Folgen für Ausflugsfahrten  Frisch reparierte Emder Eisenbahnbrücke macht wieder Zicken

| | 10.08.2022 16:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Damit größere Schiffe den Delft verlassen können, muss die Eisenbahnbrücke hochgeklappt werden. Das geht nur aktuell (mal wieder) nicht. Foto: F. Doden/Archiv
Damit größere Schiffe den Delft verlassen können, muss die Eisenbahnbrücke hochgeklappt werden. Das geht nur aktuell (mal wieder) nicht. Foto: F. Doden/Archiv
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Erst seit Mai funktioniert die Eisenbahnbrücke über den Delft wieder – zumindest bislang. Aktuell gibt es wieder ein Problem, mit Folgen für größere Schiffe und Ausflugsfahrten.

Emden - Von November vergangenen Jahres bis zum vergangenen Mai war sie defekt und wurde repariert – und nicht einmal drei Monate später macht sie wieder Zicken: die Eisenbahnbrücke, die die Zufahrt in den Delft in Emden reguliert. Seit mehr als einem Jahrzehnt ist das Bauwerk stark störanfällig und das insbesondere an heißen Tagen.

„Eisenbahnbrücke mag keine sommerlichen Temperaturen – Ausflugsfahrten abgesagt!“, meldet das Emder Unternehmen AG Ems. Seit Mittwochmittag gehe „nichts mehr in Sachen Eisenbahnbrücke“, so die Reederei, die die Konsequenzen direkt spürt. Denn: Klappt die Brücke nicht hoch, kommen größere Schiffe nicht mehr raus oder rein. Erneut müssen deswegen Ausflugsfahrten mit der MS „Atlantis“ abgesagt werden. Betroffen sind die große Hafenrundfahrt und der „Ditzum-Donnerstag“ – zunächst bis Ende der kommenden Woche.

Mehr als 28 Grad verträgt Brücke nicht

Die Brücke gehört zum Netz der Deutschen Bahn (DB). Diese hatte schon im Mai eine nächste, für die Antriebserneuerung erforderliche, durchgehende Schließung der Brücke angesetzt. Allerdings erst für den Zeitraum Januar bis März kommenden Jahres. Diese Zeitung hat eine Anfrage zur genauen Begründung der aktuellen Störung an die DB gestellt und in kürzester Zeit eine Antwort erhalten.

Dort heißt es klar, dass die aktuelle Schließung kein Zufall ist: „Leider kann die Brücke bei lang anhaltender hoher Außentemperaturen in Einzelfällen nicht geöffnet werden. Die Temperatur wird sensorgestützt am Stahl im Schatten gemessen. Hier spielen die Sonneneinstrahlung und die Einwirkdauer die entscheidende Rolle. Ist diese zu hoch (mehr als 28 Grad), erhält der Bediener der Brücke einen betrieblichen Auftrag dazu“, erklärt eine Sprecherin.

Arbeiten ab Januar sollen Abhilfe schaffen

Mit den ab Januar anstehenden Arbeiten zur Erneuerung der Antriebstechnik werde vorgesehen, „dass auch die Temperaturmessung optimiert wird“, schreibt sie weiter. Dadurch verspreche man sich eine höhere Verfügbarkeit der Brücke, bezogen auf Öffnung und Schließung. Bis dahin heißt es von der Bahn: „Wir bedauern die Beeinträchtigungen für alle Betroffenen und bitten um Entschuldigung.“

Seit Jahren wird eine zweite Brücke gefordert, um den Betrieb reibungsloser zu gestalten. Priorität hat für die Bahn, dass das Gleis über den Delft befahrbar bleibt für die Güterzüge in den Emder Hafen und auch die Personenzüge zum Borkum-Kai. Für den Tourismus ist es aber auch wichtig, dass die sehr niedrige Brücke hochgeklappt werden kann, wenn Boote und Schiffe mit höheren Aufbauten in den Delft wollen. Es gibt zwar einen zweiten Wasser-Zugang in den Delft über die Borssumer Schleuse, doch dieser ist nur kleineren Gefährten mit wenig Tiefgang vorbehalten, und ist zeitaufwendig.

Eine zweite Brücke könnte – so die Idee der Politik in Emden – beim Komplettausfall der älteren eine verlässliche Verbindung weiter garantieren. Der Druck auf die Landesregierung wird stetig erhöht, doch konkrete Ergebnisse gibt es bislang nicht.

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