Auto voller Bargeld Porsche der Wiesmoor-Connection war für Geschäftspartner gedacht
Der in den Niederlanden zu Schrott gefahrene Porsche der Wiesmoor-Connection ist zurück in Deutschland. Und: Es gibt gravierende Änderungen innerhalb der Bande.
Wiesmoor - Der in eine Verfolgungsjagd in den Niederlanden verwickelte Porsche der Wiesmoor-Connection ist zurück in Deutschland – und hat nur noch Schrottwert. Unseren Informationen zufolge bescheinigte ein Gutachter dem rechtmäßigen Eigentümer einen Schaden in Höhe von rund 40.000 Euro. Ein wirtschaftlicher Totalschaden. Ein ehemals Vertrauter, der sich inzwischen von Christian Rademacher-Jelten distanziert hat, hatte dem Ex-Bürgermeisterkandidaten und zwischenzeitlich inhaftierten Ex-Kopf der Wiesmoor-Connection den Wagen geliehen – und ihn nicht zurückbekommen. Als er zunehmend Strafzettel aus den Niederlanden erhielt, erstattete der Mann Strafanzeige wegen Diebstahls. Und dann setzte ein von der niederländischen Polizei verfolgter Bargeld-Kurier den Porsche in den Gegenverkehr.
Den großen Haufen Bargeld stellte die Polizei Ende Juni sicher – verriet der Redaktion allerdings auch auf mehrmalige Nachfrage nicht, um wie viel Geld es ging. Mit Blick auf Fotos der Scheine lässt sich aber sagen, dass es sich um eine fünf-, wenn nicht sechsstellige Summe handeln muss. Auch jetzt, gut sechs Wochen später, wollen sich die Niederländer nicht äußern. „Ich kann Ihnen nur den Ablauf der Ermittlungen erklären“, so eine Pressesprecherin. Die Schlussfolgerungen der Polizei würden in einer Akte der Staatsanwaltschaft übergeben, die wiederum über weitere Schritte entscheide. „Wir können Ihnen keine Informationen über unsere Ermittlungsergebnisse geben“, so die Polizeibeamtin abschließend. Dass der Porsche freigegeben wurde, bestätigt sie erst nach unserem Hinweis, dass wir das bereits über andere Kanäle erfahren hätten.
Wo kam das ganze Bargeld her?
Unklar bleibt angesichts des Schweigens der niederländischen Behörden weiterhin, wofür genau das Geld gedacht war. Unseren Informationen zufolge hatte Rademacher-Jelten lediglich angekündigt, den Wagen für einen Geschäftspartner zu brauchen. Mehr ist auch aus engeren Kreisen der Wiesmoor-Connection nicht zu erfahren. Die Ermittlungen bezüglich des Diebstahl-Strafantrags laufen derweil in Aurich. Ein Sprecher der dortigen Polizeiinspektion teilt auf Nachfrage mit, dass die für den Fall zuständige Beamtin derzeit nicht im Hause sei. Allerdings wolle man sich in der zweiten Wochenhälfte dazu äußern, ob der Öffentlichkeit etwas mitgeteilt werden könne. Vor einigen Wochen hatte ein Polizeisprecher der Redaktion bereits bestätigt, dass es in dem Verfahren um einen 56-jährigen Wiesmoorer gehe – Rademacher-Jelten.
Der kam nach dem Fund einer riesigen Cannabis-Plantage mitten in Wiesmoor in Untersuchungshaft – ebenso wie sein mutmaßlicher Komplize, der innerhalb der Wiesmoor-Connection nur Dave genannt wird, der Redaktion aber mit Klarnamen bekannt ist. Der Verdacht: Drogenhandel – neben dem mutmaßlichen Subventionsbetrug und dem mutmaßlichen Abrechnungsbetrug mit nicht durchgeführten Corona-Tests ein mögliches weiteres Standbein der Bande. Innerhalb der Connection hat sich in letzter Zeit einiges getan: Laut Handelsregister haben sich sowohl die Auricherin C. H. H. und die beiden Ex-Germania-Fußballer A. K. und H. P. S. auf dem Papier nach und nach aus dem Firmengeflecht verabschiedet – und nun gibt es auch entscheidende Neuigkeiten, was die Besitzverhältnisse angeht.
Auswirkungen auch auf Hells-Angels-Bordell
Zuletzt hatte die KS Consult GmbH, das Zentrum der Wiesmoor-Connection, M. A. aus Schleswig-Holstein gehört, der allerdings als Strohmann einzustufen ist. Mitte Juli beurkundete ein Notar allerdings eine gravierende Änderung: Die KS Consult GmbH wurde komplett an die Dr. Rademacher / Jelten & Sinning GmbH veräußert – an das einzige Unternehmen im Geflecht, in dem Rademacher-Jelten höchstselbst und offiziell Geschäftsführer ist. Damit steht CRJ, wie er genannt wird, auch offiziell im Zentrum der Wiesmoor-Connection. Interessant: Die Dr. Rademacher / Jelten & Sinning GmbH gehört auf dem Papier Dave, der unter anderem wegen mindestens eines Gewaltdelikts vorbestraft ist.
Auswirkungen hat die Änderung der Besitzverhältnisse auch auf die Joy Company GmbH, die bis zur behördlichen Schließung in Bremen das „Eros 69“ betrieb, ein Bordell, das unter dem Einfluss der dort verbotenen Motorrad-Rocker der Hells Angels steht. Die alleinige Besitzerin der Firma ist die KS Consult GmbH – die nun Dave gehört. Seit Monaten versucht die Joy Company GmbH die Wiedereröffnung des Bordells zu erstreiten, verlor mit ihrem Eilantrag aber zuletzt auch vor dem Oberverwaltungsgericht. Parallel hat eine Prostituierte aus dem Umfeld des Hells-Angels-Bosses Andree P. einen Antrag bei den Bremer Behörden gestellt. Wie weit man dort mit einer Entscheidung ist, will man der Redaktion am Mittwoch mitteilen, heißt es aus der Pressestelle der Wirtschaftssenatorin.
Aber wie sieht es mit den strafrechtlichen Ermittlungen gegen CRJ und seine zahlreichen Partner aus? „Ich kann Ihnen keine neuerliche Entwicklung vermelden“, heißt es von der Staatsanwaltschaft Oldenburg, die sich um den mutmaßlichen Subventionsbetrug und den mutmaßlichen Testbetrug kümmert. Zuletzt war man dort von mehr als 40 Verdächtigen und einem Volumen von mehr als 20 Millionen Euro ausgegangen. Von der Staatsanwaltschaft Aurich, wo die Ermittlungen wegen des Cannabisfundes und der mutmaßlichen Insolvenzverschleppung laufen, gibt es auf Nachfrage ebenfalls keine Neuigkeiten. Priorität dürfte dort das Marihuana haben – denn Verdächtige dürfen ohne triftigen Grund höchstens sechs Monate in der U-Haft festgehalten werden, bis ihnen der Prozess gemacht wird.
Porsche der Wiesmoor-Connection bei Verfolgungsjagd gestoppt
Welche Rolle spielt Dave in der Wiesmoor-Connection?
Dave war der Mann für die teuren Autos
Die Hells-Angels-Wiesmoor-Connection