Brenzlige Situationen Geisterradler – Der Problemfall Jann-Berghaus-Brücke
Brandgefährlich findet es ein Leser aus Weener, wie sich Radfahrer auf der Jann-Berghaus-Brücke benehmen. Geisterradler sollten nicht so davonkommen, fordert der ADFC.
Weener - Recht schmale Seitenwege, hohe Kanten: Auf der Jann-Berghaus-Brücke komme es immer wieder zu brenzligen Situationen, schrieb ein Weeneraner der Redaktion. Der Grund: Das Fahren auf der falschen Seite – und zwar von Radfahrern. Geisterradler nennt man das. Täglich führen viele Radfahrer auf der falschen Seite von Leer nach Bingum, obwohl ein Schild die Durchfahrt zusätzlich untersage, so der Leser. Gemeint ist das Schild an der Kreuzung Emsstraße/An der Seeschleuse. Es verbietet die Weiterfahrt auf der linken Seite. Über die Ampel sollen Radfahrer schon weiter vor der Brücke auf die richtige Seite fahren. Angekündigte Kontrollen durch die Polizei habe er an der Stelle nicht gesehen, schreibt der Weeneraner.
Was und warum
Darum geht es: Immer wieder kommt es auf der Jann-Berghaus-Brücke zu gefährlichen Begegnungen von Radfahrern. Geisterradler sind hier ein Aufreger.
Vor allem interessant für: Alle, die am Verkehr teilnehmen
Deshalb berichten wir: Ein Leser meldete sich und wollte wissen, ob man sich der Gefahr an der Brücke bewusst sei. Wir gingen der Sache nach. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
„Wir haben keine Kontrollen angekündigt“, sagt Polizeisprecherin Svenia Temmen. Weil die Jann-Berghaus-Brücke aber zum Schulweg vieler Kinder aus Bingum gehöre, werde ohnehin ein besonderes Augenmerk bei Überprüfungen darauf gelegt. Übersehen werde das sicherlich nicht. „Man bekommt aber auch nicht jede Kontrolle mit.“ Man habe die Situation allerdings regelmäßig im Blick.
Direkt an den Geldbeutel
Einer, der immer wieder leidvolle Erfahrungen mit dem Weg über die Brücke gemacht hat, ist Hans-Hermann Joachim, Vorsitzender des ADFC-Kreisverbandes Leer. „Wir kamen mit einer Gruppe von zwölf Radfahrern aus Richtung Weener vergangene Woche. Da haben wir es erst gerade wieder erlebt“, sagt er. Geisterradler kamen der Gruppe aus Leer entgegen. „Ein Paar mit Fahrradanhänger.“ Unmöglich, sagt er. „Das war so gefährlich. Dafür ist der Weg viel zu schmal“, so Joachim. Er habe die Radfahrer auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht und sei dafür auch noch kritisiert worden. „Das Fahren auf der falschen Seite kreiert so gefährliche Situationen. Es ist unheimlich viel Verkehr, nicht auszudenken, was passiert, wenn jemand mit dem Rad die Kante hinunterrutscht“, sagt er.
Er fordert nicht nur Kontrollen: „Es sollte nicht nur hier und da einen erhobenen Zeigefinger geben. Es ist bei vielen Radfahrern einfach die pure Ignoranz und Rücksichtslosigkeit“, so Joachim. Bußgelder hält er für sinnvoll. „Wir werden noch lange daran arbeiten müssen, dass die Radfahrer verstehen, dass diese Regel eingehalten werden muss. Aber Bußgelder bleiben sicherlich schnell im Gedächtnis.“ Bei Schulkindern, die aus Richtung Bingum auf der linken Seite blieben, um nach Leer zu fahren, könne man noch Verständnis aufbringen. „Es sind aber eigentlich immer die Erwachsenen, die dann die groben Fehler machen und sich und andere damit in Gefahr bringen.“
Geisterradler großes Thema
Die Geisterradler sind nicht nur im Kreis Leer ein Aufreger. Das Ministerium für Wirtschaft, das Ministerium für Inneres, die Landesverkehrswacht Niedersachsen und die Polizei Niedersachsen starteten vor Kurzem eine breit angelegte Öffentlichkeitskampagne für mehr Sicherheit im Radverkehr. „Genau zur richtigen Zeit, da die Unfallzahlen nach Rückgängen in den Jahren 2020 und 2021 wieder anfangen zu steigen“, heißt es vom Land Niedersachsen.
Landesweit sollen nach den Sommerferien – über Plakate und Aktionen – wichtige Regeln zum Radverkehr transportiert werden. So will man auf Fehlverhalten hinweisen, und nicht zuletzt für mehr Rücksichtnahme werben. Das Unterlassen eines regelwidrigen Linksverkehrs – Stichwort: Geisterradler – solle dabei ebenso in den Fokus gerückt werden, wie der richtige Abstand beim Überholen von Radlern oder das Verbot des Parkens auf Schutzstreifen. „Für ein besseres Miteinander und Eigenschutz“, heißt es vom Land Niedersachsen. Dem Fahren auf der falschen Seite solle zum Beispiel mit Piktogrammen begegnet werden.