HPV kann Krebs auslösen  Die Geschlechtskrankheit, die fast jeder hat

| | 28.07.2022 19:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Es gibt Geschlechtskrankheiten, über die wird gefühlt nicht so oft gesprochen, obwohl sie gefährlich sind. Dazu gehört: HPV. DPA-Symbolfoto: Gateau
Es gibt Geschlechtskrankheiten, über die wird gefühlt nicht so oft gesprochen, obwohl sie gefährlich sind. Dazu gehört: HPV. DPA-Symbolfoto: Gateau
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Fast 80 Prozent aller sexuell aktiven Menschen infizieren sich mit HPV. Das Virus kann bei Männern und Frauen Krebs auslösen, dennoch ist die Impfquote gering.

Ostfriesland - Es gibt Geschlechtskrankheiten, vor denen wird oft und ausführlich gewarnt: AIDS, Syphilis, Tripper. Es gibt aber auch Geschlechtskrankheiten, über die wird gefühlt nicht so oft gesprochen, obwohl sie gefährlich sind. Dazu gehört: HPV. Die gute Nachricht: Es gibt eine Impfung.

„HPV ist die Abkürzung für humanes (menschliches) Papiloma (Blumenkohlartig) Virus“, erklärt Dr. Christian Albring, Vorsitzender des Niedersächsischen Landesverbands des Berufsverbandes der Frauenärzte. In Deutschland sind nach Schätzungen ungefähr sechs Millionen Frauen mit HPV infiziert, so der Bundesverband. Vom Virus gibt es verschiedene Typen, „von denen die Typen 16 und 18 diejenige sind, welche am aggressivsten sind und in Europa bei Betroffenen am häufigsten gefunden werden“, so Albring. Aggressiv bedeutet in diesem Fall: Sie können Krebs auslösen.

Fast jeder infiziert sich mit HPV, aber ist jede Infektion gefährlich?

„Etwa 80 Prozent aller sexuell aktiven Menschen machen mindestens einmal in ihrem Leben eine HPV-Infektion durch“, berichtet der Bundesverband auf der Internetseite „Frauenärzte im Netz“. Während manche Typen nur Feigwarzen im Genitalbereich auslösen, können unter anderem Typ 16 und 18 bei Frauen zum Beispiel Gebärmutterhalskrebs auslösen. Aber auch Krebs an den Geschlechtsteilen können, auch bei Männern, eine Folge sein.

Zwischen Infektion und der Entwicklung von Krebs können dabei mehrere Jahre liegen. Aber: Selbst eine nachgewiesene Infektion mit einem der aggressiven Virustypen führt nicht automatisch zu Krebs. „Bei 90 Prozent der infizierten Frauen heilen diese Infektionen in einem Zeitraum von bis zu zwei Jahren ohne Therapie und ohne Folgen aus“, so der Bundesverband ganz allgemein zu HPV-Infektionen. Nur etwas zehn Prozent der betroffenen Frauen blieben dauerhaft infiziert und können dadurch Zellveränderungen am Gebärmutterhals entwickeln. Von diesen zehn Prozent entwickeln aber wiederum laut Bundesverband nur etwa ein bis drei Prozent „über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren [einen] Gebärmutterhalskrebs - die übrigen heilen meist ohne Therapie aus“.

Was schützt vor einer HPV-Infektion?

Oft wird bei HPV vor allem über das Risiko für Frauen gesprochen. Aber auch Männer können durch eine Infektion Krebs entwickeln, nur in deutlich weniger Fällen. Basierend auf Daten des Zentrums für Krebsregisterdaten am RKI erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 6250 Frauen und ungefähr 1600 Männer an HPV-bedingten Karzinomen. Aber: „Männer sind genauso wie Frauen Überträger, wenn sie befallen sind.“ Für den Schutz gibt es verschiedene Möglichkeiten, eine der wirksamsten ist, neben Hygiene, die Schutzimpfung. „Mädchen sollten ab dem neunten bis zum 18. Jahr geimpft werden“, so Albring. Jungen werden in der Regel im Alter von neun Jahren geimpft. Allerdings wurde der erste HPV-Impfstoff erst 2006 in Deutschland zugelassen.

Viele heute sexuell aktive Menschen konnten also in jungen Jahren noch gar nicht geimpft werden. Denn: Allgemein wird die Impfung vor den ersten sexuellen Kontakten mit anderen empfohlen. „Bis zum 14. Lebensjahr reichen zwei Impfungen in kurzen Abstand aus, danach muss man drei Impfungen geben um einen Impfschutz zu erreichen“, so Albring weiter. Kondome schützen auch, aber laut Bundesverband der Frauenärzte nur vor ungefähr 50 Prozent der Infektionen. „Papillomviren können nämlich auch von den nicht durch ein Kondom abgedeckten Stellen auf den Schambereich übertragen werden und sich von dort langsam ausbreiten“, heißt es.

Angeblich gibt es nicht genügen HPV-Impfstoff?

Vielfach hört man, dass es aufgrund von mangelndem Impfstoff schwierig sei, eine Impfung für Kinder zu bekommen. „Der Impfstoff zur HPV-Impfung ist nicht knapp“, sagt Albring. Im Gegensatz zu den ersten Jahren handele es sich bei den heutzutage verfügbaren Impfstoffen „schon um einen nonavalenten Impfstoff“, das bedeutet: Ein Impfstoff schützt vor mehreren Virustypen, in diesem Fall neun.

„Leider ist die Impfrate nicht hoch, weil so viele ,etwas gehört’ haben“, sagt Albring. Auch würden nicht alle Kinder-, Haus- und Frauenärzte impfen. Die Imfpung für Jungen wird auch erst seit 2018 von der Ständigen Impfkommission empfohlen. Das RKI geht aktuell davon aus, dass lediglich die Hälfte der 18-jährigen Frauen in Deutschland einen vollständigen Impfschutz gegen HPV besitzen, die 18-jährigen Männer hingegen sind fast ungeschützt (1,3 Prozent).

Lohnt sich auch eine spätere Impfung?

„Unbedingt“, so Albring. „Selbst noch mit 45 oder 50 Jahren, wenn der Partner oder die Partnerin gewechselt wurde“, so der Frauenarzt. Manche Krankenkassen würden auch diese späten Impfungen noch übernehmen, eine Nachfrage würde sich also lohnen. Wer schon in jungen Jahren geimpft wurde, hat in der Regel mehrere Jahre Schutz, „bis zu 20 Jahre“, so Albring.

Wer häufiger die Partner oder Partnerinnen wechselt, in einer offenen Beeziehung lebt, fremdgeht oder ähnliches, „sollte unbedingt geimpft sein“, so Albring. Gerade auch, weil das Risiko einer HPV-Infektion hier viel höher ist als bei monogamen Beziehungen.

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