Reaktion auf Energiekrise  Beim Energiesparen ist jetzt die Emder Politik am Zuge

Claus Hock Heiko Müller
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Von Claus Hock und Heiko Müller
| 15.08.2022 20:28 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Straßenbeleuchtung in Emden wird voraussichtlich eingeschränkt. Auf dem Neuen Markt (Bild) regeln bereits Dimmer die Stärke der Laternen. Foto: M. Hanssen
Die Straßenbeleuchtung in Emden wird voraussichtlich eingeschränkt. Auf dem Neuen Markt (Bild) regeln bereits Dimmer die Stärke der Laternen. Foto: M. Hanssen
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Wie kann die Stadt Emden im Herbst und Winter Energie sparen? Diese Frage beschäftigt jetzt die Ratsparteien. Die Verwaltung hat am Montag Vorschläge unterbreitet.

Emden - Wie kann Emden Energie einsparen und auf die drohende Energiekrise und die Preissteigerungen reagieren? Auf einer außerordentlich einberufenen und nicht-öffentlichen Sitzung des Verwaltungsausschusses hat die Stadt Emden am Montag erste Impulse an die Politik gegeben. Die Fraktionen und Gruppen des Stadtrates wollen diese Vorschläge nun beraten. Eine Zeitschiene, bis wann die Entscheidungen getroffen werden, gibt es nicht.

Was und warum

Darum geht es: Die Politik berät über die Energiesparmaßnahmen, die die Einwohner Emdens betreffen.

Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder sowie diejenigen, die regelmäßig in der Stadt sind.

Deshalb berichten wir: Am Montag tagte der Verwaltungsausschuss der Stadt Emden. Der Verwaltungsausschuss ist nach dem Rat das wichtigste politische Gremium der Stadt.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

An welche Maßnahmen der Krisenstab und die Stadtwerke konkret denken, wollte Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) nach der Sitzung gegenüber dieser Zeitung nicht sagen. „Wir werden den Menschen aber nur das zumuten, was zumutbar ist“, gibt das Stadtoberhaupt als Richtung vor.

Es geht auch um die Straßenbeleuchtung

Der von der Verwaltung vorgelegte Katalog umfasse grundsätzlich aber mehrere Möglichkeiten. Allgemein ginge es um Themen wie Straßenbeleuchtung, aber auch um die Beheizung von Räumlichkeiten, zum Beispiel in den Schulen der Stadt. „Wir wollen aber mit Augenmaß handeln“, betonte Kruithoff. Bei der Straßenbeleuchtung müsse auch das Sicherheitsempfinden der Emderinnen und Emder bedacht werden. Bei der Frage, was man den Schülerinnen und Schülern zumuten will, sei zu bedenken, dass diese in der Pandemie schon stark gelitten haben. „Außerdem wissen wir auch nicht, was im Herbst an Corona auf uns zukommt und wie das beispielsweise mit Stoßlüftungen aussieht.“

Ähnlich äußerte sich der Verwaltungschef zum „kalte Duschen in Sporthallen.“ Auch da müsse man schauen, inwieweit das zielführend sei. Wenn die Sportler die vollgeschwitzten Klamotten ausziehen, sich neue überziehen, und beides dann zu Hause in die Wäsche geben, „nachdem sie vielleicht noch länger geduscht haben als sie das in der Sporthalle getan hätten“, dann würde die Maßnahme das Gegenteil bewirken.

„Eiszeit“ steht noch nicht zur Disposition

Auch über die Friesentherme sei gesprochen worden. „Das Gebäude war gerade erst in der Überprüfung“, so Kruithoff. Dennoch schaue man auch hier, ob man noch sinnvolle Maßnahmen umsetzen könne. „Dabei geht es aber um Einsparungen, nicht um Schließungen.“

Kein Thema war den Angaben des Stadtoberhaupts zufolge bislang eine Absage der Neuauflage der Eissportveranstaltung Eiszeit Emden, die von Ende Januar bis Anfang März des kommenden Jahres in der Nordseehalle geplant ist. Viele Emderinnen und Emder stellen dieses Wintervergnügen angesichts der drohenden Krise bereits in Frage. Bislang hatte der städtische Kulturbetrieb Kulturevents stets von einer „guten Klimabilanz“ dieser Veranstaltung gesprochen und darauf hingewiesen, dass bereits einige Energiesparmaßnahmen umgesetzt worden sind.

15 bis 20 Prozent sollen gespart werden

15 bis 20 Prozent, so die Maßgabe, soll in Deutschland an Energie gerade vor dem Hintergrund der erwarteten Gasknappheit wegen des Ukraine-Krieges gespart werden. „Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Energiekosten schon ungefähr halbiert“, gab Kruithoff zu bedenken. Daher sei es mitunter schwierig, noch weitere vor allem größere Einsparmöglichkeiten zu finden. „Es bringt auch nichts, dann über die Abschaltung einzelner Ampeln zu diskutieren“, so der Oberbürgermeister.

Politik und Verwaltung seien aber auf einem guten Weg. „Die Sitzung war sehr konstruktiv“, so der Oberbürgermeister. Die Politik sei sich der Verantwortung der Stadt bei der Bewältigung der Situation bewusst. Die SPD im Emder Rat hatte in der vergangenen Woche darauf gedrängt, dass die politischen Gremien bei den Überlegungen eingeschaltet werden. „Die Ratsparteien sollen die Vorschläge jetzt diskutieren“, sagt Kruithoff. Er erhofft sich, dass die spätestens nach den Sommerferien beschlossenen Maßnahmen von einer möglichst großen Mehrheit getragen werden. Man sei noch nicht in der Heizperiode, deswegen müssten die Entscheidungen nicht sofort getroffen werden. Mit politischen Beschlüssen durch den Verwaltungsausschuss habe Kruithoff zu diesem Zeitpunkt deswegen auch noch nicht gerechnet.

In der vergangenen Woche hatte die Verwaltung schon erste interne Maßnahmen zum Energiesparen mitgeteilt. Zudem, so Kruithoff am Montag, sei eine Arbeitsgruppe im Verwaltungsstab damit beauftragt worden, mit Handel und Gewerbe in Emden Gespräche zu führen. „Die Unternehmen, gerade die großen, tun schon viel“, sagt der Oberbürgermeister. Dennoch sei es wichtig, auch hier den Dialog zu suchen.

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