein paar Orte weiter und einmal die Kirche gewechselt, gibt es die „Arche Visquard“, ein Angebot der ev.-ref. Kirche, das auch eine staatlich anerkannte Stätte der Jugendhilfe ist. Unterstützt wird das Angebot von der Gemeinde, einem Förderkreis, dem Landkreis Aurich und der Kirche. Was Stephanie Kruse für das Kids-Café, ist der Sozialarbeiter Malte Mand für die Arche. Das Angebot richtet sich vor allem an Kinder aus den Kirchengemeinden Visquard und Groothusen, steht aber grundsätzlich allen offen.

Malte Mand leitet die "Arche Visquard". Auch er sucht noch Unterstützung für das Angebot. Foto: Hock
Malte Mand leitet die "Arche Visquard". Auch er sucht noch Unterstützung für das Angebot. Foto: Hock

Die Ansprüche an das Angebot sind ähnlich wie in Pewsum. Auch bei der Arche sollen die Kinder in ihrer Selbstständigkeit gestärkt werden, ihre Stärken entdecken, Umgang mit anderen Kindern ganz unterschiedlicher Hintergründe und natürlich auch Spaß haben. In Visquard gibt es während der Schulzeit immer donnerstags von 15 bis 18 Uhr ein betreutes Nachmittagsangebot inklusive Essen. Eine Tanzgruppe gibt es ebenfalls. Jedoch richtet sich die Arche nicht nur an Kinder im Grundschulalter, sondern auch darüber hinaus. Und es gibt auch erste Angebote für Erwachsene, speziell für Senioren.

Welche Probleme gibt es in Visquard?

„Auch wir suchen gerade Ehrenamtliche“, sagt Mand im Gespräch mit dieser Zeitung. Auch er würde sich gerne einen größeren Pool an Helfern aufbauen. Anders als in Pewsum versucht Mand es aber mit weiteren Anreizen. „Wir bieten eine Art Aufwandsentschädigung an“, sagt er. Diese könne grundsätzlich an Helfer ab einem Alter von 14 Jahren ausgezahlt werden, wird aber mit zunehmendem Alter höher. Maximal sind 40 Euro pro Nachmittag möglich, also rund 160 Euro im Monat. Während sich in Pewsum die Ehrenamtlichen eher aus Altersgründen verabschiedet haben, hat Mand etwas anderes beobachtet: „Viele, gerade Mütter, haben noch Jobs angenommen, um die steigenden Lebenshaltungskosten abzufangen.“

Auch vor diesem Hintergrund erhofft sich Mand, mit der Aufwandsentschädigung einen zusätzlichen Anreiz zu schaffen. Zum Glück sei es „gar nicht so schwierig“ gewesen, für diese Aufwandsentschädigung Geld zu finden. Mit der Suche will Mand aber nicht nur die bestehenden Angebote sichern. „Wir wachsen tatsächlich gerade“, sagt er. Neue Angebote und ein größeres Einzugsgebiet hält die Zukunft bereit. „Es ist die Einführung weiterer Archen geplant, könnte man sagen“, so Mand. Wie genau das Angebot aussehen wird, wird gerade noch im Detail erarbeitet.

Ist der Bedarf überhaupt da?

Sowohl die Erfahrungen in Pewsum im Kids-Café als auch in der Arche zeigen: Der Bedarf an solchen Angeboten ist da. Kruse und Mand berichten einhellig, dass eine entsprechende Nachfrage da ist.

Einig sind sich beide aber auch bei einem Problem: die Infrastruktur. Der öffentliche Personennahverkehr ist nicht ausreichend, um weiter entfernten Kindern eine bequeme und sichere Möglichkeit des Erreichens zu bieten, ohne auf die Eltern angewiesen zu sein. Und nicht jede Familie könne ihre Kinder zu den Zeiten fahren.

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