Tagung zur Landwirtschaft  Regionalbewegung will Stärkung hiesiger Strukturen

| | 17.08.2022 17:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Für eine Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft braucht es auch ein Umdenken bei der Tierhaltung. Davon ist der Norder Fleischer Enno Appelhagen überzeigt. Symbolfoto: Hock/Archiv
Für eine Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft braucht es auch ein Umdenken bei der Tierhaltung. Davon ist der Norder Fleischer Enno Appelhagen überzeigt. Symbolfoto: Hock/Archiv
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Zwei Tage lang beschäftigen sich verschiedene Akteure mit der Zukunft der Landwirtschaft in der Region. Wir haben mit einem der Organisatoren gesprochen.

Norden - Wie sieht die Zukunft der Nutztierhaltung im ländlichen Raum aus? Diese Fragen wollen verschiedene Expertinnen und Experten in dieser Woche bei einer Fachtagung in Norden besprechen. Die Initiative davon kommt von der Regionalbewegung Norden und ihrem Sprecher, dem Fleischer Enno Appelhagen.

„Unsere Umwelt und damit unser Ernährungs- und Wirtschaftssystem befindet sich in einer schleichenden Krise“, heißt es in der Einladung zur Fachtagung, die an diesem Donnerstag und Freitag, 18. und 19. August, in Norden stattfindet. Und weiter: „Eine Ernährungswende (Paradigmenwechsel), die auf der Wertschätzung der Verbraucher für gutes Essen genauso basiert wie auf dem Bewusstsein darüber, wie Lebensmittel derzeit erzeugt werden und zukünftig erzeugt werden sollten“, werde benötigt. Wie genau das für Ostfriesland aussehen könnte, darüber hat unsere Zeitung mit Enno Appelhagen gesprochen. Der 70-Jährige arbeitet seit 1975 im Fleischereigewerbe und hat zuvor auch eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert.

Im Gespräch: Enno Appelhagen. Foto: Hock
Im Gespräch: Enno Appelhagen. Foto: Hock

Herr Appelhagen, was ist die Regionalbewegung?

Enno Appelhagen: Die Regionalbewegung ist ein Zusammenschluss von Interessenvertretern, die sich auf die Fahne geschrieben haben, die Interessen der regionalen Wirtschaftern gegenüber der Politik zu vertreten. Die Regionalbewegung will dabei vor allem den ländlichen Raum stärken. Wir wollen auf die Probleme hinweisen, die handwerkliche und bäuerliche Betriebe im ländlichen Raum haben. Wir haben den Eindruck, dass man ‚oben‘ in der Politik nicht mehr weiß, wie es ‚unten‘ läuft.

Was erwarten sie denn von der Politik?

Appelhagen: Die Politik muss die passenden Rahmenbedingungen schaffen, um die bäuerliche Landwirtschaft weiter zu stärken. Dabei helfen nicht immer wieder neue Siegel, die schlussendlich nichts aussagen. Wir müssen auch endlich mal klären, was überhaupt „regional“ bedeutet und was ein bäuerlicher Familienbetrieb ist. Wollen wir weiter unter Weltmarktbedingungen produzieren oder braucht es nicht auch die bäuerliche, wirklich die Region stärkende Landwirtschaft? Ich behaupte mal, die meisten landwirtschaftlichen Betriebe in Ostfriesland sind nicht in der Lage, unter Weltmarktbedingungen zu produzieren. Da wir die Globalisierung aber nicht rückgängig machen können, müssen wir eine zweite, bäuerliche Schiene aufbauen. Dafür braucht es aber die passenden Rahmenbedingungen und auch Förderungen durch die Politik.

Sie wünschen sich also stärkere regionale Strukturen?

Appelhagen: Ja. Der ländliche Raum hat ja auch die Aufgabe der Nah- und Zentrenversorgung. Wenn wir aber wirklich wieder die Wertschöpfung und das Handwerk auf die Dörfer bringen wollen, dann brauchen wir auch eine regionale Verarbeitung. Eine Schau-, Lehr- und Versuchsmolkerei zum Beispiel. Wir müssen uns fragen, wie wir die beiden Schienen aufbauen können. Ein Beispiel: Ein Landwirt hat einen Vertrag mit einer großen Molkerei, hat aber bei sich in der Nähe auch die Möglichkeit, über kleine Strukturen selbst zu vermarkten. Das würde ja auch die Produktvielfalt steigern, weil der Bauer dann seinen eigenen Käse anbieten könnte. Wir brauchen einfach mehr Alternativen.

Müssten sich dafür nicht auch die Landwirte umstellen?

Appelhagen: Wir müssten wieder auf das Zwei-Nutzungs-Rund umschwenken. Aktuell hat man entweder Kühe mit viel Milchleistung, aber wenig verwertbarem Fleisch oder mit geringer Milchleistung, dafür mehr Fleisch. Das muss sich ändern. Das hat auch etwas mit Tierethik und Tierwohl zu tun. Hochgezüchtete Milchkühe haben ja nur noch eine geringe Lebenserwartung. Darüber müssen wir auch sprechen.

Was erhoffen sie sich von der Tagung?

Appelhagen: Impulse und Ideen, die schlussendlich zu einer Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft und der regionalen Strukturen führen. Wir haben Teilnehmer aus ganz verschiedenen Bereichen, nicht nur aus der Landwirtschaft dabei. So nehmen neben Landrat Olaf Meinen und Bürgermeister Florian Eiben auch Veterinäre, Landwirte, Metzger und Vertreter der Kirche teil.

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